2. Bundesliga

Dem VfL Bochum fehlt es an den Siegertypen

Rätselte über die schwache erste Halbzeit: Kapitän Anthony Losilla, der kämpferisch zumindest erneut vorbildlich voranging.

Rätselte über die schwache erste Halbzeit: Kapitän Anthony Losilla, der kämpferisch zumindest erneut vorbildlich voranging.

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing / firo Sportphoto

Bochum.  Das 1:1 gegen den VfL Osnabrück fühlte sich für den VfL Bochum an wie eine Niederlage. Auch, weil zu viele Spieler neben sich standen.

Lange hockte Manuel Riemann nach dem Schlusspfiff vor seinem linken Torpfosten, nahezu regungslos blickte der Torwart mal nach unten, mal nach vorne. Nach dem obligatorischen Dank der gesamten Mannschaft an die Fans in der Ostkurve zog Riemann schnell in die Kabine, diesmal auch an den Journalisten vorbei, denen er sich auch in der Krise schon so oft gestellt hatte. Etwa zeitgleich diskutierte auf der Tribüne eine Hand voll junger Männer über die Partie gegen Osnabrück, und immer wieder fiel das Wort: „Niederlage“.

Unentschieden fühlt sich wie eine Niederlage an

So fühlte es sich an, dieses Unentschieden, dieses 1:1 gegen den personell geschwächten Aufsteiger, der den Gastgebern in der ersten Halbzeit komplett den Schneid abgekauft hatte. Es war das sechste Remis im siebten Heimspiel, hinzu kommt der Sieg gegen Nürnberg, und Thomas Reis, der Trainer, war zwar überaus unglücklich mit Halbzeit eins, stellte letztlich aber auch fest, dass man im Ruhrstadion „noch ungeschlagen“ sei. Das ist Fakt. Aber diese Aussage erweckte doch den Eindruck, den Rückschritt nach zuvor drei besseren Leistungen in ein helleres Licht rücken zu wollen, als es die Vorstellung und die Gesamtsituation erlaubt.

Rätselraten über die erste Halbzeit

Früh ging der VfL Bochum in Führung, früh parierte Manuel Riemann einen Elfmeter, dazu der erwähnte Aufwärtstrend der letzten Wochen und eine Mannschaft, die nominell nur auf einer Position geschwächt war durch den Ausfall von Linksverteidiger Danilo Soares. Doch von Selbstvertrauen, von einer Einheit keine Spur, es fehlte der Zugriff, die Gier, der letzte Wille. „Das war“, stellte Kapitän Anthony Losilla ernüchtert fest, „viel zu wenig“, und Danny Blum rätselte, wieso man das Spiel nach einem Traumstart derart hat „abreißen lassen“.

Viel Zufall und Stückwerk auch in Halbzeit zwei

Da nutzt es auch nichts, dass in der zweiten Halbzeit zumindest die Zweikampfhärte stimmte und sich der VfL aus Bochum, dessen Ansprüche ja viel höher angesiedelt sind als die des VfL aus Osnabrück, wenigstens auf Augenhöhe wähnen durfte mit den Gästen. Erst nach der Pause hatten sich die Bochumer auf das Positionsspiel der offensiv aus VfL-Sicht glücklicherweise selten durchschlagskräftigen Gäste besser eingestellt. Mit ambitioniertem Fußball hatte aber auch Durchgang zwei nichts zu tun, es war viel Zufall und Stückwerk im Spiel. Lange hohe Bälle prägten die Partie, Befreiungsschläge. Einzelaktionen von Danny Blum und Silvere Ganvoula, oft eingeleitet durch Fehler der Gäste, führten zu den Chancen. Eine klare Linie war nicht zu erkennen.

Zu viele Ausfälle unter den ersten Elf

Danny Blum, Bochums bester Feldspieler, stemmte sich gegen die Niederlage, auch Anthony Losilla ackerte und rackerte, doch zu viele Bochumer standen neben sich an diesem Abend. Robert Tesche zum Beispiel. Oder Simon Zoller. Oder Saulo Decarli, der Innenverteidiger, der als Abwehrchef geholt wurde, aber mit vielen (Stellungs-)Fehlern zur allgemeinen Verunsicherung beitrug.

Talent Armel Bella-Kotchap, der statt des kurzfristig erkrankten Simon Lorenz an Decarlis Seite verteidigte, beschränkte sich diesmal zwar auf klare Kante, letztlich aber geriet die Viererkette mit dem bemühten, aber taktisch eben noch lange nicht ausgereiften Jordi Osei-Tutu rechts und dem gelernten Rechtsverteidiger Stefano Celozzi links allzu oft in Verlegenheit. „Osnabrück hat uns vor Probleme gestellt“, konstatierte Celozzi, der eingesprungen war für den offenbar unverzichtbaren Soares. Die Innenverteidigung bleibt ein großes Manko. Die Außenverteidigung auch, wenn Soares nicht mitmachen kann.

Es fehlt an Siegertypen

Danny Blum, der Torschütze, sprach bei seinem Interview-Marathon hinterher davon, dass er „ein Siegertyp“ sei. Einer der wisse, worum es ginge, der auf die Tube drückt, wenn es eng wird und ungemütlich, so Blum sinngemäß. Während Bochums Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz nur davon sprach, mit dem einen Punkt leben zu müssen, sagte Blum klipp und klar: „Wir haben noch vier Spiele bis zur Pause, das sind vier Endspiele. Es geht um Existenzen, es geht um den Verein, um alles. Da muss man immer alles versuchen, um Spiele zu gewinnen. In so einer Phase zeigt es sich, wer Typen sind, die das wieder ändern wollen.“

Gegen Aue kehren Soares und vielleicht Gamboa zurück

Gegen den derzeit durch die Liga rockenden FC Erzgebirge Aue am Samstag hat der VfL Bochum, der im Falle eines Punktgewinnes von Hannover 96 am Montag gegen Darmstadt wieder auf Relegationsrang 16 abrutscht, die nächste Chance, über Kampf und Einsatz zu einer Linie zu finden. Und zu punkten. Dreifach.

Dann mit Sicherheit wieder mit Soares auf links und womöglich mit Cristian Gamboa auf rechts in der Viererkette. Mit zwei Typen, die das Zeug dazu haben, auch andere mitzureißen. Denn auch an diesen Spielern mangelt es dem VfL Bochum nach wie vor.

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