Handball-WM

Eine Werbung für den Frauen-Handball bei der Heim-WM

So sehen Sieger aus: Auf der Ersatzbank jubeln die deutschen Spielerinnen.

Foto: imago

So sehen Sieger aus: Auf der Ersatzbank jubeln die deutschen Spielerinnen. Foto: imago

Die Sporthallen sind voll und die TV-Quoten gut bei der WM im eigenen Land. Für die deutsche Mannschaft die schönste Belohnung für ihre Top-Leistung

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"Meine Eltern wussten nicht mal, dass ich WM-Gold gewonnen habe“, erinnert sich Sybille Gruner im Gespräch mit dieser Zeitung. Dabei war es der größte Triumph ihrer sportlichen Laufbahn. Es war der 5. Dezember 1993, als die deutschen Handball-Frauen im WM-Finale von Oslo Heldinnen wurden – gesamtdeutsche Heldinnen. Die von Bundestrainer Lothar Doering zusammengestellte Mischung aus Ost und West hatte sensationell die favorisierten Däninnen in der Verlängerung 22:21 besiegt.

Keine Fans am Bahnhof, keine Feier auf dem Rathausbalkon erwartete das Team. „Drei Tage nach dem Finale hatten wir das nächste Bundesligaspiel“, sagt Gruner.

Inzwischen sieht die Öffentlichkeit genauer hin. 24 Jahre nach dem WM-Triumph spielen sich die Handballerinnen in die Herzen der Sportfans. Die Handball-WM der Frauen in Deutschland ist ein Hingucker: Der übertragende Sender Sport1 vermeldet von Spiel zu Spiel – am frühen Mittwochabend wurde China locker 24:9 (10:3) besiegt – steigende Einschaltquoten.

Erinnerung an WM-Bronze 1997

„Das Interesse hat gezeigt, dass es möglich ist, in den weiteren Spielen mit deutscher Beteiligung spätestens in der K.-o.-Runde in der Spitze die Millionengrenze zu knacken“, sagt Sport1-Chefredakteur Dirc Seemann. Gegen Serbien (22:22) wurde die Marke nur um 50 000 verfehlt. „Dass die bisherigen Spiele so gut angenommen werden, hat viel mit dem Team an sich zu tun“, so Seemann. „Die Leidenschaft, etwas Großes erreichen zu wollen, ist absolut spürbar.“

Das sieht auch Kathrin Blacha. „Ich freue mich für die Mädels“, sagt die Kreisläuferin, die vor 20 Jahren bei der letzen WM in Deutschland Bronze gewann. „Ich hatte damals das Glück, dass unsere Gruppenspiele in Sindelfingen stattfanden – in meiner Heimat. Das war ein besonderes Erlebnis.“ Außerhalb der Hallen habe sich das Interesse aber in Grenzen gehalten. Die Nachwirkungen waren nicht von Dauer. „Für eine Weile kamen mehr Zuschauer zu den Bundesligaspielen, aber das war dann auch schnell wieder vorbei.“

Die neue Begeisterung hat tatsächlich mit dem Leistungshoch zu tun. „Ich habe schon vor der WM gesagt: Ich traue dem Team das Halbfinale zu“, sagt Blacha. Eine Spielerin will die viermalige Deutsche Meisterin nicht hervorheben. „Natürlich sind wir auf der Torfrau-Position überragend besetzt, aber die leben natürlich von der Deckung. Und da zeigen wir eine gute Aggressivität“, hat sie beobachtet. „Da steht eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend auf dem Feld. So konnte das Team auch das Verletzungspech kompensieren.“

ARD überträgt ab WM-Halbfinale

Sollte Deutschland die Siegesserie fortsetzen, steigt die ARD ab dem Halbfinale in die Übertragung ein. Nicht früher. Dabei hat die Frauen-Bundesliga Werbung nötig. Während die Nationalmannschaft derzeit vor 6000 Zuschauern spielt, verlieren sich bei Bundesligaspielen oft nur Freunde und Bekannte in den Hallen. 944 Zuschauer waren es in der Saison 2016/17 im Schnitt. Blacha sagt: „Ich wünsche mir, dass die Frauen mit dieser WM ein wenig aus dem Schatten der Männer heraustreten.“

Dass es anders sein kann, weiß Grit Jurack: „Ich habe schon Weltmeisterschaften bestritten, da saßen nur Muttis und Papis auf der Tribüne, sonst niemand“, sagt die Rekordnationalspielerin.

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