Breitensport

Corona: Bottrops Sportler legen los – Spaziergänger staunen

Strahlend weiße Anzüge: Die Karateka des Dojo Arawashi geben auf der Wiese an der Parkstraße ein tolles Bild ab.

Strahlend weiße Anzüge: Die Karateka des Dojo Arawashi geben auf der Wiese an der Parkstraße ein tolles Bild ab.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Karateka waren ein echter Hingucker – die Sportler trainieren wegen Corona unter freiem Himmel. Der Sport kehrt in Bottrops Vereine zurück.

Es wäre schon ein eher unge­wöhnliches Bild gewesen, bevor das Coronavirus mit all seinen Begleiterscheinungen die Maßstäbe verschoben hat: Eine Gruppe Karateka in ihren strahlend-weißen Anzügen, im Sonnenlicht auf der grünen Wiese am Jahnstadion. „Der eine oder andere Spaziergänger ist stehen geblieben und hat mit Abstand vom Fuß- oder Fahrradweg aus zugeschaut“, berichtet Carsten May.

May ist Leiter der Bottroper Karate-Schule Arawashi zwischen Renz-Halle und Panoramabad. Wie alle Sporthallen ist das Bottroper Dojo aber seit zwei Monaten geschlossen. Nach der Lockerung der Kontaktbeschränkungen ist Sport im Freien aber auch in Gruppen seit dem Wochenende wieder erlaubt.

Karate-Training an der frischen Luft – ohne Körperkontakt

„Karate-Training geht genauso gut draußen an der frischen Luft“, musste May nicht lange überlegen. Allerdings natürlich mit festen Regeln. So formierten sich die Karateka mit jeweils vier Meter Abstand auf der Wiese, „wir haben auch immer wieder nachjustiert“, sagt May.

Damit ist auch klar: Ein Zweikampf (im Karate „Kumite“) ist unter diesen Bedingungen nicht möglich. „Kihon“ und „Kata“ stehen stattdessen verstärkt auf dem Trainingsplan, also die technischen Grundlagen und Abläufe. Es geht also wieder los – wenn auch mit Einschränkungen und vorerst nur draußen. Besonders sichtbar war das am Sonntag eben auf der Wiese an der Parkstraße, aber auch an vielen anderen Orten in Bottrop läuft der Vereins-Sportbetrieb wieder an.

Tennis und Minigolf zurück – SC Bottrop nach Lösungen bemüht

Die Tennisclubs sperrten als Erste die Anlagen wieder auf, auch Minigolf lässt sich unter Einhaltung der Hygieneregeln spielen. Etwas komplizierter ist es in den Kontaktsportarten und für Jugend-Abteilungen.

Für die Handball-Vereine zum Beispiel stellt sich die Frage, wie mit den teils widersprüchlichen Vorgaben umzugehen ist: Kontaktsport trotz Kontaktbeschränkungen?

Der SC Bottrop plant etwa eine Wiederaufnahme des Trainings mit Freiluft-Einheiten unter Einhaltung der Abstandsregeln. Norbert Kowol-Sundermann hat als Vorsitzender des SC auch das Amt des Corona-Beauftragen übernommen; auf der Vereinswebsite richtet er sich an die Mitglieder: „Generell sollte uns allen klar sein, dass wir in den nächsten Wochen nicht so schnell zu einem normalen Trainingsbetrieb zurückkehren. Wir werden Geduld, Flexibilität und auch eine Menge Kreativität brauchen.“

Vereine stehen vor großen Fragen

Viele Vereine beschäftigen sich nach den überraschenden Lockerungen der vergangenen Woche noch mit der Frage, ob und wie sie einen Trainingsbetrieb im Rahmen der Regeln auf die Beine stellen können.

Gute Konzepte dazu haben etwa der LC Adler Bottrop und Blau-Weiß Fuhlenbrock aufgestellt.

Grundsätzlich gilt aber: Die Sportvereine sind weiter vor allem von den Vorgaben der Landesregierung und der Stadt abhängig. Karate-Trainer May ist froh über die gute Abstimmung mit der Stadt. Hätte das Training an der Parkstraße nicht geklappt, hätten die Karateka auf eine Wiese der Kirchengemeinde St. Pius ausweichen können. Das Arawashi-Dojo bleibt aber auf der Hut, stellt sich auch darauf ein, dass das Freiluft-Training bald wieder eingeschränkt oder untersagt werden könnte. Schon seit Wochen bietet das Dojo auch Video-Trainingseinheiten an, am Mittwoch ist erstmals eine Live-Session geplant.

Karate steht für den Respekt

„Wir sind ein sehr traditionelles Dojo und tun uns da etwas schwerer als andere“, räumt May ein – erst Anfang des Jahres hat er die Leitung des Dojos vom 80 Jahre alten japanischen Meister und Gründer der Karateschule, Hideo Ochi, übernommen. „Wir machen das trotzdem parallel“, sagt er.

Eins ist ihm nämlich wichtig: Mit Aufregung oder Hysterie würden sie nicht nur der Situation, sondern auch ihrer Sportart nicht gerecht. Auch wenn das Dojo (wie ein Fitnessstudio) theoretisch in dieser Woche wieder öffnen dürfte, wird nichts überstürzt: „Karate bedeutet Respekt – unser Sport steht für Besonnenheit. Das werden wir jetzt auch bei der Rückkehr ins Training beachten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben