Fußball ist unser Leben

So erlebte "Dios-Mios-Fußballgott" die Stimmung auf Schalke

Seine Paraderolle auf Schalke: Oscar Ortega Sánchez (rechts), hier bei den Dreharbeiten im Parkstadion mit Uwe Ochsenknecht.

Seine Paraderolle auf Schalke: Oscar Ortega Sánchez (rechts), hier bei den Dreharbeiten im Parkstadion mit Uwe Ochsenknecht.

Foto: firo

Gelsenkirchen.   Der Schauspieler Oscar Ortega Sánchez war "Dios-Mios-Fußballgott". Er erinnert sich noch: "Tor für Schalke – und die Nordkurve ist ausgerastet"

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Oscar Ortega Sánchez (54) hat nie auf Schalke gespielt, zumindest nicht im richtigen Leben, und dennoch ist er für viele Fans heute noch eine große Nummer: Der Schauspieler spanischer Abstammung war 1999 in Tomy Wigands Film „Fußball ist unser Leben“ der Hauptdarsteller – er verkörperte Schalkes argentinischen Stürmer Pablo Antonio Di Ospeo. Gedreht wurde die Komödie noch im alten Parkstadion, und nach dem Filmstart riefen die Schalker Fans bei manchen Spielen seinen Namen: „Dios-Mios-Fußballgott!“ Ein Gespräch mit Oscar Ortega Sánchez über seine Zeiten auf Schalke.

Wissen Sie noch, gegen welche Mannschaft Sie im Film den Siegtreffer geschossen haben?

Oscar Ortega Sánchez: Ich weiß es nicht mehr genau, glaube aber, dass es gegen Eintracht Frankfurt war. Wir hatten auf jeden Fall einen Drehtag im Parkstadion, als die Eintracht zu Gast war.

Welcher Vollidiot lässt sich da feiern?

Volltreffer. Welche Erinnerungen haben Sie sonst noch an den Tag im alten Parkstadion?

Ortega Sánchez: Es kam zu einer kuriosen Szene. Das Budget für den Film war sehr knapp, deshalb mussten wir bei den Dreharbeiten viel improvisieren. Unser Regisseur konnte ja keine 40 000 Komparsen einstellen. Als Schalke nach einer Viertelstunde einen Freistoß aus 25 Metern zugesprochen bekam, habe ich mir zwei Statisten geschnappt, ihnen gesagt, dass sie mich schnell auf die Schulter hieven und vor die Nordkurve rennen sollen. Ich hatte es im Gefühl, dass der Ball reingehen würde. So war es dann auch. Tor für Schalke und die Nordkurve ist ausgerastet. Die Fans werden sich wahrscheinlich gefragt haben, welcher Vollidiot sich da unten auf der Tartanbahn feiern lässt. Aber egal, die Szene war im Kasten.

Sie wissen aber schon, dass man Sie auf Schalke gut kennt. Es gibt Fans, die heute noch die 13 und Di Ospeo auf dem Trikot tragen. Vor zwei Jahren gab es sogar eine Choreographie, unter anderem hielten die Fans in der Nordkurve einen Doppelhalter in die Höhe, auf der genau diese Szene vor der Nordkurve zu sehen ist.

Ortega Sánchez: Ja, das habe ich gehört. Und es macht mich unheimlich stolz. Es ist eine große Ehre. Ich habe den Film ewig nicht mehr gesehen, ihn vor zwei Jahren aber dann nochmal eingelegt. Ich habe viel gelacht. Viel mehr als bei der Premiere des Films. Letztens hat mich sogar ein ehemaliger Schalker bei einer Restauranteröffnung in Hamburg angesprochen. Er sagte, dass es überhaupt nicht seine Art ist, Prominente anzusprechen. Bei Dios Mios Fußballgott müsse er aber eine Ausnahme machen.

Holger Gehrke hat mich angesprochen

Wer war es?

Ortega Sánchez: Es war Holger Gehrke. Er hat sofort einige Szenen aus dem Film zum besten gegeben. Auch die, als Hans Pollak zu seiner neugeborenen Tochter sagt: ‘Sag mal Schalke’. Ich muss sagen, dass auch ich mich vor allem an diese Szene erinnere. Holger Gehrke sagt, dass der Fußball auf Schalke wirklich so gelebt wird. Das finde ich imponierend.

Das Siegtor haben Sie geschossen, besser gesagt: geköpft. Mussten Sie eigentlich Trainingseinheiten vor dem Dreh einlegen?

Ortega Sánchez: In meiner Kindheit habe ich wie jeder andere Junge Fußball gespielt. Morgens auf dem Pausenhof, nachmittags dann auf dem Bolzplatz. Heute ist das ja nicht mehr so üblich. Ich habe nachher auch im Verein gespielt. Allerdings habe ich schnell die Lust verloren, weil unser Trainer uns ständig im Entengang um den Platz hat laufen lassen. Das fand er wohl wichtig. Ich allerdings weniger und deshalb war meine Fußballkarriere auch schnell wieder beendet. Ein Freund meines Vaters war ein guter Ringer, deshalb habe ich das mal ausprobiert und es immerhin bis in die 2. Bundesliga geschafft. Hätte mein alter Trainer vom SSV Vogelstang uns mal Fußball spielen lassen, wäre ich sicher im Verein geblieben.

Schalke-Fan zu sein, muss man sich erwerben

Ihr Flugkopfball zum Sieg konnte sich sehen lassen.

Ortega Sánchez: Naja, man hat schon gesehen, dass ich das nicht so drauf habe. An den Drehtag erinnere ich mich noch wie heute. Wir waren auf irgendeinem matschigen Rasenplatz in Gelsenkirchen, um diese Szene zu drehen. Es war nass, es war kalt und ich habe den Ball nicht so getroffen, wie ich ihn treffen sollte. Nicht mit der Stirn, dafür aber mit der Schläfe und dem Hinterkopf. Nach einer Stunde, gefühlten 100 Eckbällen und 20 Kopfbällen war es dann endlich geschafft. Ich hatte am Ende fürchterliche Kopfschmerzen. Was ich immer ganz gut konnte, war das Dribbeln.

Sind Sie eigentlich Schalke-Fan?

Ortega Sánchez: Schalke-Fan zu sein, muss man sich erwerben. Ich mag es nicht, sich einen Schal umzulegen und dann zu behaupten, man sei Fan einer Mannschaft. Man muss was mit seinem Klub erlebt haben, was durchgemacht haben, sich täglich über seinen Klub informieren, um ein Fan zu sein. Aber natürlich habe ich in meinem Leben mehr Spiele von Schalke gesehen als von anderen Klubs. Der Film hat mich schon geprägt. Fan bin auf jeden Fall von guten Fußballspielen. Vielleicht lässt sich das mit Konzerten ganz gut vergleichen. Ich gehe hin, höre mir das an und stelle am Ende fest, dass es ein geiles Konzert war. Und das, obwohl ich die Musik dieser Band vorher nicht unbedingt gehört habe. Nur die Spiele der spanischen Nationalmannschaft schaue ich mir immer an. Die hat mich in den letzten Jahren ja auch sehr verwöhnt. Die Europameisterschaft im Sommer fand ich aber grauenvoll. Nicht nur wegen des frühen Ausscheidens der Spanier. Zuletzt habe ich so ein bisschen die Lust verloren.

Raúl war genial – ohne Allüren

Mit Raúl hat einer der erfolgreichsten spanischen Fußballer überhaupt auf Schalke gespielt.

Ortega Sánchez: Dass so ein sympathischer und erfolgreicher Spieler, der fast alles gewonnen hat, auf Schalke gespielt hat, finde ich genial. Und noch besser finde ich, wie er dort gespielt hat – ohne Allüren und immer im Dienst der Mannschaft. Raúl hat mir nicht nur als Sportler imponiert. Anders als ein Cristiano Ronaldo oder ein Paul Pogba, der für über 100 Millionen Euro nach Manchester United gewechselt ist. Ich stelle mir die Frage, wo das noch hinführen soll. Diese Selbstverliebtheit vieler Spieler geht mir auf die Nerven. Allerdings haben sie sich quasi nur der Gesellschaft angepasst. Klicks im Internet und Follower auf Twitter sind ja das Allerwichtigste, das scheint auch vielen Fußballern mehr zu bedeuten als Tore. Dass ich Raúl nicht live auf Schalke gesehen habe, ärgert mich allerdings auch.

Ich besitze noch eine Schalke-Autogrammkarte

Waren Sie seit dem Filmdreh denn überhaupt mal wieder auf Schalke?

Ortega Sánchez: Leider nein, ich bedauere das sehr. Aber jetzt nach unserem Interview nehme ich mir das fest für das nächste Jahr vor. Dann sehen wir uns wieder auf Schalke. Versprochen.

Aber dann bitte im Trikot von Pablo Antonio Di Ospeo.

Ortega Sánchez: Es tut mir für mich selbst leid, dass ich dieses schöne Trikot nicht mehr besitze. Aber auf ein Raul-Trikot könnten wir uns einigen. Was ich noch besitze, ist eine eigene Schalke-Autogrammkarte. Paolo Antonia Di Ospeo steht drauf, weil die Figur ursprünglich ein Italiener sein sollte. Am Ende war es doch ein Argentinier. Und eine Armbanduhr von Schalke habe ich auch noch. Die hat mir damals Charly Neumann geschenkt. Die halte ich in Ehren.

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