Coronakrise

Sport-Lockdown in Bochum: Blau-Weiß kritisiert die Stadt

Dank eines umfangreichen Hygiene- und Sicherheitskonzeptes stieg im Wiesentalbad von Blau-Weiß Bochum Mitte September ein großer Schwimm-Wettkampf. In den städtischen Bädern wie dem Unibad) darf ab Montag niemand mehr trainieren.

Dank eines umfangreichen Hygiene- und Sicherheitskonzeptes stieg im Wiesentalbad von Blau-Weiß Bochum Mitte September ein großer Schwimm-Wettkampf. In den städtischen Bädern wie dem Unibad) darf ab Montag niemand mehr trainieren.

Foto: BW Bochum / Verein

Bochum.  Plätze, Hallen, Bäder werden geschlossen. Der Schwimmverein Blau-Weiß Bochum sieht verheerende Folgen für die Sportler und hofft auf einen Dialog.

Ab diesem Montag sind alle städtischen Turnhallen sowie Sport- und Bolzplätze und die städtischen Hallenbäder geschlossen. Ausgenommen sind die Bundes- und Landesstützpunkte sowie das Training von Berufssportlern und -sportlerinnen. Dies entschied wie berichtet der Krisenstab der Stadt am Freitag aufgrund der rasant steigenden Coronafallzahlen.

Die Zahl der Sieben-Tage-Inzidenz in Bochum stieg am Wochenende noch einmal auf nun 116. Einige Vereine aber üben Kritik am „Trainingsverbot“, das in anderen Städten mit ähnlichen Zahlen nicht gibt. So der Fußballverein SG Wattenscheid 09 und der Schwimm- und Wasserballverein SV Blau-Weiß Bochum.

In anderen Städten dürfen die Vereine mit klaren Regeln Training anbieten

Die Schließung der städtischen Sportstätten entspricht praktisch einem Sport-Lockdown für die meisten Aktiven in dieser Stadt. Unabhängig davon, ob es sich um Kontaktsport handelt, um Kinder- und Jugend- oder Erwachsenensport und ob entsprechende Konzepte zur Vermeidung der Ausbreitung des Virus’ sowie zur Nachverfolgung von Infektionsketten vorliegen.

Etliche Verbände haben zwar ihren Ligenbetrieb bereits ausgesetzt oder den Start verschoben wie im Volleyball, Handball (ab Bezirksliga abwärts) oder Basketball (unterhalb Regionalliga). In den Revierstädten außerhalb Bochums allerdings dürfen die Vereine mit entsprechenden Regeln noch trainieren. Zum Beispiel in Essen oder Duisburg.

Die Stadt Bochum sieht sich aufgrund der rasant steigenden Zahlen mit an Covid-19 erkrankten Menschen zum Handeln gezwungen, um die Ausbreitung des Virus’ einzudämmen. Unter anderem im Amateursport. „Es muss nach Möglichkeit vermieden werden, dass Menschen in größeren Mengen über einen längeren Zeitraum zusammen kommen“, sagt Peter van Dyk, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage der WAZ. Dies sei im Vereinssport der Fall.

Sportstätten bis auf weiteres geschlossen: „Wir fahren auf Sicht“

Es ginge keinesfalls darum, Vereine zu bestrafen, betont van Dyk. Allerdings habe es stichprobenartige Kontrollen bei Sportveranstaltungen gegeben, und in 80 Prozent der Fälle hätten die Vereine ihre Regeln nach den Hygienekonzepten nicht einhalten können.

Auch werde es grundsätzlich für das Gesundheitsamt bei den steigenden Zahlen immer schwerer, die Nachverfolgung von Kontakten aufrecht zu erhalten. Wie lange die Sportstätten geschlossen bleiben, ist Stand jetzt völlig offen. Van Dyk: „Wir fahren auf Sicht.“

Krisenstabsleiter Sebastian Kopietz hatte am Freitag in einer Mitteilung an alle Bürger appelliert, „nicht zwingend notwendige Kontakte“ zu vermeiden. „Für alle Sportlerinnen und Sportler ist das natürlich höchst bedauerlich“, so Kopietz zur Sportstätten-Schließung. „Aber in der jetzigen Situation bleibt uns leider keine andere Wahl.“

In den Bädern ist auch für die Leistungssportler vorerst kein Training möglich

Damit sitzen auch die Schwimmer vom SV Blau-Weiß Bochum, mit 7000 Mitgliedern einer der größten Schwimmvereine Deutschlands, vorerst auf dem Trockenen. Übrigens auch die Wasserballer und Kaderathleten – Blau-Weiß ist Landesstützpunkt im Schwimmen und Wasserball.

Dies teilten die „Wasserwelten Bochum“ dem Verein mit. Für die Leistungssportler werde an Konzepten gearbeitet. Bis dahin ist auch für sie kein Training erlaubt.

Blau-Weiß Bochum: Schwimmvorstand betont Bedeutung des Sports für den Nachwuchs

Jens Wichtermann, Vorstand Schwimmen von Blau-Weiß, hat für das generelle Trainings-Aus kein Verständnis. Dieses Sportverbot habe „verheerende Folgen – in erster Linie für tausende Kinder und Jugendliche, die in den Vereinen Sport treiben, aber auch für die Vereine selber“, sagt Wichtermann.

„Gerade kleinere Vereine sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Dabei geben die Sportvereine mit großem ehrenamtlichen Engagement den Kindern und Jugendlichen in einer für Heranwachsende schwierigen und oft belastenden Situation Struktur, Halt und Kraft. Gerade jetzt ist ein solcher Anker für die physische und psychische Gesundheit unserer Kinder unerlässlich.“

So argumentiert Blau-Weiß Bochum: Ohne Sport im Verein steigt das Infektionsrisiko

Blau-Weiß Bochum habe wie die meisten Vereine zu Beginn der Pandemie ein wirksames Sicherheitskonzept entwickelt, „das sicheren Sport in festen, zahlenmäßig begrenzten Trainingsgruppen garantiert“, so Wichtermann. Fällt das Training für die Kinder und Jugendlichen aus, müssten sie sich anderweitig verabreden, um am sozialen Leben teilzuhaben. „Damit steigt die Zahl der Kontaktpersonen und das Infektionsrisiko.“

Wichtermann vermisst einen Dialog mit den Vereinen, wie es ihn in Essen gegeben habe. Dort hatte man gemeinsam evaluiert, dass vom Sport kein höheres Infektionsrisiko ausginge. Das Training in Essen ist nach klaren Regeln erlaubt, unter anderem ist die Nutzung von Dusch- und Umkleideräumen verboten. Ausgenommen sind hier die Schwimmbäder.

Auch Blau-Weiß Bochum plädiert für „wirkungsvolle Präventivmaßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen“. Aber, so Wichtermann: Man werde noch lange mit dem Virus leben müssen, wichtig seien „vernünftige, umsichtige und differenzierte Strategien“.

Schwimmverein richtet einen Appell an alle Vereine in Bochum

Der Schwimmverein richtet daher einen Appell an die Klubs: „Wir rufen alle Bochumer Vereine auf, aktiv auf die Politik zuzugehen und dafür zu werben, den Sportbetrieb unter Einhaltung wirkungsvoller Sicherheitskonzepte fortzuführen - für die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen und für die Aufrechterhaltung der gesellschaftlich hochrelevanten Funktionen von Vereinen und deren ehrenamtlich engagierten Mitglieder.“

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