Kommentar

Spielregeln sagen mehr als tausend Worte

Bottrop.  Wenn sich plötzlich Körperflächen vergrößern und Roboter durch den Strafraum pirschen, müssen Fußballexperten in der Nähe sein.

Haben Sie schon einmal versucht, ihre Körperfläche zu vergrößern? Wenn Sie das innerhalb der kurzen Zeitspanne eines Fußballspiels anstreben, lassen Sie es besser gleich bleiben. Nicht nur diplomierte Physiker werden Ihnen erklären, dass das unmöglich ist. Ausnahmen: Sie sind ein Kugelfisch oder der unglaubliche Hulk.

Haben Sie einem Polizisten, ihrem Chef oder ihrem Partner schon einmal den Vogel oder noch Schlimmeres gezeigt? Den Ärger dafür werden Sie ausbaden müssen. Aber lassen Sie sich bitte nicht weis machen, das sei eine „unnatürliche Bewegung“ gewesen.

Wenn „Fußballexperten“ im Zusammenhang eines strafbaren Handspiels von der Vergrößerung der Körperfläche sprechen, meinen sie eigentlich die Vergrößerung der Angriffsfläche. Ein Fußballer hat nämlich oft die Wahl, wie viel er von sich dem heranfliegenden Ball entgegen stellen will. Damit liefert er womöglich auch den Grund für einen Handelfmeter.

Was die „unnatürlichen Bewegungen“ angeht: Die sind auf dem Fußballfeld ziemlich selten. Letztens beim Eröffnungsspiel der Frauen-Weltmeisterschaft brachte tatsächlich ein Roboter den Spielball in den Anstoßkreis. Davon abgesehen ist alles, was auf dem Rasen passiert, sehr natürlich. Selbst ein Handspiel im Strafraum. Was der Schiedsrichter bewerten muss, ist einzig die Frage, ob die Körperhaltung oder die Bewegung des Spielers „angemessen“ war.

Man kann über die Auslegung von Fußballregeln herrlich streiten. Potenzial dafür liefert auch die Diskrepanz zwischen dem was wir sagen und dem was wir meinen. Deshalb noch mal klare Worte: Viele verwechseln sie mit armen Schweinen, aber Schiedsrichter sind tatsächlich auch nur Menschen.

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