Fußball 2. Bundesliga

VfL Bochum: Novothny und Chibsah vor dem Startelf-Debüt

Soll dem Spiel des VfL Bochum gut tun mit seiner Aggressivität im Zweikampf: Neuzugang Raman Chibsah könnte gegen Aue debütieren.

Soll dem Spiel des VfL Bochum gut tun mit seiner Aggressivität im Zweikampf: Neuzugang Raman Chibsah könnte gegen Aue debütieren.

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing / Ralf Ibing /firo Sportphoto

Bochum.  Silvere Ganvoula droht gegen Aue die Bank. Soma Novothny steht vor dem Startelf-Debüt, Raman Chibsah vor dem ersten Einsatz für den VfL Bochum.

Es kommt mitunter auf die Zwischentöne an. In Braunschweig ließ der VfL Bochum die Aggressivität, den Biss in den Zweikämpfen, den nötigen Hunger auf Erfolg vermissen. Mit Soma Novothny und Raman Chibsah hat der VfL zwei Neuzugänge verpflichtet, die für diese Eigenschaften stehen. Für einen Einsatz, auf den es vor allem dann ankommt, wenn es spielerisch nicht rund läuft. Wenn der Druck steigt. Wenn den fußballerisch stärker veranlagten Spielern die Form, vielleicht auch ein Stück Wille fehlen zurzeit.

Thomas Reis hat bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den FC Erzgebirge Aue (13.30 Uhr, Vonovia-Ruhrstadion) natürlich nicht verraten, wer auflaufen wird. Es deutet sich aber an, dass Silvere Ganvoula und Robert Tesche eine Pause erhalten. Auch Robert Zulj könnte es erwischen.

Trainer Reis schützt schon jetzt seine bisherigen Stammspieler

Dass es Wechsel in der Startelf geben wird, hat diese Redaktion bereits mehrmals berichtet. Reis baute zum Schutz seiner Arrivierten schon mal vor: Sollte es Wechsel geben, sagte er, ginge es nicht darum, „jemand an den Pranger zu stellen“, sprich: verantwortlich für die letzte Pleite in Braunschweig, den Negativtrend der letzten Partien zu machen. Aber als Trainer müsse er versuchen, „Reizpunkte zu setzen“. Bisher setzte er ja in den fünf Pflichtspielen stets auf nahezu die gleiche Startelf. Der eine oder andere aber habe zurzeit eine „Schwächephase“. Dies trifft zweifellos auf Ganvoula zu, den bisher glücklosen Stürmer. Andere würden „mit den Hufen scharren“, sagte Reis. „Es gehört auch dazu, dass es mal Veränderungen gibt. Es ist möglich, dass das am Sonntag der Fall sein wird.“

Das sind die Stärken von Novothny

Denn dann soll eine Elf starten, die konzentriert und willig ist, die „am besten über die kompletten 90 Minuten ein anderes Gesicht zeigt als in Braunschweig.“ Soma Novothny wurde zuletzt zweimal eingewechselt. Gegen Osnabrück und Braunschweig vergab er jeweils eine gute Chance – aber immerhin hatte er überhaupt diese Chancen in den paar Minuten Spielzeit. Der 26-jährige Neuzugang hat gute Karten für seine Startelf-Premiere. „Soma bringt eine gute Mentalität mit, zeigt eine hohe Laufbereitschaft, wirft sich in die Zweikämpfe“, sagt Reis.

Chibsah steht für aggressive Spielweise

Und Raman Chibsah merke man an, dass ihn jede Einheit weitergebracht habe, so der Coach. Der international erfahrene Neuzugang für das Mittelfeld suche die Zweikämpfe und Balleroberungen, gebe im Training Gas, was zumindest am Mittwoch ja wie berichtet nicht bei allen der Fall war - bei der Einheit am Freitag sah Reis einen klaren Fortschritt. Chibsah dürfte neben Anthony Losilla im eher defensiven Zentrum auflaufen. „Seine Stärke ist seine Zweikampfführung, die gerade gegen Aue hilfreich sein kann“, sagte Reis. Robert Tesche erhält dann eine Pause. Für den 27-jährigen Neuzugang Chibsah wäre es das Pflichtspiel-Debüt für Bochum.

Weitere Wechsel sind denkbar, sogar wahrscheinlich: Danny Blum hat sich nicht empfohlen. Gerrit Holtmann dürfte dank seines Tempos den Vorzug vor Milos Pantovic erhalten. Und als Gestalter könnte Thomas Eisfeld den zuletzt selten frisch wirkenden Robert Zulj ersetzen.

Nur 300 Zuschauer sind für Reis kein Vorteil für den VfL Bochum

Unabhängig von der Startelf ist Bochum gefordert, den Trend wieder in die richtige Richtung zu drehen, den ersten Heimsieg zu holen. Dass es dabei zu einem gefühlten Geisterspiel kommt vor nur 300 Zuschauern, sei aber kein Vorteil für sein Team, betonte Reis. Auf die Idee könnte man ja kommen angesichts der guten Geisterspiel-Bilanz und sicherlich aufkommender Unruhe in einem besser besetzten Stadion, wenn es zunächst nicht läuft gegen Aue. Reis denkt andersherum. Optimistisch. Positiv: „Wir wollen nicht einem 0:1 hinterherlaufen, sondern selbst in Führung gehen. Es wäre schön, wenn wir viel mehr Fans dabei hätten, die uns den Rücken stärken, denn gemeinsam sind wir stark.“ Man müsse aber die Situation in der Coronakrise so annehmen, wie sie ist; man müsse damit umgehen – und punkten.

Thema Gehaltsverzicht soll noch diskutiert werden

Völlig unabhängig vom Ausgang der Partie soll aufgrund der wirtschaftlichen Lage und drohender (Fast-)Geisterspiele bis zum Saisonende auch das Thema Gehaltsverzicht mit der Mannschaft noch erörtert werden, erklärte Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz auf Nachfrage. Wann es einen ersten Austausch dazu geben werde, ließ er aber offen. Einen konkreten Zeitplan gebe es nicht.

Im Frühling, nach dem Lockdown und drohender Insolvenz angesichts fehlender TV-Geld-Einnahmen, hatten Mannschaft, Geschäftsführung und Direktoren von April bis Juni auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet. Zudem waren Mitarbeiter in Kurzarbeit. Seit September ist kein Mitarbeiter mehr in Kurzarbeit.

Denn so dramatisch wie im April ist die Lage derzeit nicht beim VfL Bochum, die Saison ist nicht zuletzt dank eines 6-Millionen-Euro-Kredits bei der KfW-Bank auch ohne Zuschauer durchfinanziert. Vorausgesetzt, der Ball rollt weiter, womit TV-Geld und von TV-Präsenz abhängige Sponsorengelder auch weiter fließen.

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