Tischtennis

Vater-Sohn-Duell am grünen Tisch

Hendrik und Lothar Paskuda stehen sich am Sonntag gegenüber, wenn der TSSV Bottrop die DJK Olympia Bottrop empfängt.

Foto: Oliver Mengedoht

Hendrik und Lothar Paskuda stehen sich am Sonntag gegenüber, wenn der TSSV Bottrop die DJK Olympia Bottrop empfängt. Foto: Oliver Mengedoht

Bottrop.   Wenn sich am Sonntag der TSSV Bottrop und die DJK Olympia Bottrop gegenüber stehen, müssen zwei Spieler ihre familiären Bande ausblenden.

Heike Paskuda zuckt mit den Schultern. Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Sie lächelt verlegen. Einem von beiden wird die Antwort nicht gefallen. Ihr Mann Lothar und Sohn Hendrik sitzen am Küchentisch und erwarten dennoch eine Auskunft. „Ich glaube, ich würde eher Hendrik den Sieg gönnen“, sagt sie schließlich. Die drei Paskudas blicken sich an und lachen. Die Tischtennis-Familie fiebert dem 10. Dezember entgegen. Dann endet die Hinrunde der Verbandsliga mit dem Lokalderby zwischen Tabellenführer TSSV Bottrop und Aufsteiger DJK Olympia. Es ist gleichzeitig ein Duell zwischen Vater und Sohn.

Ein wenig komisch sei das Gefühl schon, gibt Lothar Paskuda zu. Den Sohn als Gegner zu sehen, falle ihm nicht leicht. Rücksicht werde er an diesem Tag aber nicht nehmen. „Wenn ich den Schläger in die Hand nehme, dann will ich auch gewinnen“, sagt der 56-Jährige. Ein Credo, das ihn seit Jahrzehnten im Tischtennis-Sport begleite. Vielleicht sei er nicht mit außergewöhnlichem Talent gesegnet, sagt Lothar Paskuda, dafür aber mit dem nötigen Ehrgeiz. Sein Bruder schleppte ihn Ende der 1960er mit zum Verein. Dort sammelte er schnell Titel und Erfolgserlebnisse. Das schönste Tischtennis-Erlebnis liegt schon viele Jahre zurück. Lothar Paskuda erinnert sich jeden Tag daran. Zwangsläufig. Heute sitzt es direkt neben ihm und hat soeben erklärt, dass der Sohn den Vater schlagen soll. Lothar lernte seine Heike beim Tischtennis kennen. Mittlerweile spielen sich die beiden seit über 26 Jahren die Bälle zu, wenn auch nicht am Küchentisch. Auch Heike Paskuda beherrscht das schnelle Spiel mit dem weißen Ball. Mit dem Frauenteam des TSSV Bottrop kämpft sie in der Verbandsliga um Meisterschaftspunkte.

Der TSSV Bottrop will den Aufstieg in die NRW-Liga

Noch eine klasse höher hinaus wollen die Männer im Verein. Das Team um Lothar Paskuda peilt den Aufstieg in die NRW-Liga an. Ein Vorhaben, das im Jahr zuvor scheiterte. In dieser Saison läuft aber alles nach Plan: Nach zehn von elf Hinrundenspielen liegt sein Team ungeschlagen an der Tabellenspitze. Vor wenigen Tagen wurde der ärgste Konkurrent geschlagen und die Herbstmeisterschaft perfekt gemacht. Der Höhepunkt der Hinserie liegt aber noch vor ihm: „Ich habe noch nie gegen meinen Sohn gespielt. Das wird ein besonderer Tag“, sagt er.

Das sieht Hendrik ganz ähnlich. Auch der 21-Jährige freut sich auf das besondere Duell. Schon seit Tagen drehen sich fast alle Familien-Gespräche um diesen Tag. Tischtennis ist auch sonst das vorherrschende Thema bei den Paskudas: vor und nach den Spielen, immer wieder zwischen Frühstück und Abendbrot. Die einzige, die nichts mit dem Sport am Hut hat, ist Carolin. Für seine Zwillings-Schwester empfindet Hendrik dann nicht selten Mitleid: „Für sie ist es manchmal ganz schön hart. Ihr bleibt nur die Zuschauerrolle, wenn alle über Tischtennis reden.“

Mitleid mit der Zwillingsschwester

Hendrik will am Samstag alle Familienbande ausblenden. Auch für sein Team geht es um viel. Mit der DJK Olympia Bottrop stieg er erst vor drei Jahren in die Landesliga auf. Dort kämpften die Boyer eine Saison lang um den Klassenerhalt, entwickelten sich aber enorm und wurden schon in der zweiten Saison in nahezu unveränderter Aufstellung Vizemeister. Das ebnete den Weg in die Verbandsliga, der größte sportliche Erfolg des Vereins bisher. „Die letzten Jahre haben uns im Klub unheimlich zusammengeschweißt“, sagt Hendrik, „mit Teamgeist lässt sich eine Menge bewegen.“ Davon könne sich der TSSV Bottrop ruhig eine Nummer abschneiden, sagt Hendrik lachend. In kurioser Weise sei die DJK in diesem Punkt ein klassischer Gegenentwurf zum TSSV. In der Mannschaft der Boyer gibt es zumindest weniger familiäres Streitpotenzial: Vater Jörg spielt hier Seite an Seite mit seinen Zwillingssöhnen Marvin und Sven.

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