Serie: Bottrops Beste

Marius Lewald träumt von Olympia

Serie - Spitzensportler: Leichtathlet Marius Lewald vom LC Adler Bottrop am Mittwoch, den 11.10.2017 in Bottrop / im Kraftraum der Dieter Renz Halle. Sport / Leichtathletik. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Foto: Heiko Kempken

Serie - Spitzensportler: Leichtathlet Marius Lewald vom LC Adler Bottrop am Mittwoch, den 11.10.2017 in Bottrop / im Kraftraum der Dieter Renz Halle. Sport / Leichtathletik. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services Foto: Heiko Kempken

Bottrop.   Der Bottroper lässt sich von Rückschlägen nicht bremsen. Der talentierte Hürdenläufer behält seine Ziele Dank der Spitzensportförderung im Auge.

Der immer wiederkehrende Blick auf die Uhr ist sicher nichts Ungewöhnliches für einen Hürdensprinter, schon gar nicht für einen Sportler, bei dem es um Unterschiede im Bereich von Zehntel- und Hundertstelsekunden geht. Doch bei Marius Lewald vom LC Adler Bottrop ist ein von der Zeit getaktetes Leben nicht nur relevant, wenn es um Rekorde und Bestmarken geht. Der Leichtathlet schätzt die Strukturen, die ihm sein Stundenplan vorgibt. Und das in einer Lebensphase, nach bestandenem Abitur und als Student im ersten Semester, in der viele ihren Traum von Freiheit verwirklichen.

„Der Sport ist sehr stressig. Das Studium an der FH ist eigentlich wie Schule, aber das kommt mir entgegen.“ An diesem Mittwochnachmittag - nach Uni-Besuch und vor seinen Trainingsstunden - blieb gerade mal eine halbe Stunde, in der seiner Mutter Simone von den Eindrücken aus der Fachhochschule berichtete. Marius studiert Medizintechnik, „in Teilzeit“ ergänzt er lächelnd. „Dadurch habe ich freie Tage, die ich komplett für das Training einplanen kann. Das Ziel ist, den Bachelorabschluss nach vier Jahren zu machen, dann möchte ich nach Münster, um dort den Master zu machen“, erklärt der 18-Jährige. „Es wird sicher anstrengend, aber das vierjährige Studium gibt mir Freiheiten bei der Zeiteinteilung.“

Das Interesse an Medizin kommt nicht von ungefähr

Es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er diese Freiheit nicht als Freizeit verbringt. Im Kraftraum der Dieter-Renz-Halle ist er in seinem Element, bei seinen Erklärungen zu den verschiedenen Übungen an den Geräten wird klar: In der Wahl seines Studiums liegt er goldrichtig. „Meine Leistungskurse waren Biologie und Mathematik. Und nicht zuletzt durch meine Verletzung ist mein Interesse an Medizin groß. Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine fasziniert mich.“ Dirk Lewald, Vater und Trainer in Personalunion, verrät: „Marius erfragt und hinterfragt alles.“ Auch im Hinblick auf die technisch anspruchsvolle Sportart, die Marius die Berufung in den Bundeskader eingebracht hat, ist dies sicher nicht die schlechteste Wesensart.

Der junge Bottroper steht im Hürdensprint vor der nächsten Entwicklungsstufe, der „Umstieg“ auf die Männerhürde, mit einer Höhe von 1,067 Metern. Bei den U20-Junioren liegt die Messlatte bei 99 Zentimetern. „Sprint ist einfach. Zum Hürdenlauf braucht es Mut. Wir springen ja nicht, wir laufen über die Hürden. Angst darfst du nicht haben“, erklärt Marius. Das geht nicht jedem in der Familie Lewald so. „Meine Mutter guckt nicht hin, wenn ich über die Höhe laufe.“

Viele gute Leistungen zum Jahresstart 2017

Diese Hürde muss er nehmen, um Träume zu Zielen werden zu lassen, und der größte Traum sind selbstredend die Olympischen Spiele, eine Teilnahme in 2024 oder 2028. „Wie schwierig das ist, kann man schon an den Kadernominierungen sehen. Acht Sportler schaffen es auf Landes-, nur vier auf Bundesebene.“ Das Gefühl, zur Nationalmannschaft der Leichtathleten zu gehören, sei aber etwas ganz Besonderes. „Beim Länderkampf in Halle im März hatten wir einen Tag vor dem Wettbewerb die Teambesprechung, dieses Zusammensein genießt man.“

Das Frühjahr 2017 war für ihn voll genüsslicher Ereignisse. Im ersten Wettbewerb nach überstandener Kreuzbandverletzung lief er persönliche Bestzeit über 60 Meter Hürden, bei den Deutschen U20-Meisterschaften toppte er die Zeit nochmals im Vorlauf und im Finale und fuhr mit der Bronzemedaille nach Hause - trotz Fieber ein paar Tage vor dem Wettkampf. „Das habe ich mit Ingwer und Zitronensaft bekämpft.“ Das Elixir wirkte: „Ich konnte laufen - und das in einer Superzeit.“

Lewald kann sich auf die Sportförderung verlassen

Auf die sportlichen Glücksmomente im Frühling folgte ein erneuter Rückschlag. „Ich musste wegen einer Zyste am Hals operiert werden. Ich habe die OP gut überstanden, aber damit war die Saison natürlich gelaufen. Trotzdem: Die Gesundheit geht vor.“

Leicht fiel ihm die Zwangspause nicht. „Ich spreche da von Sportsucht, meine das aber durchweg positiv. Ohne Training kribbelt es, man will raus und was tun, aber darf es nicht.“

Mit einer Sorge musste er sich in dieser Zeit jedenfalls nicht befassen. Seine Bewerbung für die Bottroper Spitzensportförderung war auch 2017 erfolgreich. „Leute mit Potenzial zu fördern, die natürlich ein bestimmtes Leistungsniveau haben müssen, ist ein gutes Konzept. Es ist ein schönes Gefühl, dass man nicht fallen gelassen wird, ganz gleich, ob es mal nicht so gut läuft oder wie bei mir eine Verletzung dazwischenkommt.“

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