Cheerleading

Cheerleader Hendrik Grobelny: Kraft, Geschick und Vorurteil

Hendrik Grobelny wird mit der deutschen Nationalmannschaft Junioren-Weltmeister. Dafür gab es nicht nur eine Medaille, sondern auch einen Champions-Ring, der ihn ein Leben lang an den Erfolg erinnern wird.

Hendrik Grobelny wird mit der deutschen Nationalmannschaft Junioren-Weltmeister. Dafür gab es nicht nur eine Medaille, sondern auch einen Champions-Ring, der ihn ein Leben lang an den Erfolg erinnern wird.

Foto: HG

Bottrop.  Deutscher Meister, Junioren-Weltmeister und Olympische Winterspiele in Pyeongchang. Das unglaubliche Jahr des Bottropers Hendrik Grobelny.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gleich zu Anfang möchte Hendrik Grobelny mit einem gängigen Vorurteil aufräumen. In seiner Sportart hüpfen keine Mädels in aufreizenden Höschen umher, die bunte Puschel schwingen. Er ist Cheerleader, und er betreibt den Sport Cheerleading auf Wettkampfebene. Als er sich für die Sportart entscheidet, muss er sich nicht selten dafür rechtfertigen, obwohl er das gar nicht will. „Ich kenne die Sprüche. Ich weiß gar nicht, wie oft ich sie mir anhören musste“, sagt der 17-Jährige. Cheerleading sei doch ein Sport für Mädchen und nichts für Jungen. Irgendwas stimme mit ihm nicht.

Dabei war bei ihm immer alles in Ordnung. „Ich hatte schon immer ein Turn-Gen“, sagt er. Die Leute hätten hierzulande seit Jahren ein falsches Bild von Cheerleading im Kopf, geprägt durch US-Sportarten wie Basketball, American Football oder durch Hollywood-Filme.

Start beim SC Bayer Uerdingen

Die Faszination für den Sport beginnt im Jahr 2014. Seine Cousine nimmt ihn mit zum Training der Dolphins Cheerleader, dem Aushängeschild des SC Bayer Uerdingen in Krefeld. Von Beginn an ist er begeistert vom Team, bestehend aus Jungen und Mädchen, und von den sportlichen Bedingungen. Die Dolphins Cheerleader betreiben Wettkampf-Cheerleading, das sich aus Elementen des Turnens, der Akrobatik und des Tanzens zusammensetzt.

Unterschätzter Leistungssport

Cheerleading, wie Hendrik Grobelny es betreibt, ist Hochleistungssport. Drei- bis viermal in der Woche trainiert er bis zu drei Stunden an Hebefiguren, Flickflacks, Schrauben und Salti. Cheerleading ist nichts für Weicheier. „Für mich ist es eine der gefährlichsten Sportarten“, sagt er. Blaue Flecken und überdehnte Bänder sind keine Seltenheit. Es kann sehr schmerzhaft sein, wenn die Choreographie nicht perfekt umgesetzt wird und man aus mehreren Metern mit dem Körper auf der Matte landet, bei einer Landung mit dem Fuß falsch aufkommt oder unabsichtlich einen Arm ins Gesicht bekommt. Trotzdem betreibt er als Teil der Dolphins diesen Sport mit viel Leidenschaft.

2018 wird er dafür belohnt. Als Mitglied des Teams Germany durfte er im letzten Jahr bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang den Deutschen Cheerleader-Verband präsentieren. „Eine sehr große Ehre“, sagt er. Mit dem Nationalteam turnte er unter anderem bei der Abschlussfeier. Im Deutschen Haus, dem zentralen Treffpunkt für die Deutsche Olympiamannschaft, trifft er sein großes Idol: Fabian Hambüchen, Olympiasieger 2016 am Reck. Vielleicht darf er seinem Idol bald nacheifern und ebenfalls eine Medaille an Olympia erringen. Denn Cheerleading steht als künftige olympische Sportart zur Diskussion. „Gold wäre mein Traum“, sagt Hendrik Grobelny.

Außenseitersieg bei der WM

Der Besuch in Südkorea war nur der Auftakt zu einem erfolgreichen Jahr. Im April wird er mit dem deutschen Nationalteam in Orlando (Florida) überraschend Junioren-Weltmeister. Und das gleich in seinem ersten Jahr im Nationalteam. Favoriten wie Kanada und USA, in denen Cheerleading äußerst populär ist, haben das Nachsehen.

Ein Ring für den Champion

Den WM-Triumph kann er anfangs gar nicht fassen: „Da musste ich erstmal kräftig durchatmen.“ Jedes Mitglied aus dem Siegerteam erhielt neben der Medaille zusätzlich einen speziellen Ring nur für Champions. Als er an jenem Abend zu Bett geht, kommt ihm alles wie ein Traum vor. „Ich habe mir gesagt, wenn der Ring am nächsten Morgen noch auf dem Tisch liegt, dann war es kein Traum.“

Und der Ring lag am nächsten Tag unberührt an Ort und Stelle. Aller guten Dinge sind bekanntlich Drei. Zwei Monate nach dem WM-Sieg setzt er mit den Dolphins Cheerleader in Hamburg den Deutschen Meistertitel noch obendrauf. Die Triumphe wirken wie eine Genugtuung. Er zeigte es nicht nur den Spöttern von einst, sondern auch ein klein wenig sich selbst. „Ich bin ein ehrgeiziger Typ“, wie er offen zugibt. Aber er weiß, mit seinem geliebten Sport kann er kein Geld verdienen. Jedenfalls nicht so viel Geld, als dass er später damit finanziell ausgesorgt hat. Er denkt an seine berufliche Zukunft. Deshalb hat er neben der Fortsetzung seiner sportlichen Karriere als Cheerleader mit einer Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben