Fußball Regionalliga

SG Wattenscheid: Auch die Jugend vor ungewisser Zukunft

Ist der Kampf bald zu Ende? Verein, Mitarbeiter, Spieler, Anhänger - hier beim Spiel gegen Lotte - hoffen, dass es doch noch weitergeht.

Ist der Kampf bald zu Ende? Verein, Mitarbeiter, Spieler, Anhänger - hier beim Spiel gegen Lotte - hoffen, dass es doch noch weitergeht.

Foto: Thorsten Tillmann / FFS

Wattenscheid.  Von einem drohenden Aus der SG Wattenscheid 09 wäre auch die Jugend des Vereins betroffen. Noch hoffen 211 Kinder und Jugendliche auf die Rettung.

Hamit und Halil Altintop haben Anfang dieses Jahrhunderts noch in der A-Jugend gespielt bei der SG Wattenscheid 09. Leroy Sane, der Star von Manchester City und Sohn von Wattenscheids Jahrhundertspieler Souleyman Sane, hat seine ersten Dribblings im Trikot der SG 09 hingelegt, ehe das Top-Talent recht früh zum FC Schalke 04 wechselte. Große Namen. Große Zeiten. Vergangenheit.

Die düstere Realität am Donnerstag, 10. Oktober 2019: 211 aktive Kinder und Jugendliche, ihre Eltern, über 30 Trainer, die übrigens schon lange kein Geld mehr vom Verein gesehen haben, stehen vor einer völlig ungewissen Zukunft. Das Handy klingelt fast im Minutentakt bei Ömer Yanik, dem sportlichen Jugendleiter des Vereins. Eltern wollen wissen, wie es weitergeht. Ob es weitergeht. „Wir sind alle schockiert“, sagt Yanik in einer freien Minute der WAZ. Konkrete Antworten kann er den besorgten Eltern und jungen Fußballern nicht liefern. Zunächst trainieren die Jugendmannschaften von den Minis bis zur A-Jugend ebenso weiter wie die Herren der Regionalliga-Mannschaft, zunächst läuft auch der Spielbetrieb weiter. Wie lange, ist offen.

Insolvenzverwalterin: „Es ist fünf Sekunden vor Zwölf“

Denn der Verein steht kurz vor dem endgültigen Aus. „Es ist fünf Sekunden vor Zwölf“, erklärte die Insolvenzverwalterin Dr. Anja Commandeur in einer Pressemitteilung des Vereins vom Donnerstagmorgen. „Ein 110-jähriger Traditionsverein inklusive mehrerer hundert Jugendspieler droht komplett zu verschwinden. Das ist ein sehr bedauerliches, doch derzeit realistisches Szenario“, so Anja Commandeur klipp und klar. 70.000 bis 100.000 Euro fehlten ab sofort pro Monat, das wären dann bis zum Saisonende mindestens 700.000 Euro. In den kommenden zehn Tagen „benötigen wir Klarheit in Form von Geld“, sagt die Insolvenzverwalterin.

Das Insolvenzverfahren über das Vermögen der SG Wattenscheid war wie berichtet am 1. Oktober eröffnet worden. Bisher brachten Gespräche mit Sponsoren nicht den erwünschten Erfolg. Nach WAZ-Informationen hat sich bei der SG 09 ein dreiköpfiges Team zusammengefunden, das sich um ein zukunftsfähiges Konzept bemühen möchte.

Ein letzter Hilferuf zur Rettung des Vereins

Verein und Insolvenzverwalterin senden nun einen womöglich letzten Hilferuf an mögliche Geldgeber, um ein Insolvenzplanverfahren zu ermöglichen, um den Spielbetrieb fortführen zu können. „Künftige Sponsorengelder“, betont Anja Commandeur, „werden ausschließlich in den laufenden Spielbetrieb fließen und nicht der Befriedigung von Altverbindlichkeiten dienen.“ Diese betragen nach WAZ-Informationen mehr als eine Millionen Euro, zu den Gläubigern zählt auch der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende und einstige Hauptgeldgeber Oguzhan Can.

Gelingt es nicht, genug Geld aufzutreiben in den nächsten Tagen, hat sich das Kapitel Regionalliga-Fußball definitiv erledigt, müssen sich Trainer Farat Toku und seine Mannschaft neue Klubs suchen. Und die Kinder und Jugendlichen? Der Verein will nach WAZ-Informationen mit höchster Priorität verhindern, dass ihre Zeit bei der SG 09 abläuft. Ob und wie das im Fall der Fälle gelingen könnte, ist aber offen.

Auch der Fußballkreis Bochum bangt um die SG 09

Klar ist: Das Aus der SG-09-Jugend wäre auch für den Fußballkreis Bochum ein harter Schlag. „Das wäre für den Jugendfußball in Bochum ein herber Verlust, ein großer Rückschritt“, sagt Rene Schrader, der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses. Der Fußballkreis Bochum würde die SG Wattenscheid so gut unterstützen wie er kann, vor allem beratend.

Nach Vereins- und Verbandsrecht zum Beispiel möglich wäre die Gründung eines neuen Vereins, auch losgelöst von der Seniorenabteilung. Spielklassen und Spielberechtigungen der Jugendabteilung könnten vom alten auf den neuen Verein übertragen werden. Der TSV Marl-Hüls, der jetzt TSV Marl-Hüls 2019 heißt, hat eine Neugründung im Sommer dieses Jahres geschafft, zwischen den Spielzeiten allerdings und ziemlich zügig. Zügig heißt: binnen einiger Wochen. Denn es gilt ja, zahlreiche Vorgaben zu erfüllen, zahlreiche Formalien zu erledigen.

Noch hoffen alle, dass es nicht so weit kommt. Ömer Yakin sagt: „Wir planen, die Saison zu Ende zu spielen. Die Hoffnung haben wir auf keinen Fall aufgegeben.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben