Bottrops Beste

Miriam Beitans ist eine Frohnatur mit Kämpferherz

Miriam Beitans (l.) schaut mit Freude zu, was ihr Wolfgang Amoussou, Trainer der Frauenmannschaft des JC 66 Bottrop, zeigen möchte.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Miriam Beitans (l.) schaut mit Freude zu, was ihr Wolfgang Amoussou, Trainer der Frauenmannschaft des JC 66 Bottrop, zeigen möchte. Foto: Joachim Kleine-Büning

Mit Spaß und Ehrgeiz bastelt sie an ihrer Judokarriere. Beitans gehört zum Bundeskader und absolviert ein freiwilliges soziales Jahr beim JC 66.

Miriam Beitans fackelt nicht lange, und legt Wolfgang Amoussou, Bundesligatrainer der Frauenmannschaft des JC 66 Bottrop, aufs Kreuz – zwar nur für den Fotografen, aber doch sagt diese Szene viel über die 17-Jährige aus. Miriam Beitans ist selbstbewusst, ehrgeizig und für jeden Spaß zu haben. Seit dem 1. Januar gehört sie zu den zwölf Sportlern, die durch das Projekt zur Förderung des Leistungssports unterstützt werden.

Judo prägt den Alltag des Teenagers momentan mehr als je zuvor. Nach dem Abitur im vergangenen Jahr ist die Mindenerin nach Bottrop gezogen, absolviert beim JC 66 ihr freiwilliges soziales Jahr. Im offenen Ganztag bringt sie Grundschülern die Sportart näher. „Viele Spiele, die ich als Kind selbst gerne gemacht habe, gebe ich weiter. Es freut mich zu sehen, wenn die Kinder daran Spaß haben“, sagt Beitans.

Mit vier Jahren kam sie zum Judo, ihr älterer Bruder trainierte bereits beim TV Jahn Minden. „Sein Jugendtrainer hat immer schon die Kleinen mit auf die Matte geholt. Egal ob ich Sportsachen dabei hatte oder nicht“, erinnert sich Beitans. Das Feuer in ihr war entfacht, sie trat dem Verein bei und entwickelte sich stetig weiter. Mit zwölf Jahren gehörte sie bereits dem Bezirkskader an, es folgte ein Wechsel zum PSV Herford. Schritt für Schritt ging es nach vorne – Beitans gehört mittlerweile zum Bundeskader, trägt den Adler auf der Brust. Zum Stützpunkttraining ging es von Minden regelmäßig nach Bottrop. „Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie den weiten Weg immer mit mir gefahren ist“, so Beitans.

Erste eigene Wohnung in Bottrop

Das ist mittlerweile nicht mehr nötig. Beitans wohnt in Bottrop, kann mit dem Fahrrad zur Halle fahren. „Durch das FSJ kenne ich fast jede Sporthalle dieser Stadt“, schmunzelt sie. Überhaupt hat sich in ihrem Leben seit dem Abitur einiges verändert. „Als ich umgezogen bin, war ich sehr aufgeregt. Das war total spannend. Ich möchte die Zeit auch nicht wieder zurückdrehen“, sagt sie und schiebt nach: „Aber es wäre schön, wenn die Familie hier wäre.“ Auch deshalb sei die schönste Tour immer die zum Bahnhof. „Dann weiß ich, es geht zurück nach Minden. Nach Hause.“

Aber nicht nur privat, auch sportlich hat sich bei dem Teenager einiges verändert. Ende des vergangenen Jahres hat Miriam Beitans die Gewichtsklasse gewechselt, kämpft nun bis 63 Kilogramm. „Aktuell ist der Gewichtsstress nicht so groß“, sagt sie lachend. Denn mit Teamkollegin Agatha Schmidt teilt sie eine große Leidenschaft: Das Backen und Kochen. Wenn sie in der Küche steht, bereitet sie am liebsten Suppe zu: „Die kann ich auch dann essen, wenn ich auf Diät bin.“

Beitans steckt sich greifbare Ziele

Auf der Matte sind Beitans und Schmidt sowie Saskia Wüst Kolleginnen und Kontrahentinnen. Alle drei besetzen beim JC 66 die Klasse bis 63 Kilogramm. „Der Konkurrenzkampf ist groß und ich hoffe auf Einsätze in der Bundesliga. Aber was ich an dieser Mannschaft schätze ist, dass es keinen Zickenkrieg gibt“, beschreibt Miriam Beitans. Wenn es im Mai los geht, wird es ihre dritte Saison in der Bundesliga mit dem JC 66 sein. Ob es am Ende wieder eine Medaille wird? „Wir haben eine gute Mannschaft. Vielleicht klappt es wieder.“

Persönlich hat die 17-Jährige ebenfalls Pläne geschmiedet. Dabei blickt sie nicht in allzuferne Zukunft. „Ich brauche Ziele, die bald erreichbar sind. Sonst bin ich demotiviert.“ Deshalb geht es für sie in diesem Jahr vor allem darum, in der U21 anzukommen, möglicherweise das Ticket für die Europameisterschaften in dieser Altersklasse zu ergattern und bei den Deutschen Meisterschaften unter die Top drei zu kommen. Dass das Potenzial da ist, hat sie schon oft genug bewiesen.

Erste internationale Erfolge

Beim U18 Europeancup in Teplice belegte sie Rang fünf, das U20 Turnier in Olesnica konnte sie gar gewinnen. Als größten Erfolg betrachtet sie aber zwei andere Wettkämpfe: Die Bundessichtungsturniere der U18 in Bamberg und Holzwickede im Jahr 2016. „Dort ist die Bundestrainerin auf mich aufmerksam geworden. Ohne dieses Turnier wären die anderen Erfolge nicht möglich gewesen“, weiß Beitans.

Erfolge die Miriam Beitans mit großem Ehrgeiz und viel Spaß verfolgt. „Wenn in einem Trainingslager am letzten Tag alle schon etwas traurig sind, muntere ich sie immer mit einem Spaß auf“, sagt die Kämpferin. Und so kann auch Wolfgang Amoussou darüber lachen, wenn Miriam Beitans den Bundesligacoach aufs Kreuz legt.

Grenzerfahrung hat ihr den Weg gewiesen

Miriam Beitans hat sich für den Leistungssport entschieden, möchte nach ihrem FSJ an einem Olympiastützpunkt Sozialpädagogik studieren. Für sie steht aber fest: „Ich bleibe auf jeden Fall beim JC 66.“

Dass sie den Weg in den Leistungssport gehen möchte, haben ihr Grenzerfahrungen wie ein Triathlon über 42 Kilometer Radfahren, zehn Kilometer Laufen und einen Kilometer Schwimmen im Rahmen eines Trainingslager gezeigt: „Da war ich zum ersten Mal weiter weg, habe gelernt mich zu quälen und festgestellt: Ja, ich will das.“

Amoussou glaubt an sie

Wolfgang Amoussou ist überzeugt, dass Miriam Beitans alles mitbringt, um diesen Weg erfolgreich zu gehen. „Sie hat Potenzial, sie hat ihren Lebensmittelpunkt wegen des Judos nach Bottrop verlegt und bringt eine Einstellung mit, mit der sie weit kommen kann.“

Hilfe dabei bekommt Beitans nun nicht mehr nur durch ihre Trainer, sondern auch durch das Förderprojekt der Stadt Bottrop. „Ich bin in letzter Zeit gewachsen, da ist es gut, dass ich jetzt unter anderem bei der Anschaffung von Judoanzügen unterstützt werde“, sagt sie. Außerdem werden Trainingslagerkosten übernommen. Es ist ein weiterer Baustein in der Karriere der jungen Sportlerin.

<<< 1. JC Mönchengladbach zieht sein Team zurück >>>

Auf dem Weg zur neuerlichen Medaille in der Judo-Bundesliga hat der JC 66 Bottrop einen weiteren Konkurrenten weniger. Der 1. JC Mönchengladbach, eines der stärksten Teams der vergangenen Jahre, hat sein Team überraschend zurückgezogen.

„Die Kaderdecke ist zu dünn geworden. Wir wollten jetzt nicht Kämpferinnen aus anderen Vereinen kaufen“, schreibt der Klub bei Facebook.

Zuvor hatte bereits die SU Annen aus Witten ihr Team zurückgezogen. Mit Düsseldorf wartet aber ein starker Aufsteiger auf die Bottroper Judoka.

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