Fußball

Felix Passlack – der Bottroper Borusse

Schönes Ding: Felix Passlack (li.) beim Torjubel in Berlin. Im DM-Halbfinale erzielte der Bottroper das 1:0 für Borussias U17.

Schönes Ding: Felix Passlack (li.) beim Torjubel in Berlin. Im DM-Halbfinale erzielte der Bottroper das 1:0 für Borussias U17.

Foto: Matthias Kern

Bottrop.   Dass auf der Rheinbabenstraße ein Talent heranwächst, konnte man schon bei den ersten Dribbleversuchen von Felix Passlack erkennen, als er dort als Vierjähriger gegen den Ball trat. Heute ist der Bottroper 16 Jahre alt und Jugendnationalspieler. Mit dem BVB wurde er jüngst U17-Meister.

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Am 25. Mai hatte Felix Passlack noch zugeschaut, wie die anderen jubeln. Er stand neben dem Platz auf der Rheinbabenstraße und sah lachend zu, wie die Spieler des SV Fortuna Bottrop nach dem letzten Saisonspiel feierten. Wie die Dritte lautstark den Aufstieg in die Kreisliga B bejubelte und die Erstvertretung Glückwünsche für den sechsten Platz in der Bezirksliga entgegen nahm.

33 Tage später konnte Felix Passlack selbst feiern. Nicht im Dress der Fortunen, sondern im Trikot von Borussia Dortmund. In Leipzig krönte sich die U17 der Schwarz-Gelben mit dem 2:1-Finalsieg über den Rasen-Ballsport-Verein zum Deutschen Meister. Auf der Tribüne beobachteten BVB-Sportdirektor Michael Zorc und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, wie auch Felix Passlack nach dem Schlusspfiff in der Jubeltraube verschwand.

Immer wieder bei der Fortuna

„Geschlafen hat keiner nach dem Sieg“, erinnert sich der 16-Jährige. Er sitzt wieder am Rand des Spielfelds an jener Rheinbabenstraße, auf die es ihn häufig zu den Heimspielen der Fortuna zieht. „Hier fühl ich mich heimisch, außerdem ist mein Papa auch immer hier, er hat früher für Fortuna gespielt“, sagt Passlack.

Braungebrannt ist er, die Mannschaftsfahrt nach Mallorca ist gerade einige Tage her. Die Erinnerungen an die vergangenen Monate sind ebenso frisch. Die an die Regionalliga-Meisterschaft, an den Gewinn des Westfalenpokals und ans Halbfinale gegen Hertha BSC. Angriff über links durch die Mitte, Pass auf den rechts laufenden Passlack, der aus vollem Lauf per Direktabnahme einnetzte – das wichtige 1:0 vor der Pause, am Ende zog der BVB mit einem 4:0-Erfolg ins Finale ein. Vier Tore in dieser Saison, etliche hatte er vorbereitet – keine schlechte Bilanz für einen Außenverteidiger.

Dass auf der Rheinbabenstraße ein Talent heranwächst, konnte man schon bei den ersten Dribbleversuchen des kleinen Felix erkennen, als er hier als Vierjähriger gegen den Ball trat. Acht Jahre spielte er für die Fortuna, wechselte dann zu Rot-Weiß Oberhausen. Mit der RWO-U13 spielte er im Reviercup, als Talentscout Volker Pröpper auf den quirligen Verteidiger aufmerksam wurde und es erste Gespräche gab. Nach einem weiteren Jahr bei RWO war Passlack schließlich klar: Es geht zum BVB. Eine Entscheidung, die zunächst verwunderte, ist der Bottroper doch Schalke-Fan, besucht regelmäßig die Spiele in der Arena und auch die königsblaue Knappenschmiede wollte ihn haben. „Aber in Dortmund hat es eben direkt gepasst, ich habe mich dort schon beim Probetraining wohl gefühlt.“

Am Wochenende ist er auf Schalke, am Montag begrüßt er die BVB-Profis – so geht das nun seit 2012. Fünfmal pro Woche wird an der Dortmunder Adi-Preißler-Allee trainiert, auf dem benachbarten Platz spielen die Profis, Kevin Großkreutz schaut häufiger im Gebäude der Jugendabteilung vorbei. Läge es da nicht eigentlich nahe, das Internat der Borussen zu besuchen? Passlack winkt ab. „Zwischen Schule und Training habe ich genügend Zeit, so stressig ist das alles nicht. Ich muss auf nichts verzichten“, sagt der Blondschopf, der nach den Sommerferien das Fach-Abi am hiesigen Berufskolleg in Angriff nehmen wird.

Allerdings kann es auch vorkommen, dass ganz besondere Spiele den Fortuna-Besuch verhindern. Spiele, in deren Vorfeld die Nationalhymne erklingt. Vergangenes Jahr wurde der Bottroper zu ersten Lehrgängen eingeladen, zum Jahresbeginn gab er sein Debüt in der U16-Nationalmannschaft. Portugal, Tschechien, Frankreich, Norwegen, Niederlande – die Gegner der Deutschen, gegen die Passlack von Beginn an auf dem Rasen stand. Mutter Birgit war stets dabei, strahlte vor Stolz. Und auch Sohn Felix bekam „eine Gänsehaut, als ich zum ersten Mal die Nationalhymne im Deutschland-Trikot hörte.“

Wie es nun weitergeht? Passlack hat noch ein weiteres Jahr in der U17 der Borussen, die Trikotnummer 15 wird er gegen die sieben eintauschen, in der Nationalmannschaft geht es eine Stufe höher in die U17. „Ich will weiter erfolgreich spielen und Profi werden“, sagt der 16-Jährige. Starallüren gibt es keine – Sonderbehandlungen auch nicht. „In der Schule wurde ich behandelt wie alle anderen und zu Hause muss ich auch mal den Müll raus bringen.“ Autogramme schreibt er trotzdem – für den Nachwuchs der Fortuna.

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