Interview

Bastians über Schlammschlacht beim VfL Bochum: "Ich bin kein Problemmacher"

Will den VfL Bochum verlassen: Felix Bastians.

Foto: Udo Kreikenbohm / FUNKE Foto Services

Will den VfL Bochum verlassen: Felix Bastians. Foto: Udo Kreikenbohm / FUNKE Foto Services

Bochum.  Der ehemalige Bochumer Kapitän Felix Bastians nennt das Verhältnis zu Vorstand Christian Hochstätter im Exklusiv-Interview „zerrüttet“.

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Felix Bastians möchte den VfL Bochum verlassen. Dem Abwehrspieler liegt ein lukratives Angebot eines chinesischen Klubs vor. Sportvorstand Christian Hochstätter will den 29-jährigen Ex-Kapitän aber nicht ziehen lassen. Es ist ein neues Kapitel in der seit Oktober schwelenden Schlammschlacht.

Bastians wurde damals von Hochstätter suspendiert. Über den Ausbruch einer Lebensmittelallergie hatte er vor dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg gegenüber einem Betreuer gewettert: „Brot kann schimmeln, ihr könnt nichts.“ Bastians will nun einen Schlusstrich ziehen. Wir sprachen mit ihm.

Herr Bastians, warum wollen Sie Bochum verlassen?

Felix Bastians: Ich bin in Bochum geboren, das ist meine Stadt. Sie können mir glauben, dass es mir nicht leichtfällt, den VfL zu verlassen. Aber angesichts der Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, wäre dies wahrscheinlich das Sinnvollste.

Ist das Verhältnis zu Sportvorstand Christian Hochstätter zerrüttet?

Bastians: Das könnte man so bezeichnen. Es ist in den letzten Monaten einfach zuviel kaputt gemacht worden. Dann ist es für alle Parteien das beste, wenn man sich friedlich trennt.

Von einer sauberen Trennung kann aber keine Rede sein, eher von einer Schlammschlacht zwischen Ihnen und Hochstätter…

Bastians: Mir geht es nicht darum, einen Kampf gegen Herrn Hochstätter zu gewinnen. Ich halte mich nur an Absprachen, die getroffen wurden. Die von der anderen Seite allerdings nicht eingehalten werden.

Der Bochumer Sportvorstand hat Sie wegen eines Vorfalls suspendiert und Sie im Oktober auf einer Pressekonferenz in aller Öffentlichkeit bloßgestellt. So etwas vergisst man doch nicht, oder?

Bastians: Natürlich nicht. Von einem Vertrauensverhältnis kann daher auch keine Rede mehr sein.

Man hat Ihnen zugesagt, den Klub verlassen zu dürfen. Nun heißt es, man wolle Sie behalten….

Bastians: Ich saß im Auto, schaltete das Radio ein und erfuhr so, dass der VfL mich nicht gehen lassen will. Das hat mich sehr überrascht.

Warum?

Bastians: Es hieß immer: Wer den Weg Hochstätters nicht mitgehen will, darf den Klub verlassen. In meinem Fall gab es sogar eine Aufsichtsratssitzung, in der beschlossen wurde, dass der Klub sich von mir bei einem marktgerechten Angebot trennen will. Wenige Tage später heißt es plötzlich: Nichts da, Bastians muss bleiben, weil er sportlich so wichtig ist für die Mannschaft. Das klingt für mich absurd.

Ist es Wortbruch, den Bochum begeht?

Bastians: Der Sinneswandel ist zumindest irritierend.

Vielleicht will der VfL nur ein wenig pokern, um die Ablösesumme in die Höhe zu treiben. Das könnte doch auch ein vernünftiger und nachvollziehbarer Grund sein.

Bastians: Ich bin kein Weltklassespieler. Ich bin ein Abwehrspieler aus der zweiten Bundesliga, der bereits 29 Jahre alt ist. Da kann man – denke ich – den Marktpreis gut einschätzen. Das Angebot, das Bochum vorliegt, ist wirklich sehr gut. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Klub für mich noch einmal so eine hohe Summe erhalten wird.

Christian Hochstätter würde demnach mit seiner Absage dem Klub finanziellen Schaden zufügen…

Bastians: Das Angebot aus China wird es zumindest nicht mehr lange geben. Irgendwann werden sie Abstand davon nehmen. Dann ginge der VfL leer aus.

Sie könnten doch weiterspielen. Es wäre schließlich nicht der erste Transfer, der nicht klappen würde.

Bastians: Klar, das halte ich aber angesichts der Ereignisse aus der Vergangenheit für schwierig.

Treten Sie in einen Streik, wenn der Wechsel nicht zustande kommt?

Bastians: Nein. Das wäre für mich moralisch nicht zu vertreten. Das entspricht nicht meinem Charakter.

Würden Sie noch einmal vor Gericht ziehen, um ihren Weggang juristisch durchzusetzen?

Bastians: Quatsch. Ich bin kein Problemmacher, wie ich zuletzt oft dargestellt wurde. Ich fühle mich lediglich ungerecht behandelt, und dies äußere ich jetzt auch öffentlich.

Belastet Sie dieser Zustand?

Bastians: Ja, nicht nur für mich ist die Situation schwer zu ertragen, sondern auch für meine Famiie. Wir wollen in Bochum leben bleiben, haben gerade ein Haus gebaut und sehen auch unsere private Zukunft in dieser Stadt. Deshalb können wir nur hoffen, dass diese Sache irgendwie doch noch im Sinne aller Parteien gelöst wird.

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