Jugendfussball

VfB Kirchhellen: Julian Thimm trifft es doppelt schlimm

Zum Abwinken: Julian Thimm verletzte sich im Relegations-Spiel der Senioren und fehlt seinem VfB Kirchhellen in den nächsten zwei Wochen.

Zum Abwinken: Julian Thimm verletzte sich im Relegations-Spiel der Senioren und fehlt seinem VfB Kirchhellen in den nächsten zwei Wochen.

Foto: Felix Hoffmann

Kirchhellen.  Die U19 des VfB Kirchhellen spielt um den Bezirksliga-Aufstieg – ohne Leistungsträger Julian Thimm, der die Saison doppelt geschädigt beendet.

Stell dir vor, du verpasst mit deiner A-Jugend den Sprung in die Bezirksliga. Und demontierst dann im kommenden Jahr deine Gegner, um eine neue Chance zu erhalten. Schießt Tore ohne Ende. Kämpfst, jubelst, begeisterst. Auch bei den Senioren, wo du einen Anteil am Aufstieg der ersten Mannschaft hast. Nur um dich dort im entscheidenden Spiel schwer zu verletzten – und so das letzte Highlight deiner Junioren-Laufbahn zu verpassen. Willkommen im Leben von Julian Thimm, Leistungsträger beim VfB Kirchhellen.

Gut 2000 Zuschauer erlebten vor zwei Wochen mit, wie der VfB Kirchhellen in der Bezirksliga-Relegation an Eintracht Gelsenkirchen verzweifelte. 1:3 lagen die Blau-Weißen in der Schlussphase hinten – Julian Thimm zog trotzdem unverdrossen Sprint für Sprint an. Sein Einsatz lohnte sich genauso wie der des restlichen Teams. Kirchhellen schaffte das Fußballwunder im Elfmeterschießen – allerdings mit üblen Folgen für den 19-Jährigen.

Erinnerungslücken nach der Verletzung

Denn kurz vor Ende der regulären Spielzeit fiel Thimm nach einem Foul unglücklich auf seinen Arm und zog sich eine schwere Fraktur zu. „So ganz genau kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt der Kirchhellener, immerhin wieder lachend. Grund dafür waren die Verlängerung und der Zusammenbruch nach Abpfiff – sowie der Krankenhaus-Besuch statt einer ausgiebigen Party. Wobei er die natürlich nachholte. Seitdem aber hängt der Stürmer in der Schwebe und ist nicht wirklich schlauer um seinen Zustand.

Denn was der Arzt zunächst als einfache Knochenabsplitterung im Arm diagnostizierte – der Einsatz in der U19-Aufstiegsrunde rückte plötzlich wieder in Reichweite – entpuppte sich als weitaus kompliziertere Verletzung. Am Sonntag gibt es das endgültige Ergebnis, was Julian Thimm fehlt. Und ob sogar eine Operation notwendig ist.

Dem VfB Kirchhellen fehlt die Tormaschine

Fest steht dagegen: Thimm wird seiner A-Jugend in den kommenden vier Partien der Aufstiegs-Runde fehlen. Ein heftiger Verlust, wie schon die Zahlen belegen. Neben acht Treffern in acht Senioren-Spielen erzielte die Nummer 17 satte 18 Tore in elf U19-Duellen. „Das wiegt schwer, aber wir können das über das Kollektiv kompensieren“, ist sich sein Trainer Mario Bethscheider sicher – Thimm schlägt in die gleiche Kerbe.

„Ich habe großes Vertrauen in die Jungs, die werden es schon wuppen. Wir haben uns den Traum über ein Jahr wieder erarbeitet und machen diesmal den letzten Schritt.“ Das Team sei zusammen gewachsen nach den Erfahrungen, Erfolgen und Misserfolgen der letzten zwei Jahre, betont Thimm weiter und sieht Blau-Weiß personell und vom Kopf her bestens aufgestellt.

Keine Zweifel, sich überspielt zu haben

Zweifel, sich in zwei Mannschaften überspielt zu haben, kommen dem Talent nicht in den Sinn. „Ich habe nicht das Gefühl der Überbelastung. Im Gegenteil, mir hat die Spielzeit bei den Senioren sehr geholfen, vor allem fußballerisch. Deshalb bin ich dankbar für die Chance – und würde es genauso wieder machen.“

Dennoch fällt das letzte Hurra bei den Junioren aus – der Relegationskrimi bleibt vorerst Julian Thimms Höhepunkt. Denn im vergangenen Jahr bekam der Kirchhellener auch die Diagnose für Wirbelgleiten um die Ohren gehauen, die Rückenverletzung zwingt den Torjäger kommende Saison zu Rehasport und Aufbautraining.

Fußballverrückt und dem Dorf verbunden

Dass sich Julian Thimm in den zurückliegenden Monaten trotzdem nochmal steigerte und auf Kosten seiner Gesundheit alles für Blau-Weiß in die Waagschale warf, spricht für seine Fußballverrücktheit – und die Verbundenheit zum Verein. Die Frage, welchen Aufstieg er lieber mitnehmen würde in seine Zwangspause, stellt sich für Thimm deshalb nicht.

„Erste Mannschaft und U19 – das gehört zusammen“, weiß Julian Thimm und setzt fort: „Kurieren kann ich mich nächstes Jahr, vorher steigt unser Dorf auf.“ Die Bezirksliga läuft schließlich nicht weg.

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