Podiumsdiskussion

"Sind 80 Millionen sittlich?": Hoeneß kontert Frage von Bischof Overbeck

Die Klub-Bosse Clemens Tönnies und  Uli Hoeneß während einer Podiumsdiskussion über "Fußball als sozialen Klebstoff"

Die Klub-Bosse Clemens Tönnies und Uli Hoeneß während einer Podiumsdiskussion über "Fußball als sozialen Klebstoff"

Foto: dpa

Bonn.  Uli Hoeneß und Clemens Tönnies diskutieren über "Fußball als sozialen Klebstoff". Bayern-Boss sieht sich als Menschenfreund im Job.

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Bayern-Präsident Uli Hoeneß will sich seit dem Ende seiner Haftstrafe anders in der Öffentlichkeit verhalten. «Ich habe danach noch mehr drauf geachtet, keinen Grund zu geben, kritisiert zu werden. Das ist mir, glaube ich, im Großen und Ganzen ganz gut gelungen», sagte Hoeneß auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Fußball als sozialer Klebstoff" gmeinsam mit Schalke-Boss Clemens Tönnies in Bonn. "Ich habe immer gesagt, ich habe damals einen Riesenfehler gemacht. Aber den habe ich einmal gemacht und nie wieder", sagte Hoeneß.

Hoeneß: "War immer ein Menschenfreund"

Hoeneß war nach einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Wegen guter Führung wurde er 2016 vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. "Ich habe vorher außerhalb dieses Bereichs immer korrekt gearbeitet. Ich habe meinen Job so gemacht, dass ich ein Menschenfreund war. Ich habe nie nach oben gebuckelt und nach unten getreten", sagte der Fußball-Weltmeister von 1974.

Er spüre auch eine immens steigende Beliebtheit, berichtete Hoeneß. "Ich habe sowas nicht für möglich gehalten. Der eine oder andere bei uns ist ganz schön neidisch", sagte er schmunzelnd und verneinte, dass er damit den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, gemeint habe.

"FC Bayern hat fast jedem Verein aus der Insolvenz geholfen"

"In Bremen laufe ich mitten durch die Kurve und ich musste so viele Selfies wie nie machen", sagte Hoeneß und führt das darauf zurück, "dass wir ein Verein sind, der sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist. Bis auf Schalke haben wir fast jedem Verein irgendwann aus der Insolvenz geholfen. Das hat sich im Bewusstsein der Leute niedergeschlagen."

Hoeneß rechtfertigt Ablösesummern

Bei der Diskussion, bei der unter anderem auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck mit auf der Podium saß, verteidigte Hoeneß aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen im Profi-Fußball und konterte eine Frage des Bischofs. Dieser hatte gefragt: "Bei 80 Millionen könnte ich als Christ und Bischof fragen: Ist das sittlich noch erlaubt", fragte der Essener Franz-Josef Overbeck auf einer Podiumsdiskussion in Bonn. Hoeneß entgegnete: "Sie können nur hoffen, dass er in der katholischen Kirche ist. Bei etwa zehn Millionen Verdienst zahlt er 400 000 Euro Kirchensteuer. Ich habe noch nie jemanden von der Kirche gehört, der dagegen gewettert hat."

Die Münchner haben für die kommende Saison den französischen Weltmeister Lucas Hernandez für 80 Millionen Euro verpflichtet. Hoeneß wandte freilich ein, dass solche Ablösesummen bei ihm auch ein mulmiges Gefühl auslösen. "Ich möchte eigentlich keine Spieler für 80 oder 100 Millionen kaufen, aber wenn du im Konzert der Großen bestehen willst, musst du hin und wieder auch mal Dinge machen, die mir persönlich nicht gefallen", sagte er.

Tönnies kritisiert Schalke-Fans

Schalke-Boss Clemens Tönnies wiederum hatte auf der Podiumsdiskussion einiger Schalke-Fans kritisiert, die nach einem verlorenen Spiel Kapitän Benjamin Stambouli die Kapitänsbinde abgenommen hatten. Ich ärgere mich, dass Fans auf den Rasen gehen und einem verdienten Spieler die Kapitänsbinde abnehmen. Damit überschreiten wir jede Linie, die es gibt,“ sagte Tönnies. (dpa)

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