Fußball

Ziemlich beste Feinde

Kooperation unter Dorfrivalen: Georg Garz (l.) und Martin Kohlhaw (r.) vom VfB Kirchhellen und Uwe Bromkamp und Birgitt Schuknecht vom VfL Grafenwald ziehen für die Jugend gemeinsam an einem blau-weiß-grünen Strang.

Kooperation unter Dorfrivalen: Georg Garz (l.) und Martin Kohlhaw (r.) vom VfB Kirchhellen und Uwe Bromkamp und Birgitt Schuknecht vom VfL Grafenwald ziehen für die Jugend gemeinsam an einem blau-weiß-grünen Strang.

Foto: Michael Korte

Kirchhellen.   Der VfB Kirchhellen und der VfL Grafenwald mögen sich nicht, in der Jugend arbeiten beide Klubs in der neuen Saison aber dennoch zusammen.

Zwei Lokalrivalen üben den Schulterschluss. Der VfB Kirchhellen und der VfL Grafenwald werden in der kommenden Saison kooperieren und Jugendspielgemeinschaften aufstellen. Wie Zusammenarbeit und die von beiden Seiten durchaus geschätzte Rivalität miteinander vereinbar sein sollen, erklären die beiden Jugendleiter Birgitt Schuknecht (VfL) und Martin Kohlhaw (VfB) im WAZ-Interview.

Der VfB Kirchhellen und der VfL Grafenwald haben sich auf eine Kooperation geeinigt. Wie wird das konkret aussehen?

Birgitt Schuknecht (Jugendleiter VfL Grafenwald, Abteilung Fußball): In der kommenden Saison wird es eine Jugendspielgemeinschaft für die Altersgruppe der männlichen C-Jugend geben. Wir nehmen in den Jahrgängen 2005 und 2006 mit mehreren Mannschaften am Spielbetrieb teil und in diesen Teams spielen Jugendliche aus Kirchhellen und Grafenwald.


Martin Kohlhaw (Jugendleiter VfB Kirchhellen): Nach den aktuellen Zahlen zu gehen, werden wir Spieler für zwei oder drei Mannschaften haben. Außerdem werden wir über eine Zusammenarbeit unserer Mädchenmannschaften sprechen. Auch da könnten die Gespräche auf eine Jugendspielgemeinschaft hinauslaufen.

Wie ist die Idee zu dieser Kooperation entstanden?

Schuknecht: Der VfL Grafenwald ist bei den jüngeren Mannschaften und den Mädchen gut aufgestellt. Doch in dieser Saison konnten wir keine Mannschaften bei den A-, B- und C-Junioren melden. Wir haben nach Lösungen gesucht, diese Entwicklung aufzuhalten. Die Idee war: Wenn uns ein paar Spieler fehlen, gibt es vielleicht Jugendliche, die in einem anderen Verein nicht zum Zug kommen. Und was liegt da näher, mit unseren nächsten Nachbarn Kontakt aufzunehmen?

Kohlhaw: Wir waren erst überrascht, als Grafenwald an uns herangetreten ist. Normalerweise schließen sich Teams zu einer Jugendspielgemeinschaft zusammen, die beide zu wenig Spieler für eine eigenständige Mannschaft haben. Unsere Situation in Kirchhellen mit aktuell 280 Jugendfußballern und mehreren Mannschaften pro Altersklasse sieht anders aus. Aber inzwischen sind wir sehr froh über diese Gespräche. Denn wir stoßen an Kapazitätsgrenzen, da wollen wir unsere Trainings- und Spielzeiten auf den beiden Anlagen abstimmen. Außerdem können wir mit der JSG verhindern, dass Spieler aus Kirchhellen ein Reservistendasein fristen. Auf der anderen Seite wird der VfB bei den U17-Juniorinnen allein keine Mannschaft stellen können.

In welchen Schritten werden diese Absichtserklärungen umgesetzt?

Schuknecht: Für uns ist wichtig, dass wir unseren D-Jugendlichen, die in der kommenden Saison zu den C-Junioren wechseln, sagen können, dass sie weiterhin in Grafenwald Fußball spielen können. Wir werden eine Arbeitsgruppe bilden. Diese bereitet die organisatorischen Dinge rund um die JSG vor und plant Aktionen, über die sich die Spielerinnen und Spieler „beschnuppern“ können.

Kohlhaw: Deswegen haben wir diesen frühen Zeitpunkt gewählt. Es bringt nichts, im August zu sagen: Wir spielen jetzt als Jugendspielgemeinschaft. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich kennenlernen, auch außerhalb des Fußballplatzes. Beim VfB setzen wir das Projekt „Fußball kann mehr“ um - da waren wir letztens mit einer Mannschaft im Seniorenheim.

Wie passt das alles mit der Rivalität der beiden Dorfklubs zusammen?

Kohlhaw: Die wird es auch weiterhin geben, wenn Mannschaften von VfB und VfL aufeinandertreffen. Aber hier geht es darum, dass wir dort, wo es nötig ist, zusammenarbeiten, damit allen Kindern das Fußballspielen ermöglicht wird.

Schuknecht: Wir sind uns im Klaren, dass der Erfolg dieser Pläne davon abhängt, ob dieses Angebot von Spielern, Eltern und Trainern angenommen wird. Die Arbeitsgruppe für die Kooperation soll nicht nur mit Vorstandsmitarbeitern besetzt sein, sondern allen Interessierten offen stehen.

Kohlhaw: Es ist wichtig, dass wir es einfach versuchen. Mit anderen Strategien, zum Beispiel mit einer zweiten Mannschaft mit reduzierter Spielerzahl, hat nur dazu geführt, dass sich die Jugendlichen als Spieler zweiter Klasse gefühlt haben. Diese Kinder gehen uns dann verloren und werden uns in Zukunft fehlen.

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