Frauenfußball

Frauenfußball steckt in einer ernsten Krise

Frauenfußball stößt längst nicht mehr überall auf soviel Interesse wie bei der Partie zwischen dem SuS Reiste und der SG Album Heinsberg. Es gibt immer weniger Mannschaften und Förderer des Damenfußballs.

Frauenfußball stößt längst nicht mehr überall auf soviel Interesse wie bei der Partie zwischen dem SuS Reiste und der SG Album Heinsberg. Es gibt immer weniger Mannschaften und Förderer des Damenfußballs.

Foto: Meinolf Wagner.

Staffelleiter Stefan Vollmer nimmt Vereine in die Pflicht und nennt Gründe für die fortschreitende Problematik.

Sauerland. „Der Frauenfußball im Hochsauerlandkreis befindet sich derzeit in einer echten Krise“, bringt Stefan Vollmer, Kreisliga-Staffelleiter der Frauen, das Problem auf den Punkt. Tiefpunkt der Entwicklung: Im heimischen Fußballkreis treten demnächst nur elf Frauenmannschaften in der A-Kreisliga an, zwei davon stammen aus dem Kreis Olpe.

Für Vollmer liegt die Verantwortung bei den Vereinen. „Es wird sich einfach zu wenig darum gekümmert und die meisten Mannschaften sind sehr auf den Herrenfußball fokussiert“, sagt der Schmallenberger. Er bekommt immer wieder mit, wie Frauenfußball belächelt wird - und nur weil es körperloser als bei den Herren zugehe, sei das Niveau in der heimischen Kreisliga dennoch gut, sagt Vollmer.

Hochphase nach „Sommermärchen“

Seit ungefähr acht Jahren beobachtet der Staffelleiter einen Rückgang von fußballbegeisterten Mädchen und Frauen. Die Hochphase habe es kurz nach der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land gegeben. „Der Aufschwung hielt aber nicht lange an. Schon ein paar Jahre später schien die Heim-WM der Frauen auf wenig Interesse zu stoßen“, sagt Vollmer. Die „beste Zeit des Frauenfußballs“ hatte auch zur Folge, dass selbst kleinere Ortschaften wie Arpe und Berge Frauenmannschaften ins Rennen schickten - die Zeiten sind jedoch längst vorbei.

Nach Ansicht von Stefan Vollmer könnten die Vereine am meisten an der Situation ändern. „Aber dafür müsste das Interesse und Engagement bezüglich des Frauenfußballs gesteigert werden“, sagt er. Eine grundsätzliche Entwicklung käme dabei aber noch hinzu: Nicht nur bei den Frauen, auch bei den Herren gibt es einen Rückgang von aktiven Spielern. Das führt dazu, dass sich immer mehr Teams zu Spielgemeinschaften zusammenschließen.

Die größten Probleme im heimischen Frauenfußball gibt es bei den B-Juniorinnen. „Da brennt das Licht ganz rot. Nur fünf Mannschaften werden in der kommenden Saison an den Start gehen“, ist Vollmer ernüchtert. Die Problematik ist kein „Phänomen“, das ausschließlich den Hochsauerlandkreis trifft. In manchen Kreisen, so Vollmer, gäbe es noch weniger Mannschaften. „Das Problem zieht sich durch die gesamte Region“, sagt er. Die Leidtragenden sind dabei die Frauenmannschaften, die gerne häufiger spielen würden und wegen der wenigen Vereine teils enorme Strecken für ein einfaches Kreisliga-Spiel zurücklegen müssen

Vollmer betont aber, dass nicht nur die Vereine etwas bewirken können, sondern auch der Fußball- und Leichtathletikverband im Hochsauerlandkreis (FLVW). „Auch wir müssen daran arbeiten, den Sport attraktiver zu machen“, sagt Vollmer. Derzeit läuft die Kampagne „Nicht ohne meine Mädels“, die bisher aber noch nicht eingeschlagen habe. Zudem gab es den Tag des Frauenfußballs in Medebach mit rund 100 Teilnehmern und die Gründung einer Frauen-Kreisauswahl im HSK. „Damit wollen wir den Spielerinnen ein anspruchsvolles Training bieten und sie fördern“, sagt Stefan Vollmer.

Er selbst ist 2006 ganz unverhofft zu einem Fan des Frauenfußballs geworden. „Ich habe mich damals einer Gruppe fußballbegeisterter junger Damen angenommen und war plötzlich Trainer“, erinnert er sich. Mittlerweile ist er Frauen-Staffelleiter und setzt sich für ihre Belange ein. „Die Mädels spielen einen guten Fußball“, stellt Vollmer unmissverständlich klar.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben