Fußball Schiedsrichter

Keine guten Vorbilder: Unsere Profis sind echte Amateure

Cem Sakiz, Fußballer des SV Fortuna Bottrop, spricht sich für einen respektvollen Umgang mit den Schiedsrichtern aus.

Cem Sakiz, Fußballer des SV Fortuna Bottrop, spricht sich für einen respektvollen Umgang mit den Schiedsrichtern aus.

Foto: Felix Hoffmann / FELx

Bottrop.  Kaum eine Schiedsrichter-Entscheidung bleibt unkommentiert. Härtere Strafen sollen das Reklamieren eindämmen. Was Bottrops Fußballer dazu denken:

Das Reklamieren von Schiedsrichter-Entscheidungen wird auch bei den Amateuren ab sofort härter bestraft. Wir haben unsere Fußballer und Trainer gefragt, was sie von der neuen Regelauslegung halten. Hier sind ihre Antworten:

Cem Sakiz, Fußballer von Fortuna Bottrop: Ich muss zugeben, dass ich auch schon mal vom Platz geflogen bin, weil ich den Schiedsrichter angemeckert habe. Aber ich habe daraus gelernt. Es ist nicht okay, den Schiedsrichter zu bedrängen. Das sind ja oft auch junge Leute, einigen macht das Angst. Ich finde, dass es dem Kapitän vorbehalten sein sollte, sich mit dem Schiedsrichter respektvoll auszutauschen. Klar sollte sein: Der Schiedsrichter ist der Chef auf dem Platz. Das müssen alle Spieler akzeptieren. Bei dieser Gelegenheit muss man auch mal danke sagen und feststellen, dass die Schiedsrichter in den vergangenen Jahren immer besser geworden sind, die ziehen ihre Linie durch.

Mevlüt Ata, Trainer des FC Bottrop: Meine Spieler wissen, dass ich es überhaupt nicht mag, wenn der Schiedsrichter angegangen wird. Wir sind auf sie angewiesen und ich bin dafür, sie noch besser in Schutz zu nehmen. Ich würde mir wünschen, dass jeder Fußballer in seiner Laufbahn einmal selbst die Pfeife in die Hand nimmt. Denn erst wenn man die Perspektive wechselt, realisiert man, dass es gar nicht so einfach ist, ein Spiel zu leiten.

Mirsada Hoffmann-Kovac, Trainerin von BW Fuhlenbrock: Ich war eine sehr emotionale Spielerin und bin das auch als Trainerin noch. Ich habe einen Riesenrespekt vor den Schiedsrichtern, aber ich finde, dass man sich auch mal aufregen darf. Die Kritik am Schiedsrichter sollte niemals abwertend sein. Als Trainerin versuche ich immer, meine gute Kinderstube zu wahren und hoffe, dass Schiedsrichter auch in schwierigen Situationen das angemessene Fingerspitzengefühl aufbringen.

Gino Pöschl, Fußballer des VfB Bottrop: Ich glaube, dass in den Amateurklassen jetzt mehr Karten verteilt werden, denn es kommt ja nicht gerade selten vor, dass Schiedsrichter verbal angegangen werden. Jeder Fußballer hat seine Art. Wenn du 22 Spieler im Kader hast, drehen sich 18 Spieler um und respektieren die Entscheidungen. Für die anderen vier sind härtere Strafen pädagogisch gar keine schlechte Idee.

Nico Große-Beck, Fußballer von Rhenania Bottrop: Wir Amateure müssen uns eingestehen, dass unser Sport nur ein Hobby ist. Und wenn man sich auf den Plätzen umschaut, ist das schon schlimm, wie wir mit den Schiedsrichtern umspringen. Ich habe selbst schon einmal Rot gesehen, weil ich mich mit dem Schiedsrichter angelegt habe. Das war eine Erfahrung, aus der ich gelernt habe. In der Situation fühlte ich mich zwar im Recht, aber schon ein paar Minuten später habe ich realisiert, wie dämlich das war. Dann stehst du am Spielfeldrand und weißt, dass du Scheiße gebaut hast.

Emre Kilic, Fußballer von Rhenania Bottrop: Dass wir bei den Amateuren diese Respektlosigkeiten dem Schiedsrichter gegenüber sehen, liegt auch daran, dass unsere Profis so schlechte Vorbilder sind. Junge Fußballer schauen sich dieses Verhalten ab und ziehen das mit bis in den Seniorenbereich. Wie wir mit den Schiedsrichtern umgehen, ist auch eine Erziehungsfrage.

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