Kommentar

Warum Italiens WM-Aus für Deutschland eine Warnung sein muss

Gianluigi Buffon (l.) und Federico Bernardeschi waren nach Schlusspfiff enttäuscht.

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Gianluigi Buffon (l.) und Federico Bernardeschi waren nach Schlusspfiff enttäuscht. Foto: dpa

Essen.  Italien zahlt die Quittung für eine misslungene Frischzellenkur und eine schwache Liga. Weltmeister Deutschland muss gewarnt sein. Ein Kommentar.

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Als Italien 2006 Weltmeister in Deutschland wurde, hieß es noch: Das sei ja der beste Fußball, den man spielen könnte. Vier Jahre später folgte das Vorrunden-Aus. Genauso erging es Frankreich bei der WM-Titelverteidigung 2002 und Spanien 2014. Nur die Brasilianer kamen seinerzeit in Deutschland als Titelverteidiger ein bisschen weiter. Das Aus kam im WM-Viertelfinale. So weit kam nur ein einziger von vier Titelverteidigern seit 20 Jahren.

Die Deutschen sind also gewarnt. Da mögen auch WM-Qualifikation und die WM-Generalprobe beim Confed-Cup makellos gewesen sein: Gute Vor- und Anzeichen sind keine Garantie auf Erfüllung der Versprechen. Im Weltfußball gerät einiges durcheinander. In Russland werden wir Panama und Iran sehen. Nicht die Niederlande und Italien. Wer hätte das im Sommer gedacht?

Vor allem die Fußballnation Italien sollte ein warnendes Beispiel sein. Der Generationswechsel misslang, die Liga Serie A ist durchschnittlich, die Nachwuchsförderung belanglos. Es fehlt: eine Frischzellenkur.

Akademie in Frankfurt als Chance

Eine Frischzellenkur für den deutschen Fußball könnte die Akademie des DFB in Frankfurt sein. Schon sind typisch deutsche Bedenken zu hören. Zu groß, zu teuer, zu protzig. Das Übliche halt. Mag ja alles sein. Aber wohin Kleinkariertheit führen kann, erleben die Italiener jetzt.

Die Franzosen haben in Europa zuallererst verstanden, wohin die zentralisierte Talentförderung durch den Verband führt. Nirgendwo sonst steigen die Talente in so großer Zahl in die Weltklasse auf; Talente aus Frankreich sind das Wertvollste, was der Weltfußball aktuell zu bieten hat. In Paris messen sich nur die Besten und werden immer besser.

Und diese Erkenntnis wollen wir ignorieren, obwohl der größte und wohl reichste Fachverband der Welt 60 Millionen Euro mehr bezahlen kann? Mal abgesehen davon, dass die Mehrkosten auf Widerstand und Bauverzögerungen zurückzuführen sind: 60 Millionen – das ist bei dem Transfermarkt heute nicht mal ein halber Dembélé und ein Drittel von Mbappe. An die Sichtweise müssen wir uns in Deutschland gewöhnen.

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