Regionalliga

Farat Toku: „Die Liebe zum Fußball muss immer größer sein“

Farat Toku, Trainer der SG Wattenscheid 09, hält das Team seit Jahren allen Umständen zum Trotz bei Laune.

Farat Toku, Trainer der SG Wattenscheid 09, hält das Team seit Jahren allen Umständen zum Trotz bei Laune.

Foto: Gero Helm

Wattenscheid.   In einer finanziell erneut schwierigen Situation empfängt Fußball-Regionalligist SG Wattenscheid 09 an diesem Mittwoch Borussia Dortmunds U23.

Die abendliche Ertüchtigung zum Wochenbeginn war aus zweierlei Sicht außergewöhnlich. Zum einen, weil der Fußball-Regionalligist üblicherweise montags nicht trainiert. Diese Ausnahme war dem Spiel der SG Wattenscheid 09 am Mittwoch gegen Borussia Dortmund II (19.30 Uhr) geschuldet. Zum anderen, weil das alles beherrschende Thema natürlich die ausbleibenden Gehaltszahlungen waren. Der Ärger und die damit verbundene Angst vor dem, was noch kommen könnte, machen einen geregelten Tagesablauf derzeit nur schwer möglich.

Noch immer ist kein Geld bei den Spielern angekommen. Mitunter ist von einer Wartezeit von bereits mehr als zwei Monaten die Rede. Für die Mannschaft ist das ein hemmender Zustand, bei der 1:3-Niederlage spielte dieser Missstand in den Köpfen der Spieler eine große Rolle. Doch Farat Toku mag das nicht kommentieren. Der Trainer kennt das leidige Thema, er ist zum wiederholten Mal in diese Situation geraten. „Ich kommentiere es trotzdem nicht, da ich mich ausschließlich zum Sportlichen äußere“, erklärt der 38-jährige 09-Trainer.

Gedanken an die Liebe zum Sport

Mit Blick auf das Heimspiel gegen die Zweitvertretung des Bundesliga-Tabellenführers sowie die besondere Anstrengung, die nötig ist, um den Fokus auf das Sportliche zu richten, sagt er: „Die Liebe zum Fußball muss immer größer sein.“ Das bedeutet: Die Gedanken an die unbefriedigende Situation sollen 90 Minuten ebenso ruhen wie das freundschaftliche Verhältnis zum ehemaligen Mitspieler Joseph Boyamba, der seit Sommer für den BVB II stürmt. Der Deutsch-Kongolese hat in 13 Regionalliga-Partien bereits sechs Tore erzielt. Eine Quote, von der Wattenscheids Stürmer nur träumen können.

Drei Partien in sieben Tagen

Immer mehr trübt die Abschlussschwäche das seit zwei Monaten schlechte Stimmungsbild rund ums Team. „Das ist das Einzige, was ich den Jungs in den vergangenen Wochen vorwerfen kann“, sagt Farat Toku. An seinen ehemaligen Schützling Joseph Boyamba, den er aus einem Leistungstief holte und ihn zu einem überragenden Angreifer machte, richtet er ein paar scherzhafte Worte: „Er soll an dem Abend alles vergessen, was wir ihm mit auf den Weg gegeben haben.“

Für seine Spieler gilt natürlich das Gegenteil. Zumindest für 90 Minuten soll alle Konzentration dem Toreschießen gelten. „Ich kann mir ja keinen Goalgetter basteln“, erklärt Farat Toku und nimmt damit die Angreifer in die Pflicht.

Die Zukunft ist offen

Und danach? Aufsichtsrats-Chef Oguzhan Can will die ausstehenden Gehälter schnell überwiesen wissen. In einer Woche, in der die Toku-Elf innerhalb von sieben Tagen drei Partien absolviert, hängen Befindlichkeit und Ergebnis also auch von der Zahlungsbereitschaft des Vereins ab. Es stellt sich – aus Sicht derjenigen, die es mit der SG Wattenscheid 09 halten – die Frage: Ja, was wäre, wenn die Liebe zum Fußball nicht wär´?

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