Fußball

Ex-Nationalspieler Wosz kickt jetzt in der Kreisliga B

Thilo Wintermeyer (links) holte Dariusz Wosz von Union Bergen zum Nachbarn Teutonia Riemke.

Thilo Wintermeyer (links) holte Dariusz Wosz von Union Bergen zum Nachbarn Teutonia Riemke.

Foto: SV Teutonia Riemke

Bochum.  Ex-Profialarm in Bochum: Marcel Maltritz kickt für Teutonia Ehrenfeld in der Kreisliga A, Dariusz Wosz noch eine Etage tiefer für Teutonia Riemke.

324 Bundesliga-Einsätze für den VfL Bochum und Hertha BSC, mit denen er in der Champions League und im UEFA-Cup am Ball war, sowie 24 Länderspiele für Deutschland (DDR und BRD): In seiner Karriere als Profi hat er fast alles erlebt, bittere Abstiege, sportliche Sensationen und verlockende Angebote, die er oft aber ausschlug. Nun spielt er in der Kreisliga B.

Dariusz Wosz, 1969 im polnischen Piekary Slaskie in der Nähe von Kattowitz geboren und in Halle an der Saale aufgewachsen, ist vor allem in Bochum eine Fußball-Legende. Beim VfL war er Kapitän und erzielte bei seinem letzten Bundesligaspiel mit fast 38 Jahren sogar noch ein Tor beim 2:0-Sieg der Bochumer in Mönchengladbach.

Das ist über 13 Jahre her, doch am Ball hat der mittlerweile 51-Jährige nichts verlernt. Das zeigt der mittlerweile 51-Jährige, der in seiner Zeit als A-Jugendcoach beim VfL Bochum unter anderem die Nationalspieler Leon Goretzka, Ilkay Gündogan und Lukas Klostermann trainiert hat, inzwischen in der Kreisliga B. Wir haben uns mit Dariusz Wosz über sein Engagement bei seinem neuen Klub Teutonia Riemke unterhalten.

Herr Wosz, können Sie denn gar nicht mit dem Fußball aufhören?

Dariusz Wosz: (lacht) Doch, doch, aber so lange es mir noch so viel Spaß macht wie jetzt, spiele ich noch ein bisschen weiter.

Sie waren bisher für Union Bergen am Ball. Warum der Wechsel nach Riemke?

Wegen der Corona-Zeit gab es einige Änderungen bei Union Bergen, man wusste im Verein nicht so genau, wie es weitergehen würde. Dann hat mich mein Kumpel Thilo Wintermeyer gefragt, ob wir nicht zum Nachbarn Teutonia Riemke gehen sollten. Die spielen auf derselben Platzanlage, von daher war der Weg nicht so weit, und sind im Sommer aufgestiegen.

Was sagen die Mit- und vor allem Gegenspieler, wenn solch eine Legende plötzlich in der Kreisliga B kickt?

Das ist ja nichts neues mehr, ich habe ja fast zwölf Jahre lang für Union Bergen gespielt. Von daher kennt man mich im Bochumer Amateurfußball.

„Ich scheine ganz gute Gene zu haben, tue aber auch noch einiges dafür, um meinen Körper in Form zu halten.“

Sind Sie denn noch fit?

Zum Glück ja! Ich scheine ganz gute Gene zu haben. Wim Vogel, der Berater von unter anderem Lothar Matthäus und Mario Basler, sagt immer, wenn er mich sieht: ‘Woszi, du wirst einfach nicht älter!’ Ich profitiere aber auch davon, dass ich zu meiner Profizeit nicht viel verletzt war. Außerdem tue ich auch noch einiges dafür, um meinen Körper in Form zu halten, eigentlich stehe ich nach wie vor jeden Tag auf dem Fußballplatz, so wie früher.

Was machen Sie da genau?

Ich habe seit mittlerweile über zehn Jahren eine eigene Fußballschule und leite zudem auch die Fußballschule des VfL Bochum. Außerdem spiele ich regelmäßig in der Traditionsmannschaft des VfL und eben bisher bei Union Bergen sowie jetzt bei Teutonia Riemke.

Sind Sie auch bei jedem Training dabei?

Nein, das klappt zeitlich nicht, aber ich habe zusammen mit unserem Trainerteam Peter Schwalm und Jörg Schmidt ein paar Einheiten geleitet. Da ging es darum, mal neue Spielformen einzustudieren und andere Übungen einzustreuen. Ansonsten versuche ich möglichst bei jedem Spiel dabei zu sein. Leider läuft es von den Ergebnissen bisher nicht gut, denn wir haben die ersten fünf Spiele verloren. Da wird es Zeit, dass wir uns mal ein Erfolgserlebnis holen.

Werden Sie auf dem Platz eigentlich noch ‘Zaubermaus’ gerufen?

Das kommt nur noch ganz selten vor, aber eigentlich möchte ich das auch nicht. Ich bin inzwischen 51 Jahre alt, da finde ich das nicht mehr so angebracht.

’Zaubermaus’, das war Ihre große Zeit beim VfL: Welche Bochumer Trainer haben Sie als Spieler und später selbst als Coach am meisten geprägt?

Da muss ich an erster Stelle Klaus Toppmöller und Peter Neururer nennen – und zwar beide nicht nur wegen ihrer fachlichen Kompetenz, sondern vor allem, weil sie mir menschlich sehr viel mitgegeben haben. Das ist für einen Spieler das Wichtigste, wenn dir der Trainer den Rücken stärkt und dir sein Vertrauen ausspricht. Davon habe ich viel für mein Leben gelernt, und das will ich selber auch auf dem Platz weitergeben.

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