Fußball Kreisliga A

VfB Kirchhellen erhält Unterstützung von der Krankenstation

Max Bertlich und sein ganz persönlicher „Mannschaftsbus“ vor dem Spiel gegen den BV Horst-Süd.

Max Bertlich und sein ganz persönlicher „Mannschaftsbus“ vor dem Spiel gegen den BV Horst-Süd.

Foto: Felix Hoffmann

Kirchhellen.   Max Bertlich und Jonas Thimm waren tragende Säulen des Erfolg. In der entscheidenden Saisonphase können sie ihr Team nur mental unterstützen.

Max Bertlich war am Sonntag vielleicht der schnellste Mann auf der Bezirkssportanlage. Trotz eines gebrochenen Knöchels und gerissener Bänder. Der 22-Jährige flitzte vor dem Spiel gegen den BV Horst-Süd über den Platz, begrüßte seine Mannschaftskameraden und unterhielt sich mit Zuschauern. Ausgerechnet er strahlte die Zuversicht aus, die Trainer Bartosz Maslon vor der so wichtigen Partie noch fehlte. Bertlich nahm während des Spiels neben der Ersatzbank Platz, er hatte sich seinen eigenen Sitz mitgebracht.

Schneller als der durchschnittliche Rentner, blaumetallic lackiert mit Platz für ein wenig Gepäck. Dazu ein bequemer Sitz und ganz viel Frühlingsluft um die Ohren: „Ich darf das verletzte Bein nicht bewegen“, erklärte Bertlich den Spontankauf seines kleinen Elektro-Mobils, mit dem er am Sonntag beim VfB aufkreuzte: Dass er damit für Lacher sorgte, und sogar einige dumme Sprüche kassierte, tat Bertlich mit einem souveränen Lächeln ab.

Max Bertlich mittendrin statt nur dabei

Das surrende Gefährt bringt dem jungen Mann einen veritablen Mehrwert: „Der gebrochene Knöchel hält mich auf Trab. Die kleinsten Dinge des Alltags fallen enorm schwer. Durch das Gerät bin ich mobil. Fast so, als ob nichts wäre. In diesem Sinn war der Kauf ein echter Schnapper.“

Und so war Bertlich am Sonntag tatsächlich mittendrin statt nur dabei. Ein kleiner Trost für die böse Verletzung, die sich der Innenverteidiger vor drei Wochen im Spiel beim FC Horst 59 zugezogen hatte. Einen Monat lang muss er sein rechtes Bein noch schonen, bis dahin wird ihm der fahrbare Untersatz noch gute Dienste leisten.

Thimm denkt an das Karriereende

Max Bertlich ist nicht der einzige Spieler des VfB Kirchhellen, der die spannendste Phase der Saison aus einer undankbaren Perspektive ertragen muss. Auch Jonas Thimm bleibt schon seit Februar nur die Zuschauerrolle. Der Mittelfeldmotor des VfB zog sich im Spiel beim BV Rentfort einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Der 23-Jährige weiß genau, was das für ihn bedeutet.

Und nicht nur, weil er selbst bald einen weißen Kittel trägt: „Vor vier Jahren habe ich mir die selbe Verletzung im anderen Knie zugezogen“, sagt der Medizin-Student. Die OP ist gut verlaufen, die Physiotherapie weit vorangeschritten. Überhasten will Thimm allerdings nichts: „Bei meiner ersten schweren Verletzung habe ich den Fehler gemacht, zu früh wieder mit dem Fußball anzufangen.“

Den Zeitpunkt, an dem er wieder gegen den Ball treten könnte, sieht Thimm frühestens im Frühling 2020. „Klar, mein Traum ist es, mit dem VfB Kirchhellen in der Bezirksliga zu spielen, aber es kann auch gut sein, dass ich überhaupt nicht mehr auf den Platz zurückkehre.“ Thimm setzt klare Prioritäten. Das Medizinstudium hat er bald abgeschlossen, danach geht es für einige Monate in die Schweiz, „ich möchte die ersten Schritte meiner beruflichen Laufbahn nicht auf Krücken machen.“

Für den Rest der Saison konzentriert sich Jonas Thimm ganz auf seine Rolle an der Seitenlinie. „Ich bin immer noch Kapitän der Mannschaft und habe als solcher eine Aufgabe zu erfüllen. Ich denke, mein Wort hat Gewicht in der Mannschaft und ich werde in den letzten Spielen alles tun, um der Mannschaft den Rücken zu stärken.“ Max Bertlich sieht seine Rolle ganz ähnlich: „Von außen hast du einen ganz anderen Blick auf das Spiel, das macht es für mich nicht leichter, aber ich kann motivieren und mental ganz nah dabei sein.“

Was das gesteckte Saisonziel angeht, sind sich Bertlich und Thimm einig. „Wir schaffen den Aufstieg in die Bezirksliga“, sagt Max und Jonas ergänzt, „unsere Mannschaft ist zwar noch sehr jung, aber dafür auch schon erfahren. Die Situation einer Aufstiegsrunde ist für uns nicht neu.“ Die bitteren Erlebnisse der vergangenen Relegation könnten in diesem Jahr der entscheidende Vorteil sein. Der VfB Kirchhellen weiß, worauf es ankommt. Nicht auf den Einzelnen, sondern auf die gesamte Mannschaft. Und da spielt es nur eine untergeordnete Rolle, wer auf und wer neben dem Spielfeld steht bzw. fährt.

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