Fußball

Zwischen der TSG Hoffenheim und dem SV Vonderort

Albert Alex (l.) träumte von einem Leben als Fußballprofi. In dieser Saison spielte er für den C-Kreisligisten SV Vonderort.

Albert Alex (l.) träumte von einem Leben als Fußballprofi. In dieser Saison spielte er für den C-Kreisligisten SV Vonderort.

Foto: imago sportfotodienst

Bottrop.   Albert Alex träumte vom großen Durchbruch im Profifußball, spielte für Köln und Hoffenheim und noch wenige Male für den C-Ligisten SV Vonderort.

Auf Asche hat er lange nicht mehr gespielt, das muss Albert Alex zugeben. Doch der harte, rote Untergrund am Wienberg schreckt ihn nicht ab, als ihn sein Kumpel Sascha Haberstroh fragt, ob er nicht mit ihm beim SV Vonderort kicken wolle. Dabei hat der Kumpel von Ex-Nationalspieler Chinedu Obasi in seiner Karriere schon einige feinere Fußballplätze gesehen, schließlich hat er in der Jugend beim 1. FC Köln gespielt und später mit den Profis von 1899 Hoffenheim trainiert.

Albert Alex wächst in Nigeria auf, als er elf Jahre alt ist, wandert er mit seiner Mutter nach Deutschland aus. In Solingen schlagen sie ein neues Kapitel in ihrem Leben auf. Schon in seinem Heimatland spielt der kleine Albert immer Fußball, aber nie im Verein, sondern mit anderen Kindern auf der Straße. „In Deutschland war für mich natürlich alles neu, ich musste mich an die neue Umgebung und die Sprache gewöhnen. Aber wir wurden von Anfang an von unseren Nachbarn unterstützt, so dass wir uns in Solingen schnell wohl gefühlt haben“, erinnert sich Albert Alex. „Ich habe mich zunächst mit den anderen Kindern mit Händen und Füßen verständigt, aber dann auch recht schnell Deutsch gelernt.“

Er geht zunächst in eine Förderklasse, ehe er in der fünften Klasse in den Regelunterricht wechselt. Ein Freund nimmt ihn mit zum Fußball, Britannia Solingen heißt der nächste Verein um die Ecke. D-Jugend-Trainer Jürgen Krug kümmert sich rührend um den Neuankömmling, „er war wie ein Vater für mich“, erzählt Albert Alex.

Kapitän der Kölner U17

Er fällt mit seinem Talent auf, bei einem Sichtungsturnier des Fußballverbandes Niederrhein in der Sportschule Wedau in Duisburg werden Scouts des 1. FC Köln auf ihn aufmerksam. Albert Alex wird zum Probetraining am „Geißbockheim“ eingeladen und darf bleiben. Allerdings wird er in der Kölner U 15 zum Verteidiger umgeschult, diese Position spielt er bis heute. Beim „Effzeh“ wird der bald 1,95 Meter lange Schlaks sogar Kapitän der U17, spielt mit unter anderem Christian Clemens und Stephan Salger (heute Arminia Bielefeld) in der Junioren-Bundesliga gegen den Nachwuchs von Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach.

Training unter Professor Rangnick

Als er im Sommer 2009 in den Seniorenbereich wechselt, würde er gerne am Dom bleiben, „doch die Kölner haben ein bisschen verpennt, meinen Vertrag zu verlängern“, berichtet Albert Alex. Wie gut, dass er wieder einem Spielerbeobachter positiv auffällt, diesmal aus Hoffenheim. Eine Topadresse für einen jungen Fußballer, denn ein Jahr zuvor schafft der Dorfklub den Durchmarsch in die Bundesliga. „Ralf Rangnick hat am Anfang viel mit mir gesprochen und mir die Chance gegeben, mit der Profitruppe zu trainieren“, erinnert sich Albert Alex an die tolle Zeit im Kraichgau.

Sein Landsmann Chinedu Obasi kümmert sich wie ein Bruder um den Youngster, den Sprung in die Bundesliga aber schafft er nicht. An Top-Verteidigern wie Marvin Compper oder dem erfahrenen Josip Simunic kommt er nicht vorbei. Albert Alex muss sich in der U23 der TSG empfehlen, die in der Oberliga am Ball ist. Der Weg nach oben aber bleibt ihm verwehrt, aufgrund von Verletzungen erleidet er immer wieder Rückschläge. Als Ralf Rangnick schließlich Hoffenheim in Richtung Schalke verlässt und Markus Gisdol das Traineramt übernimmt, ist für Albert Alex die Zeit bei 1899 vorbei. „Für einen Spieler ist das Wichtigste, dass dir der Trainer vertraut, gerade bei jungen Spielern“, weiß Albert Alex. „Markus Gisdol hat nicht auf mich gesetzt, daher habe ich mich nach einem anderen Verein umgesehen.“

Der Fußball führt Albert bis nach Schweden

Sein Berater vermittelt ihn nach Schweden, er kommt beim Zweitligisten Halmstad unter. Auch dort ist für ihn nach einer Trainerentlassung Schluss und Albert Alex kehrt nach Deutschland zurück. Normannia Gmünd heißt die nächste Station, ein Oberligist aus Württemberg. Nach einem Jahr in der Ostalb geht es für ihn weiter. Sein Kumpel Chinedu Obasi spielt inzwischen auf Schalke, also zieht er bei ihm in Gelsenkirchen ein. Statt bei den Königsblauen aber landet er bei den „Rothosen“ der Hammer Spielvereinigung, einem Oberligisten. Dann beginnen für Jahre der Wanderschaft: VfB Hüls (zweimal), TuS Bövinghausen und SV Zweckel heißen die folgenden Vereine – bis Albert Alex Vater wird und die Fußballschuhe zunächst an den Nagel hängt. „Da waren andere Dinge wichtiger, ich wollte mich um mein Baby kümmern und habe zugleich eine Ausbildung begonnen.“

Von Vonderort nach Resse

Der frühere Junioren-Bundesligaspieler wird Schlosser – dann ruft Sascha Haberstroh an. Ob er nicht wieder Lust hätte zu kicken, beim SV Vonderort in Bottrop könnten sie einen Fußballer wie ihn gut gebrauchen. „Okay, Kreisliga C auf Asche“, meint Albert Alex lachend und sagt zu. Sein Engagement bei den „Wienberg-Löwen“ allerdings endet in ein paar Wochen, dann wechselt Albert Alex noch einmal den Verein. Er hat beim VfL Resse 08 zugesagt, der Geschäftsführer des Gelsenkirchener B-Ligisten ist sein Arbeitgeber.

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