Kommentar

Zu viele Fragen sind offen: Bundestrainer Löw braucht Geduld

Er selbst weiß auch, wie’s geht: Joachim Löw als Balljongleur in Dortmund.

Er selbst weiß auch, wie’s geht: Joachim Löw als Balljongleur in Dortmund.

Foto: Foto: Jürgen Fromme / firo Sportphoto

Der Bundestrainer hat nun ein paar personelle Alternativen mehr. Bis zur EM aber ist für Joachim Löw noch ganz viel zu tun. Ein Kommentar

Bei aller Freude über den Auftritt der stark ersatzgeschwächten deutschen Nationalmannschaft in der ersten Stunde des Länderspiels gegen Argentinien: In dieser Besetzung wird sie garantiert nicht noch ein zweites Mal auflaufen. Schon am Sonntag in Estland, wenn es wieder um Punkte für die EM-Qualifikation geht, wird Bundestrainer Joachim Löw nicht nur wie geplant wieder den einen Top-Torhüter gegen den anderen Top-Torhüter austauschen. Er kündigte auch schon, dass Marco Reus und Ilkay Gündogan spielen werden, wenn sie bis dahin fit sind.

Man hat ja gesehen, woran es bei den ehrgeizigen Jungs aus der zweiten Reihe noch hapert: an Widerstandsfähigkeit und Konstanz über 90 Minuten. Als die Argentinier stärker wurden, nahmen die Ballverluste der Deutschen zu.

Kimmich und Gnabry sind bereits gesetzt

Joachim Löw hat inzwischen ein paar Alternativen mehr, er wird aber noch viel Geduld brauchen. Für eine Europameisterschaft ist seine Mannschaft noch lange nicht reif. Das hat auch damit zu tun, dass eine Achse fehlt, die jedes erfolgreiche deutsche Nationalteam hatte. Führungsspieler aber wird man nicht von heute auf morgen, die müssen sich entwickeln, genau deshalb hat sich Löw ja unter lauten Begleitgeräuschen von Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng getrennt.

Joshua Kimmich ist einer, auf den sich der Bundestrainer jetzt schon verlassen kann. Deshalb durfte der Bayern-Spieler auch erstmals die Kapitänsbinde tragen, die er lächelnd als ein wenig zu groß empfand („Da muss ich meinen linken Oberarm wohl ein bisschen aufpumpen“). Auch Serge Gnabry, der in dieser Saison tatsächlich auf Weltklasse-Niveau spielt, ist bereits gesetzt, der übrig gebliebene Weltmeister Toni Kroos sowieso. Als Abwehrchef gilt mittlerweile Niklas Süle, um ihn herum aber ist noch vieles vage.

Auf einer Position gibt es ein Luxusproblem

Überhaupt: Zu viele Fragen sind offen. Wird Leroy Sané nach seinem Kreuzbandriss rechtzeitig wieder in Top-Form kommen? Wird sich der auch schon seit Wochen pausierende Leon Goretzka einen Platz erkämpfen können? Wird Supertalent Kai Havertz weitere Leistungssprünge machen? Wann wird Timo Werner wieder torgefährlich? Welche Chancen hat eigentlich noch der nach dem Confed-Cup 2017 schon als Führungsspieler der Zukunft gefeierte und derzeit verletzte Julian Draxler? Und: Wird die Abwehr so stabil werden, dass sich Löw bei der EM tatsächlich einen Verzicht auf Mats Hummels leisten kann?

Das Torwartduell hingegen ist zwar ein nettes Diskussionsthema, aber allenfalls für Marc-André ter Stegen persönlich ein Problem. Auf dieser einen Position ist die deutsche Nationalmannschaft tatsächlich luxuriös besetzt.

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