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Für Agatha Schmidt ist Judo eine immerwährende Schule

Hat sich in diesem Jahr für ihren Trainingsfleiß belohnt: Agatha Schmidt wurdefür den Bundeskader nominiert.

Foto: Heinrich Jung

Hat sich in diesem Jahr für ihren Trainingsfleiß belohnt: Agatha Schmidt wurdefür den Bundeskader nominiert. Foto: Heinrich Jung

Bottrop.   Bottroperin erkämpfte sich in diesem Jahr die Nominierung für den Bundeskader. Sie trainiert bis zu zweimal täglich neben dem Studium.

Jahresende – für viele eine Zeit des Rückblicks, Zeit, Bilanz zu ziehen. 2017 war für Agatha Schmidt ein ereignisreiches Jahr. Vor allem waren es für die Judoka des JC 66 Bottrop sehr erfolgreiche Monate. „Es war eine unglaubliche Zeit. Und dabei kam ich aus einer Verletzung, die Operation am Meniskus war im Oktober 2016. Also ging es erst nur um das Gesundwerden.“ Dass sie die Rückkehr auf die Matte schaffen würde, daran zweifelte sie nie. „Das war klar, das stand nie zur Debatte, dass ich aufhöre.“

Wenn Agatha Schmidt über ihren Sport spricht, ist ihr in jeder Sekunde anzumerken, wie sehr sie Judo liebt. Als Kind hatte sie zunächst mit dem Tanzen begonnen. „Aber ich war nicht ausgelastet und meine Eltern haben überlegt, was ich noch machen könnte. Ich bin sehr froh, dass es Judo geworden ist. Es ist ein Wettkampfsport, mit Turnieren auf allen Ebenen. Es ist ein sehr vernünftiges System.“ Außerdem sei Judo ein abwechslungsreicher Sport. „Man lernt nie aus, man kämpft immer wieder gegen andere Menschen.“ Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu. „Ich liebe den Wettkampf, es macht einfach Spaß zu gewinnen.“

Nominierung für den Bundeskader

2017 hatte sie oft Anlass zur Freude. Agatha erhielt sogar die Nominierung für den Bundeskader, obwohl sie nicht an einem Olympiastützpunkt trainiert, sondern an ihrem Heimatort Bottrop. „Doch der Bundestrainer hat nach meinen Ergebnissen gesagt: Ich kann nicht an dir vorbei.“ Derzeit ist es für sie ideal, nicht an einem Olympiastützpunkt trainieren zu müssen. Agatha studiert Betriebswirtschaftslehre an der Universität Duisburg-Essen. „Am Standort Essen. Es läuft einfach großartig, ich habe eine halbe Stunde bis zur Uni, kann die Veranstaltungen so legen, dass ich zwei Mal am Tag trainieren kann. Selbst in den Pausen an der Uni kann ich zum Training nutzen.“ Derzeit kristallisiert sich Wirtschaftsinformatik als der Schwerpunkt ihres Studiums heraus. „In dem Fach kann ich den Master machen.“

Fokussierung auf das Wesentliche

Der Leistungssportlerin und ehrgeizigen Studentin kommt eine Eigenschaft zu Gute. „Der Erfolg kommt vor allem über harte Arbeit.“ Viel freie Zeit für Freunde und andere Interessen bleibt da nicht. „Viele haben nicht das Verständnis dafür. Da ist man dann eben auch mit den Menschen in seiner freien Zeit zusammen, die man auch jeden Tag in der Halle sieht.“ Oder mit der Familie. Am vergangenen Wochenende half sie ihrer Mutter beim Plätzchenbacken – bis sie wieder an die Bücher fürs das Studium musste. „Ich backe gern, am liebsten mit Schokolade. Außerdem spiele ich Keyboard.“

Ihre ein Jahr jüngere Schwester teilt die Begeisterung für Judo, auch wenn Anna diesen nicht leistungsorientiert betreibt. „Ich finde es super, dass sie es macht. Mit ihr kann ich über alle Details sprechen.“ Die Eltern machten sich oft Sorgen wegen des Verletzungsrisikos. „Trotzdem haben sie mich immer unterstützt. Sie haben mir aber nie Druck gemacht. Aber zum Training musste man mich auch nicht zwingen, das war eher umgekehrt: Erst wenn die Aufgaben für die Schule erledigt waren, konnte ich zum Training.“ Sie hat Verständnis für diese Strenge: „Angesichts der Trainingslager und der vielen Wettkampftermine kann man sich nicht eben zum Abitur durchschlängeln.“

Gerne mit dem Sport auf Reise

Agatha genießt es, in der Welt herumzukommen, zumindest wenn eine Veranstaltung Zeit für einen Städtebummel in Prag oder einen Strandbesuch in Spanien lässt. Selbst die Großeltern in Russland konnten ihre Enkelin schon bewundern. „Bei einem Wettkampf in St. Petersburg waren sie in der Halle und ich durfte anschließend zwei Tage bei ihnen bleiben.“ Ihre Familien- und Heimatverbundenheit zeigt sich auch in der Wertschätzung für die Förderung durch die Stadt. „Ich finde es toll, als gebürtige Bottroperin, die in Bottrop lebt und trainiert, diese Unterstützung zu bekommen.“

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