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Weitmars Berti Weishof ist jetzt auch Meistertrainer

Fußball, Gehörlosenfußball, GTSV Essen, Deutscher Meister im Juni 2018, Trainer ist Berthold "Berti" Weishof.

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Fußball, Gehörlosenfußball, GTSV Essen, Deutscher Meister im Juni 2018, Trainer ist Berthold "Berti" Weishof.

Berti Weishof führte den GTSV Essen zur Deutschen Meisterschaft im Gehörlosen-Fußball und trainiert auch die U19 des SC Weitmar 45. Ein Porträt.

In Bochum kennt man Berthold Weishof als engagierten Jugendtrainer, früher beim CSV Linden, seit 2017 bei der U19 des SC Weitmar 45. Auch als Fußballer hat er seine Spuren hinterlassen und es bis in die Verbandsliga geschafft – und das, obwohl er ohne Hörgerät fast gar nichts versteht. Im Gehörlosen-Fußball hat „Berti“ eine noch beachtlichere Karriere hingelegt, mit drei Deutschen Meistertiteln als Spieler und seit Anfang Juni auch als Meistertrainer.

Als kleines Kind den Hörsinn verloren

Mit zweieinhalb Jahren führte ein Antibiotikum dazu, dass Weishof seinen Hörsinn fast komplett verlor. Der 38-Jährige nimmt die Dinge seitdem anders wahr, die anderen Sinne sind bei ihm umso ausgeprägter. Das hat er schon als Spieler genutzt, und das hilft ihm jetzt auch als Trainer. „Ich habe immer viel ‘mit den Augen’ Fußball gespielt, meine Stärke waren ‘tödliche’ Pässe. Ich habe eine gute Übersicht im Spiel und kann oft schon durch die Bewegungen des gegnerischen Spielers erkennen, was er vor hat“, erzählt der 1,68 Meter große Spielmacher, der auch das Lippenlesen perfekt beherrscht.

Mit dem Fußball angefangen hat „Berti“ 1992 bei der SG Bochum-Süd, landete später bei der U19 der SG Wattenscheid 09, wo er unter anderem mit Yildiray Bastürk zusammenspielte. Im Seniorenfußball war der Verbandsligist TSG Sprockhövel seine höchste Station, ein Mittelfußbruch stoppte weitere Ambitionen. Zur Jahrtausendwende führte er die SG Linden-Dahlhausen noch in die Landesliga, bevor er nach Stationen bei einigen Bezirksligisten seine Spielerkarriere beendete.

Fußball fördert die Integration

Seinen Hörschaden hat er nie als Handicap empfunden: „Natürlich gab es Situationen, wo ich den Trainer bei einer Übung nicht richtig verstanden habe und alle gelacht haben, aber darüber habe ich oftmals selbst gelacht. Teilweise musste ich ja auch nicht alles verstehen, weil ich wusste, was wichtig war. Ich habe mich so mehr auf das Fußballspielen fokussiert.“ Ausgeschlossen hat er sich nie gefühlt, der Fußball trug seinen Teil zur Integration bei.

Gleichzeitig hat sich der Qualitätsmanager des Bau- und Liegenschaftsamts NRW immer im Gehörlosen-Fußball engagiert und dort große Erfolge gefeiert: Dreimal wurde „Berti“ Deutscher Meister, zweimal Hallenmeister und achtmal NRW-Meister. Auch bei der Gehörlosen-Nationalmannschaft hatte er immer mal wieder einen Fuß in der Tür, Verletzungen und berufliche Verpflichtungen verhinderten letztlich eine Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb.

Mit der U19 des SC Weitmar abgestiegen

„Am Ende war der Unterschied zwischen Fußball und Gehörlosen-Fußball nicht groß“, sagt Weishof, der nicht erst als Trainer, sondern schon als Spieler „immer einer war, der den Mund aufgemacht hat und viele Ideen hatte.“

In dieser Saison lagen Trauer und Jubel nahe beieinander: Mit der U19 des SC Weitmar musste er den Abstieg in die Bezirksliga hinnehmen, mit der GTSV Essen wurde er Deutscher Gehörlosen-Meister. Spaß macht ihm beides, die Ziele stehen: „Mit Weitmars U19 erwarte ich eine spannende und gute Saison. Mit den Essener Gehörlosen wollen wir den Titel verteidigen.“

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