Regionalliga

SG Wattenscheid 09: Knockout in drei Minuten

Spielt mit seiner Mannschaft jetzt gegen den Abstieg: Wattenscheids Trainer Farat Toku.

Spielt mit seiner Mannschaft jetzt gegen den Abstieg: Wattenscheids Trainer Farat Toku.

Foto: Gero Helm

Wattenscheid.   Innerhalb von drei Minuten machte die U23 des BVB in der Wattenscheider Lohrheide aus einem 0:1-Rückstand einen 3:1-Sieg.

SG Wattenscheid 09 -
Borussia Dortmund U 23 1:3 (1:0)

SG Wattenscheid 09: Scharbaum - Korczowski, Lach (71. Abdat), Schneider - Corboz - Obst, Buckmaier, Canbulut, Unzola - Yesilova (58. Diallo), Lobinger
Tore: 1:0 Lobinger (40.), 1:1 Rente (50.), 1:2 Hanke (51.), 1:3 Gomez (53.)

Diese Szene hatte Symbolcharakter. Als seine Mannschaft, nach dem Wiederanpfiff gerade einmal vier Minuten auf dem Platz, den 1:1 Ausgleich kassierte, ging Farat Toku erstmals aus sich heraus. „Was ist los mit euch“, rief er mit einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen seiner Mannschaft zu. Erstaunen deshalb, weil seine Spieler nur für wenige Minuten von ihrer zuvor gezeigten Marschroute abgekommen waren. Und Entsetzen, weil er wohl ahnte, was da auf die SG Wattenscheid 09 noch zukommen sollte.

Und die U23 von Borussia Dortmund hatte wohl einen ähnlichen Riecher. Kaum anders wäre zu erklären, warum die Elf von Jan Siewert nach überwiegend zurückhaltendem Fußball plötzlich brutal und gnadenlos auftreten konnte. Marco Rente (50.), Philipp Hanke (51.) und Sergio Gomez (52.) drehten innerhalb von nur drei Minuten das Spiel.

Und damit waren alle Hoffnungen der Schwarz-Weißen darauf, dass die düstere Woche noch ein Positiverlebnis bereithält, verflogen. Die Mannschaft tritt innerhalb von sieben Tagen zu drei Meisterschaftsspielen an – und die Spieler warten weiterhin auf ihr Gehalt. Noch immer ist keine Bewegung in die Sache gekommen. Und niemand weiß, wie es weitergehen soll. Hinter vorgehaltener Hand soll Aufsichtsratschef Oguzhan Can nach Informationen dieser Zeitung vom Rücktritt sprechen. Einige Spieler wissen das. „Es ist schwierig unter diesen Umständen zu spielen, aber jeder hat gesehen, dass wir 100 Prozent gegeben haben“, sagte Mittelfeldmann Mael Corboz.

Umso beeindruckender war es, dass die Toku-Elf vor dem Seitenwechsel wie befreit aufspielte und in der 41. Minute nach einem Treffer von Lex Lobinger sogar mit 1:0 in Führung ging. Lobinger war für den Gelb-rot-gesperrten Sebastian van Santen in die Startelf gerückt. Außerdem hatte Trainer Toku seine Elf im Vergleich zur Startaufstellung bei der 1:3-Niederlage beim SV Lippstadt auf drei weiteren Positionen verändert. Nicolas Abdat, Steve Tunga und Cellou Diallo blieben zunächst auf der Bank, dafür rückten Frederik Lach, Hervenogi Unzola und Berkant Canbulut ins erste Aufgebot

Einmal mehr war an der Leistung der Defensive, die es unter anderem mit Jungprofi Alexander Isak zu tun bekam, nichts auszusetzen. Einzig BVB-Angreifer Herbert Bockhorn hatte vor der Halbzeit eine Möglichkeit, schoss aber aus der Entfernung nur an den Pfosten. Auf der anderen Seite versuchten sich Jeffrey Obst (24.) und Corboz (30. per Freistoß) jeweils erfolglos mit Distanzschüssen. Der eingewechselte Chang Kim traf in der 81. Minute mit einer Volley-Abnahme nur die Latte.

Nachdem der BVB im Handumdrehen die Partie gedreht hatte, spielte im Grunde nur noch Schwarz-Gelb. Zur Freude der mitgereisten Dortmunder Anhänger, deren Anzahl (zwei) einmal mehr Unmut über die willkürliche Ansetzung der Partie, die gleichzeitig mit dem Pokalspiel der Profis ausgetragen wurde, auslöste.

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