Judo

Kurioser Heimsieg des JC 66 Bottrop gegen den JC Düsseldorf

Myriam Blavier (l.) und Miranda Wolfslag schenkten sich nichts – auch wenn der Kampf schon im Vorfeld entschieden war.

Myriam Blavier (l.) und Miranda Wolfslag schenkten sich nichts – auch wenn der Kampf schon im Vorfeld entschieden war.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Der JC 66 Bottrop hat den Heimkampf gegen Düsseldorf auf kuriose Art gewonnen und sich eine gute Ausgangslage für die Finalrunde verschafft.

Myriam Blavier (JC 66 Bottrop) und Miranda Wolfslag schenkten sich nichts. Unfassbare 13:38 Minuten standen die beiden Athletinnen in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm auf der Matte – dann entschied eine dritte Bestrafung den Kampf zu Gunsten der Bottroperin. Dabei ging es im letzten Duell des Tages beim 12:2-Erfolg der Bottroper gegen Düsseldorf im doppelten Sinne um nichts mehr.

„Wir wollen Kämpfe sehen“, skandierten die Zuschauer in der Dieter-Renz-Halle, als die Bottroper den wichtigen Heimsieg längst in der Tasche hatten und das letzte Duell der Belgierin Blavier und der Niederländerin Wolfslag anstand. Insgesamt sieben Duelle hatten die Düsseldorfer zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschenkt, die Punkte prasselten nur so auf das Bottroper Konto. Und dann wollten die Kampfrichter auch dieses letzte Duell nicht mehr austragen lassen.

JC 66 Bottrop stellt falsch auf

Was war passiert? Blavier war im ersten Aufeinandertreffen unglücklich auf den durchgestreckten Arm von Wolfslag gefallen – das ist im Judo nicht erlaubt. Der Kampf war sofort verloren, Blavier auch für die zweite Runde disqualifiziert. Trotzdem stellten die Bottroper ihre belgische Spitzenathletin erneut auf. „Wir wussten das nicht. Nächste Mal müssen wir darauf achten. Das hat uns nämlich auch noch eine Strafe gekostet“, so JC 66-Coach Wolfgang Amoussou.

Der Punkt in der zweiten Runde ging also kampflos an Düsseldorf – die beiden Athletinnen zeigten aber Sportsgeist, folgten dem Ruf der Zuschauer und gingen auf die Matte. Nach vier Minuten regulärer Kampfzeit stand es Unentschieden. Es ging in den Golden-Score. Wer zu erst punktet, gewinnt das Duell. Und die beiden schenkten sich nichts. Hochklassiges Judo, die Halle tobte und applaudierte. Nach 11:53 Minuten rief das Kampfgericht die beiden Athletinnen zusammen, schlug ein Unentschieden vor. Die lehnten beide ab, wollten unbedingt weiter kämpfen. „Ich bin hierhin gekommen, um zu kämpfen“, sagte Myriam Blavier nach dem Kampf.

Strafe entscheide das Duell

Und der ging noch einige Zeit weiter – nach 13:38 Minuten griff Wolfslag mit beiden Händen an den Judo-Anzug von Blavier. Das ist verboten, sie kassierte ihre dritte Strafe. Der Sieg für Blavier – in einem Wahnsinnskampf, in dem es nur um die Ehre ging. „So einen langen Kampf habe ich in der Bundesliga noch nicht erlebt“, jubelte auch Hallensprecher Volker Tapper.

Dass ein Kampf, in dem es um nichts ging, der Höhepunkt war, lag auch daran, dass die Düsseldorfer mit einem Rumpfkader antraten und ein Duell nach dem anderen abschenkten. Dafür gab es Pfiffe von den Zuschauern, Düsseldorfs-Trainer Jens Kaiser sagte anschließend: „Es tut mir leid für die Zuschauer, aber unsere Kämpferinnen waren verletzt.“

Erfolgreiches Debüt für Bottrop

Beim JC 66 Bottrop gab es dagegen Grund zum Feiern. Vor allem für Kim Huyzendfeld, die ihr Bundesliga-Debüt feierte. „Als ich auf die Matte gegangen bin, hat mein Herz schon gepocht. Aber dann habe ich mir gedacht, dass ich für die Mannschaft gewinnen will und als sich sie im Haltegriff hatte, habe ich es einfach durchgezogen“, sagte die 16-Jährige nach ihrem Erfolg gegen Katharina Jakubiuk, für den sie ganze 34 Sekunden benötigte. So einfach kann Judo sein.

Die weiteren Punkte auf der Matte steuerten Roxana Conradus, Lea Püschel, Alina Fiedler und Sheena Zander bei. Den Rest gab es geschenkt. Wolfgang Amoussou: „Für die Zuschauer war das nicht schön, aber wir haben den Kampf gewonnnen, den zweiten Platz gesichert und die Stimmung in der Mannschaft ist gut.“ Und auch die Zuschauer sind am Ende versöhnlich nach Hause gefahren. Dank eins fulminanten Kampfes, in dem es eigentlich um nichts mehr ging.

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