Kolumne

1911-Freunde: Abstand? So sehen unsere Zweikämpfe immer aus

Endlich wieder Training. Mit Abstand und einem Schwerpunkt auf Kondition und Torschüsse. Auch beim SV Bottrop 1911.

Endlich wieder Training. Mit Abstand und einem Schwerpunkt auf Kondition und Torschüsse. Auch beim SV Bottrop 1911.

Foto: Jill Abanico / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Endlich wieder Fußball – wenn auch unter Einhaltung der Hygieneregeln. Das stellt die Fußballer des SV Bottrop 1911 nicht vor Probleme.

Fernab jeglicher Diskussionen, welche Maßnahmen nun sinnvoll oder weniger sinnvoll zu Zeiten des Corona-Virus sind, herrscht im Amateurbereich des Fußballs freudige Stimmung. Der Trainingsbetrieb darf unter Auflagen wieder beginnen.

Besser als nichts, das sehen auch Coach Carter und seine Jungs so. „1,5 Meter Abstand zum Gegenspieler? So sehen unsere Zweikämpfe jeden Sonntag aus“, witzelt man in der WhatsApp-Gruppe, „endlich macht sich unser erbärmliches Zweikampfverhalten mal bezahlt.“

Lauftraining und Torschussübungen – nicht die Stärken der 11er

Je nachdem wie die Regeln aussehen werden, wird es wohl erstmal auf Lauftraining und Torschussübungen hinauslaufen. Zwei Dinge, die der Querschnitt der Mannschaft nicht kann. Aber wie gesagt, besser als nichts. Endlich werden wieder die wildesten Ausreden ausgepackt, um dem Training an einem regenreichen Abend zu entgehen.

Während bei dem einen Spieler die vierte Großmutter schon in diesem Jahr Geburtstag hat, schafft es ein anderer Spieler höchstens verspätet zum Training, da er vom Nachbarn zugeparkt wurde. Ein weiterer Spieler hat sich den Rücken verrenkt, weil sein Hund plötzlich ruckartig an der Leine zog. So muss man schlussendlich mit dem harten Kern von durchschnittlich zehn Spielern den Wassermassen trotzen.

Endlich wieder blutige Knie und Asche in den Wunden

Aber auch hier gilt dann nach der langen Pause: Besser als nichts. Am Ende freut man sich sogar darüber sich wieder die Asche aus den blutigen Wunden an Armen und Knien zu entfernen. Der brennende Schmerz in der Lunge nach der fünften „letzten Runde“ beim Lauftraining ist im Kreise seiner liebsten Fußballkumpels ein Vergnügen. Sogar den Tobsuchtsanfällen des Trainers, der sich aufgrund wahnwitziger Fehler nach der geistigen Gesundheit des jeweiligen Schützling erkundigt, blickt man freudig entgegen.

Das lästige Abräumen der Gerätschaften nach den Übungen. Die genervten Blicke der Routiniers, wenn der Übungsleiter dieselben Spielern wieder einmal wegen derselben Fehler belehren muss. Oder das Grölen der Mitspieler, nachdem man einen Beinschuss kassiert hat. All das wird nach der langen Pause ein inneres Blumenpflücken für jeden der Ascheathleten sein.

Das Bier wird zu Hause getrunken

Und auch wenn dabei ein Abstand eingehalten werden muss und die hopfenhaltigen Erfrischungsgetränke nach dem Training alleine zu Hause getrunken werden, lautet das Fazit: Besser als nichts.

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Lukas Schneider ist Bottroper und leidenschaftlicher Amateurfußballer. Der 24-Jährige ist Torhüter des SV 1911 Bottrop und teilt mit uns in seiner Kolumne „1911 Freunde“ den Blick auf das nicht selten skurril komische Innenleben des kleinsten Bottroper Kreisliga-Vereins. Einmal wöchentlich nach den Spieltagen.

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