2. Bundesliga

VfL Bochum: Stürmer Novothny über Sprachen, Ziele, Kollegen

Wurde gegen Osnabrück eingewechselt: Soma Novothny, neuer Stürmer des VfL Bochum.

Wurde gegen Osnabrück eingewechselt: Soma Novothny, neuer Stürmer des VfL Bochum.

Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool

Bochum.  Eher als selbst gedacht feierte Soma Novothny sein Debüt für den VfL Bochum. Im Interview erzählt er, wer ihm hilft, was er lernt, was er vorhat.

Gegen Osnabrück feierte er kurz vor Schluss sein Debüt, im Testspiel gegen Bielefeld soll er von Beginn an stürmen. Der Ungar Soma Novothny (26), neuer Angreifer des VfL Bochum, erklärt nach dem Training am Donnerstag im Interview, wer ihm besonders hilft, was er vor hat und wie viele Sprachen er spricht.

Hallo Herr Novothny, wie haben Sie sich in Bochum und bei Ihrem neuen Team eingelebt?

Soma Novothny: Ich habe mich richtig gut eingelebt, das Team hat mir dabei sehr geholfen. Speziell Danilo Soares, Cristian Gamboa und Vasileios Lampropoulos haben sich vom ersten Tag an sehr um mich gekümmert. Sie sagten, wenn ich irgendetwas bräuchte, sollte ich sie fragen und sie würden mir helfen. Das habe ich getan und sie haben Wort gehalten. Ich fühle mich ausgesprochen wohl hier, was auch daran liegt, dass meine Verlobte mit mir nach Bochum gezogen ist. Wir haben ein Apartment mit Garten gefunden, das passt.

Gegen Osnabrück haben Sie Ihr Debüt im VfL-Trikot gegeben. Wie hat sich das angefühlt?

Soma Novothny: Anfangs haben wir mal hochgerechnet und sind von zwei bis zweieinhalb Monaten ausgegangen, was die Rückkehr in den Wettkampf anging. Man darf nicht vergessen, dass ich eine relativ lange Pause hinter mir hatte. Insofern war ich einerseits sehr happy, dass der Coach mir vertraut hat. Andererseits war ich auch ein bisschen erstaunt, denn beim Spielstand von 0:0 gegen Osnabrück einen Neuzugang zu bringen, macht auch nicht jeder. Das war schon ein echter Vertrauensbeweis. Natürlich bin ich etwas traurig, dass ich der Mannschaft nicht durch ein Tor oder eine Torbeteiligung habe helfen können. Aber insgesamt bin ich schon sehr zufrieden, dass ich jetzt schon die ersten Minuten in der 2. Bundesliga spielen konnte und hoffentlich bald mehr dazu kommen werden. Dafür werde ich kämpfen.

Der erste Einsatz hat sicher Lust auf mehr gemacht - was haben Sie sich vorgenommen?

Soma Novothny: Natürlich hat das Lust auf mehr gemacht. Es war ein harter Weg dahin, die Trainingsintensität ist hier sehr hoch. Dazu kommt, dass ich noch nicht alles verstehe, aber das wird schon. Ich lerne Deutsch und gehe davon aus, dass ich im Dezember oder Januar soweit bin, um wesentlich mehr zu verstehen und auch zu sprechen. Und wie gesagt: Ich werde weiter um meine Chance kämpfen und hoffe, dass ich sie auch weiterhin bekommen werde.

Wie ist Ihr Fitnesszustand? Sind Sie schon bei 100 Prozent?

Soma Novothny: Zu 100 Prozent würde ich nicht sagen, aber ich glaube, dass ich schon bei 80 bis 90 Prozent angekommen bin. Bisher gab es ja fast nur Trainingseindrücke, von den zehn Minuten gegen Osnabrück mal abgesehen. Wir werden im Testspiel gegen Bielefeld sehen, wie lange die Kraft reicht. Danach könnte ich die Frage wohl besser beantworten. (lacht) Fakt ist: Ich fühle mich von Tag zu Tag besser.

Bochum ist schon Ihr zehnter Verein als Profi, Sie haben bereits in Belgien, Italien, Südkorea und natürlich Ungarn gespielt. Hilft Ihnen das, sich in neuer Umgebung schnell zurechtzufinden?

Soma Novothny: Auf jeden Fall. Für mich ist das normal. Ich war auf so vielen Auslandsstationen, dass ich es gewohnt bin, der Neue zu sein. Besonders in Südkorea war das sehr anstrengend, denn niemand sprach Englisch und die Schriftzeichen waren für mich auch nicht zu entziffern. (lacht) Aber selbst da habe ich mich bemüht, die Sprache zu lernen, musste aber nach ein paar Wochen aufgeben, weil es echt zu kompliziert war.

Wie ist Ihr Eindruck von der deutschen 2. Liga auch im Vergleich?

Soma Novothny: Es ist ein harter Wettbewerb. Gegen St. Pauli habe ich das erste Mal auf der Bank gesessen und das Geschehen hautnah mitbekommen. Eine hohe Intensität, viele Zweikämpfe, sehr viel Laufarbeit, ein echter Fight. Das gefällt mir. Da möchte ich möglichst schnell dabei sein.

Hatten Sie vorher Berührungspunkte mit Spielern der 1. oder 2. Bundesliga oder Vereinen?

Soma Novothny: Persönlich kenne ich Roland Sallai vom SC Freiburg, wir haben zusammen in der ungarischen U21 gespielt. Die Bundesliga ist in Ungarn natürlich präsent, insofern kennt man die Werdegänge von Adam Szalai oder Szabolcs Huszti.

Wie kam es zum Wechsel nach Bochum?

Soma Novothny: Das ging alles recht flott. Ich habe Anfang September vom Interesse des VfL gehört, man hatte sich intensiv über mich erkundigt. Ich habe dann meinerseits etwas über den Club erfahren. Dann kam das Angebot und ich musste nicht lange überlegen. Insgesamt alles sehr unkompliziert. Für mich ist es ein großer Karriereschritt, die 2. Bundesliga ist eine echte Herausforderung. Ich kann mich hier verbessern, insofern war es keine große Frage, dass ich den Schritt wagen würde.

Welche Sprachen sprechen Sie, wie läuft die Kommunikation im Team?

Soma Novothny: Ich spreche neben meiner Muttersprache Ungarisch auch noch Englisch und Italienisch, zudem kann ich mich auf Spanisch verständigen – was die Konversation mit Danilo, Gambo und Vasili erleichtert hat. Noch unterhalte ich mich die meiste Zeit auf Englisch, aber ein paar deutsche Wörter habe ich schon gelernt: (auf Deutsch) „Dankeschön, bitte, langsam, schnell. Wie heißt du? Ich heiße Soma. Wo wohnst du? Woher kommst du?“ Die Schwester meines besten Freundes aus Kindheitstagen ist Deutschlehrerin in Ungarn, das hilft mir enorm. Drei- bis viermal die Woche haben wir eine Videokonferenz, jeweils eine oder anderthalb Stunden. Sie unterrichtet mich und hat mir schon ein paar Büchertipps gegeben. Die arbeiten wir durch. Es ist für mich eine Form des Respekts, die Sprache zu lernen. Ich versuche, mit jedem so normal wie möglich zu kommunizieren. Das klappt innerhalb der Mannschaft ganz gut. Jeder hilft mir, niemand schließt mich aus. Neulich habe ich versucht, beim Einkaufen auf Deutsch zu sprechen. Das ging mit der Begrüßungsformel noch ganz gut. Aber als die Verkäufer auf Deutsch geantwortet haben, sind wir doch sehr schnell ins Englische übergegangen. (lacht)

Im Test gegen Bielefeld können Sie sich vermutlich erstmals von Anfang an präsentieren. Was haben Sie sich vorgenommen?

Soma Novothny: Ich werde mein Bestes geben und wir werden sehen (auf Deutsch) „wie viele Minuten“ ich spielen werde. Es ist wichtig, sowohl für die Mannschaft als auch für mich. Man kann sich nicht hinstellen und ankündigen, fünf Tore zu schießen, um zu zeigen, dass man der beste Spieler der Welt ist. Das wäre nicht klug. Ich werde versuchen, meinen Job zu machen und dem Trainer zu zeigen, dass das, was wir uns im Training erarbeitet haben, auch im Spiel umgesetzt werden kann.

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