Schwimmen

Delaine Goll in den USA: Zwischen Hurricanes und Corona

Delaine Goll, Schwimmerin aus Bottrop, studiert in Florida und hat dort ein Sportstipendium.

Delaine Goll, Schwimmerin aus Bottrop, studiert in Florida und hat dort ein Sportstipendium.

Foto: Delaine Goll

Bottrop.  Goll studiert in den USA und erlebte turbulente Tage. Kurz war sie in Deutschland, nun geht es zurück. Mit strengen Auflagen - trotz Donald Trump.

Acht bis neun Mal in der Woche steigt die Bottroperin Delaine Goll normalerweise im US-amerikanischen Florida ins kühle Nass und zieht dort Bahn um Bahn. Hinzu kommt auch noch fünf Mal die Woche Krafttraining, morgens von 5.30 bis 8 Uhr und mittags von 12.30 bis 15 Uhr.

Allein dieses Programm ist schon hart und lässt nicht einmal den Hauch von einem inneren Schweinehund zu. Doch zwischen und nach der körperlichen Anstrengung geht es weiter, mit mentalem Training beim International Business Studium mit Schwerpunkt Marketing an der Florida International University.

Früher schwamm Delaine Goll für die SVg. Bottrop

Vor einem Jahr zog es Goll aus Deutschland einmal über den großen Teich, um dort zu studieren und „nebenbei“ - wie die 21-Jährige es bezeichnet - ihrem Sport nachzugehen. Goll, die früher auch für die SVg Bottrop schwamm, bekam dort ein Sportstipendium, holte mit der Mannschaft unter anderem bei den Uni-Meisterschaften den 1. Platz im 200-Yard-Brustschwimmen und den 3. Rang beim 100-Yard-Brustschwimmen.

Doch aktuell steht auch das Wasser in Florida still. Denn das Coronavirus hat die ganze Welt und somit auch die Vereinigten Staaten von Amerika fest im Griff. Dort glänzt Präsident Donald Trump zwar nicht immer mit seinen Aussagen bezüglich der Pandemie, die Universitäten nehmen die Gefahr aber umso ernster.

„Der Sport ist ab März komplett ausgefallen. Man konnte die Sportstätten in der Uni gar nicht nutzen, dann musste man joggen gehen oder in eigener Sache was machen. Hinzu kommt noch, dass Ende April die Hurricane-Saison ist. Da durfte man gar nicht raus, ich saß quasi mit meiner Zimmerkollegen zwei Monate zu Hause und konnte nichts machen“, sagt Goll.

Erst beim vierten gebuchten Flug kann Delaine Goll nach Deutschland

Dass sie im April überhaupt noch in den USA verweilte, war eigentlich gar nicht geplant. Denn Mitte März bekam sie bereits die ersten E-Mails, dass sie den Campus in Florida aufgrund des Virus verlassen müsse. „Erst hieß es, dass alle gehen müssen, bis wir als internationale Studenten eine Sondergenehmigung bekamen, dass wir bleiben dürfen, bis wir einen Flug nach Hause haben“, so Goll.

Drei verschiedene Flüge zurück ins Ruhrgebiet habe sie gebucht, immer mit einer großen Vorlaufzeit, alle drei wurden kurz vorher aber wieder gestrichen. „Dann habe ich bei Delta angerufen und gefragt, ob sie mich in den nächsten Flug packen können. Die haben sich kurz darauf gemeldet und gesagt, der nächste Flug geht morgen um 12 Uhr und gefragt, ob ich das schaffe“, sagt Goll.

Sie schaffte es, auch wenn es stressig wurde. Gemeinsam mit anderen Studenten hat sie eine Garage angemietet, um ihr gesamtes Leben in den USA in der Zwischenzeit zu verstauen.

Nach der Ankunft zwei Woche Quarantäne

Angekommen in Deutschland standen aber erst einmal zwei Woche Quarantäne auf dem Programm. Die Fragen, wie es weitergeht, sportlich sowie im Studium, war groß. „Wir hatten viele Gespräche mit den Unis. Erst hieß es, dass alle Kurse online stattfinden. Dann gab es die Einreisesperre. Man durfte nicht in die USA, außer wenn man einen Kurs hat, bei dem man persönlich da sein musste. Also versuchte ich, einen zu bekommen, um überhaupt wieder in die USA zu können“, so Goll, die sich zudem um eine neue Unterschrift für ihr Studiums-Visum kümmern musste.

Um diese zu bekommen, musste sie ein Dokument ausfüllen, dass ihr Leben in den USA - wohin sie am 18. August zurückkehren wird, sehr genau vorschreibt.

Kein Kontakt zu anderen Studenten, nicht weiter weg als fünf Meilen

„Nach dem Flug soll ich zwei drei Tage warten, dann einen Coronatest machen. Wenn der negativ ausfällt, darf ich mich frei bewegen. Wir haben in den USA eine Trainingsgruppe mit normalerweise 25 Mädels. Die wird nun in Kleingruppen unterteilt und wir dürfen nicht gleichzeitig trainieren. Wir dürfen auch keinen Kontakt zu anderen Studenten haben und ich darf nicht weiter als fünf Meilen von der Uni entfernt sein, das sind ungefähr zwölf Kilometer“, so Goll.

Doch damit nicht genug: „Ich muss eine Maske tragen, sobald ich aus dem Appartement gehe. Ich soll öffentliche Transportmittel meiden und jeder Student muss alle zwei Wochen einen Corona-Test machen. An der Uni gibt es einen Spot, an dem man nichts bezahlen muss.“

Zahlreiche Regeln, zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen - ein ganz anderer Tenor also, als der, der von Donald Trump ausgegeben wird. „Jede Uni hat seine eigenen Regeln“, so Goll, die diese aber für sinnvoll erachtet. „Viele sagen, Trump kümmert sich nicht viel drum. Aber die Universitäten tun es, um noch mehr Coronapatienten zu vermeiden.“

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