Tag der Amateure

Hobbyliga Bottrop: Den Fußballromantikern droht das Aus

Evelyn Masuth kämpft als Gründungsmitglied der Fuhlenbrocker Haie um den Fortbestand der Bottroper Hobbyliga. Nur zwei von 44 Mannschaften sind nach 39 Jahren übrig geblieben.

Evelyn Masuth kämpft als Gründungsmitglied der Fuhlenbrocker Haie um den Fortbestand der Bottroper Hobbyliga. Nur zwei von 44 Mannschaften sind nach 39 Jahren übrig geblieben.

Foto: Michael Korte

Bottrop.  Zu besten Zeiten spielten 44 Teams für die Hobbyliga Bottrop. 39 Jahre nach ihrer Gründung sind nur noch zwei übrig geblieben. Zukunft? Ungewiss!

Zeitweise über 1500 Mitglieder in 44 Teams, immer ein Katalysator für Bottrops Amateur-Fußball: Die Hobbyliga blickt seit ihrer Gründung 1980 auf eine bewegte Geschichte zurück. Doch die Romantik der großen Fußballer-Familie zieht in Zeiten des Individualisten immer weniger, weshalb das letzte Kapitel der Hobby-Kicker bald geschrieben werden könnte.

Sonntagmittag in den Weywiesen. Auf der Veranda des Vereinsheims bereiten sich die Fuhlenbrocker Haie mit Cola und Bratwurst auf ihr C-Liga-Spiel gegen den SC 20 Oberhausen II vor. Quatschend, lachend – alles wie immer. Dazu erlebt die Truppe von Sascha Schira live, was die Zutaten für den ersten Saisonsieg sein könnten, denn auf dem Rasen stürmt die BSG Mengede als zweiter Teil der Hobbyliga zumindest für ein paar Stunden an die Tabellenspitze. „Das ist für uns seit 32 Jahren kein Thema“, sagt Evelyn Masuth und muss lachen.

Haie-Gründungsmitglied Masuth wuselt wie jedes Wochenende durch das Vereinsheim, das die Hobbyliga seit diesem Juli ihr neues Zuhause nennt. Die Wände schmücken Schals und Wimpel vom FC Ritter bis zu den Schlümpfen, bei den Rollos legte die stellvertretende Vorsitzende der Haie selbst Hand an und auf dem Tisch stehen Kerzen. Ein kleines Licht gegen die kälter werdende Fußballwelt.

Wechsel 2013 in die Kreisliga C

Nein, Erfolgsdruck oder Druck ganz allgemein gebe es hier nicht, betont Evelyn Masuth – bei den Amateuren der Amateure besser bekannt als Ella. Stattdessen spielten die Hobby-Fußballer 33 Jahre in ihrem eigenen Kosmos, wo der familiäre Zusammenhalt einen höheren Stellenwert einnahm als der Sprung in die nächste Liga. Bis aus neun Mannschaften 2013 schließlich nur noch ein Sextett übrig blieb, von dem letztlich fünf Teams in den Verband Niederrhein und in die Kreisliga C wechselten. Ständig gegeneinander zu kicken, wurde auf Dauer dann doch zu monoton.

Die Schrumpfung der Hobbyliga hielt das nicht auf, überlebt haben an diesem Sonntag lediglich die Fuhlenbrocker Haie und die BSG Mengede. Ella Masuth begibt sich auf Spurensuche. „Da kommen Vorsitzende zu mir und meinen: ‚Die jungen Spieler sitzen mir im Nacken und wollen auf Kunstrasen.‘ Versteh ich absolut, sollen sie machen.“ Einerseits. „Dann sagen manche: ‚Keiner will mehr anpacken. Und zuverlässig sind se auch nicht mehr.‘“ Andererseits. Was am Ende zählt, ist auf dem Platz: zwei aus 44.

Familie und Zusammengehörigkeit als Teil der DNA

Dabei hat die Hobbyliga viel zu bieten – mehr als nur Kontrastprogramm. Die Worte Familie und Zusammengehörigkeit sind Teil der DNA. Menschen wie Masuth, Frank Honysz oder Uwe Dahl füllten und füllen sie mit Leben. So wie die Fans, die seit Jahren bzw. seit Jahrzehnten vorbei schauen. Die natürlich meckern, wenn der Ball in die Walachei segelt. Aber auch unüberhörbar klatschen bei einer Fairplay-Geste. Oder bei einer Auswechslung.

Aufgeben möchte Ella Masuth „ihr Baby“ deshalb nicht. Revival-Nachmittage finden statt, das Thema Jugendmannschaft kursiert in Kooperation mit Platznachbar SV 1911 – an Ideen mangelt es nicht. Trotzdem meldet sich die Realistin in Ella: „Wir versuchen alles, aber das Ende ist absehbar.“

Bei Wind und Wetter für die Fuhlenbrocker Haie am Ball

Bis dahin wuselt Evelyn Ella Masuth weiter durch das Vereinsheim. Kümmert sich, baut auf, steht bei Wind und Wetter unverwüstlich ihre Frau. Wobei: Die Kombination Dauerregen und Erkältung war am vergangenen Sonntag dann doch zu viel für die Großmutter – ausgerechnet beim ersten Saisonpunkt ihrer Haie. „Die Tränen sind immer noch nicht getrocknet“, sagt Ella. „Ich hab trotzdem gefeiert. Mit Tee und Medikamenten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben