Özil-Rücktritt

Attacke auf Mesut Özil: Uli Hoeneß verdreht die Fakten

Attacke: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.) äußerte sich zum Rücktritt von Mesut Özil (l.).

Attacke: Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.) äußerte sich zum Rücktritt von Mesut Özil (l.).

Foto: imago

München/Essen.  Vor der USA-Reise ledert Uli Hoeneß gegen Mesut Özil. Dabei stören den Bayern-Präsidenten die Fakten wenig. Er hatte sich festgebissen.

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Noch am Mittwoch hatte das Magazin „Sport-Bild“ die Abteilung Attacke für abgewickelt erklärt. „Der neue Hoeneß“, stand auf der Titelseite. Fünf Tage später war Uli Hoeneß ganz der alte.

Bayern-Präsident Hoeneß: "Özil hat seit Jahren Dreck gespielt"

Kurz vor Abflug zur USA-Tournee seines FC Bayern schaltete sich der Klubpräsident in die Özil-Debatte ein und lederte zum Rücktritt des deutschen Nationalspielers los, wie man ihn seit seiner Steuer-Affäre nicht mehr erlebt hat. „Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist“, wetterte Hoeneß gegen Mesut Özil, „der hat seit Jahren einen Dreck gespielt.“

Einmal in Fahrt rechnete er vor: „Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen“, so Hoeneß am Flughafen München, „und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto.“

Genüsslich widerlegte ihn die Deutsche Welle noch in derselben Stunde: Mesut Özil habe bei der WM 2018 in Russland zehn von 13 Zweikämpfen gewonnen – und war damit einer der besten Deutschen.

Özil erzielte 0,25 Tore im Schnitt - Hoeneß nur 0,13

Uli Hoeneß störten die Fakten wenig. Er hatte sich an Özil festgebissen. „Niemand hinterfragt, was der bei der WM für einen Mist gespielt hat“, ereiferte er sich. „Seine 35 Millionen Follower-Boys, die es in der wirklichen Welt nicht gibt, kümmern sich dass er überragend gespielt hat, wenn er einen Querpass an den Mann bringt."

Uli Hoeneß, der Online-Kenner. Erst kürzlich hatte er sich in München mit einem ehemaligen Nationalspieler über das World Wide Web unterhalten. „Glaubst du wirklich, dass das Internet bleiben wird?“, fragte er seinen Gesprächspartner allen Ernstes. Im Büro hat er keinen Computer.

„Die Entwicklung in unserem Land ist eine Katastrophe. Man muss es mal wieder auf das reduzieren, was es ist: Sport“, legte Hoeneß am Flughafen nach. „Und sportlich hat Özil seit Jahren nichts in der Nationalmannschaft verloren!“

Einverstanden, bleiben wir beim Sport. Weltmeister und Angreifer waren beide. 23 Tore erzielte Özil in 92 Länderspielen. 0,25 im Schnitt. Hoeneß kam auf fünf Tore in 36 Spielen, 0,13 im Schnitt. Aber was sind für Hoeneß schon Fakten?

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