Eishockey

Goliath gegen Goliath beim Eishockeyfinale

Foto: Getty (2)

München.  Im DEL-Finale treffen ab heute die besten Eishockey-Teams aufeinander. München ist Titelverteidiger, Legende Didi Hegen glaubt aber an Mannheim

Nach achteinhalb Stunden lag für Mads Christensen das Erlebte so klar vor Augen wie spiegelglattes Eis. „Ich bin einfach zum Tor gegangen, und dann passieren manchmal gute Sachen“, sagte der Stürmer des EHC München. Einfach los auf Augsburgs Torwart Olivier Roy, den Puck reinmachen, den Anfang machen zum Einzug ins Finale der Deutschen Eishockey-Liga. Nach dem 2:0-Triumph über die Panther, nach aus sieben Partien kombinierten 504 Minuten und 46 Sekunden in der längsten Halbfinalserie der DEL-Geschichte, beginnt an diesem Donnerstag (19.30 Uhr/Sport1) die Finalserie gegen Adler Mannheim. Dort sollen für Christensen und die Münchener wieder gute Sachen passieren: der vierte Meistertitel in Folge.

Mannheim kommt ohne Probleme ins Finale

Dass der Weg dahin nicht so einfach wird wie das 1:0 von Christensen, daran hat EHC-Erfolgstrainer Don Jackson vor seinem vierten Finale mit München berechtigte Zweifel. „Das wird eine riesige Herausforderung. Ich denke, sie warten auf uns.“ Seit einer Woche. Während Titelverteidiger München bis zum Schluss kämpfte, erholte sich der Hauptrundensieger Mannheim nach der klaren 4:0-Serie im Halbfinale über die Kölner Haie zu Hause – und machte sich Gedanken über das Duell der derzeit besten Teams – das Duell Goliath gegen Goliath. „München verfügt über sehr viel Erfahrung und weiß, wie man große Serien und Spiele gewinnt“, sagt Adler-Trainer Pavel Gross. „Aber wir werden unsere Stärken nutzen und sie von Anfang an unter Druck setzen.“

Hegen: Es gibt mindestens fünf Spiele

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Adler Mannheim die Dominanz der Münchener bricht. Zumindest haben die Baden-Württemberger einen äußerst prominenten Fürsprecher: die deutsche Eishockey-Legende Dieter „Didi“ Hegen (56). „Ich glaube, Adler Mannheim holt den Titel. Wenn du so eine Vorrunde spielst und Erster wirst, bist du der Favorit.“ Aber einfach wird es nicht, sagt der siegenmalige deutsche Meister im Gespräch mit dieser Redaktion: „Es geht sicher über fünf oder sechs Spiele. Beide Mannschaften wissen, wie man Titel gewinnt.“

Die Münchener kommen mit dem „Wahnsinn“ der Serie (Torhüter Danny aus den Birken) zum ersten Spiel nach Mannheim. Mit den Selbstbewusstsein, die „Mauer“ der defensiv starken Augsburger Panther mit dem zweiten Treffer durch den Olympia-Zweiten Patrick Hager endgültig niedergerissen zu haben. Die Adler um Nationalmannschaftstorwart Dennis Endras hingegen haben das Selbstvertrauen aus Hauptrunde und Playoffs. Zeit spielt keine Rolle. „Ich sehe überhaupt keine Vor- oder Nachteile. Das Finale ist nur einmal im Jahr. Darauf konzentrierst du dich“, sagt Hegen. „Die Spieler sind eigentlich ganz froh, wenn sie nicht trainieren, sondern spielen.“ Hegen weiß, wovon er spricht: zwischen 1987 und 1996 gewann er sieben Meistertitel, die meisten mit Sturmpartner Gerd Truntschka bei der Düsseldorfer EG. 1990, 91 und 92 wirbelten sie zu drei Titeln in Folge. 1994 feierten die beiden an der Isar die Meisterschaft mit dem EC Hedos München. Seit Kurzem trainiert der Düsseldorfer wieder den Oberligisten EV Duisburg, den er einst in die höchste Spielklasse führte.

Und wann wird die DEG Meister?

Der EHC München schwebt in anderen Sphären. 2010 stieg der Verein in die DEL auf. 2013 übernahm der österreichische Getränkehersteller Red Bull das Zepter. Das Geld des Salzburger Dosen-Imperiums verlieh den Münchenern tatsächlich Flügel. 2014/15 scheiterte der EHC noch im Viertelfinale an den Grizzlys Wolfsburg, ein Jahr später folgte die Revanche im Finale. Und danach der Siegeszug der Münchener. Zuletzt standen sie sogar als erstes deutsches Team im Finale der Champions League.

Langeweile befürchtet Didi Hegen nicht. „Jedes Jahr gibt es vier oder fünf Mannschaften, die Titel holen können.“ Nur sein früherer Verein, die Düsseldorfer EG, nicht. „Die nächsten Jahre wird das sicher nichts.“ Hegen muss sich deshalb das Duell im Fernsehen angucken – in Düsseldorf.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben