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Wenn ein Derby-Debütant für Schalke auftrumpft

Ein Junge, der sich zu wehren weiß: Kilian Ludewig (links) bei seinem Bundesliga-Debüt gegen den deutlich größeren Union-Stürmer Marius Bülter.

Ein Junge, der sich zu wehren weiß: Kilian Ludewig (links) bei seinem Bundesliga-Debüt gegen den deutlich größeren Union-Stürmer Marius Bülter.

Foto: Frederic Scheidemann / Getty Images

Gelsenkirchen.  Kilian Ludewig spielt mit Schalke sein erstes Derby – solche Duelle kennt er aber aus Hamburg. Da hatte die Geschichte eine überraschende Pointe

Was ein Derby ist, hat Kilian Ludewig schon als Kind gelernt. Schalkes rechter Verteidiger ist in Hamburg aufgewachsen, sein Vater hat ihn zum Fußball geführt und für sich klare Prioritäten in der Hansestadt gesetzt. Kilian Ludewig, heute 20 und für Schalke 04 an diesem Samstag ein Derby-Debütant, erinnert sich daran, wie es als Jugendspieler für ihn in Hamburg war: „Ich habe für St. Pauli gespielt, auch gegen den HSV. Auch da sind die Spiele heiß, es geht immer um alles. Und alles ist möglich.“

Schalkes Ludewig: „Das ist immer ein großes Spiel“

Der Hamburger Junge hat seine Derby-Erfahrungen früh gemacht, aber überall im Land weiß man, dass das Größte aller Derbys nun mal das im Revier ist. Auch Ludewig hat diese Rivalität zwischen Königsblau und Schwarz-Gelb schon wahrgenommen, bevor er für Schalke gespielt hat: „Ja sicher“, lächelt der Blondschopf mit dem noch so jugendlichen Gesichtsausdruck und sagt über dieses Duell zwischen Schalke und Dortmund: „Das sind zwei Riesen-Vereine, die immer auf Top-Niveau gespielt haben. Die Rivalität ist sicher zu vergleichen mit St. Pauli gegen HSV. Das immer ein großes Spiel – ein Derby.“

An diesem Samstag (18.30 Uhr/ Sky) darf er es mit Schalke 04 im früheren Dortmunder Westfalenstadion zum ersten Mal selbst erleben – und spüren.

Es gibt diese Derbys, in denen junge Spieler wie vielleicht auch Kilian Ludewig ganz plötzlich ins Rampenlicht treten. Zum Beispiel ein gewisser Hamit Altintop, der am 2. August 2003 sein allererstes Bundesligaspiel im Derby bestritt und für Schalke beim 2:2 gegen Dortmund beide Tore schoss – Altintop war damals genau wie Ludewig heute gerade mal 20 Jahre jung.

Oder, fünf Jahre später, am 13. September 2008, Ralf Fährmann, der beim Derby ins Tor musste, weil die beiden etablierten Schalker Keeper Manuel Neuer und Mathias Schober verletzt waren. Fährmann erlebte ein denkwürdiges 3:3, bei dem Schalke schon 3:0 geführt hatte. Bei seinem Derby-Debüt war er sogar erst 19 – es war zwei Wochen vor seinem 20. Geburtstag. Fährmann spricht noch heute darüber.

Ob Kilian Ludewig sich eines Tages, wenn er vielleicht mal 200 Bundesligaspiele auf dem Buckel hat, auch noch so an sein erstes Derby im Revier erinnern wird, hängt wohl auch vom Erlebnis an diesem Samstag auf Dortmunder Boden ab. Unvergessen werden sicher die Rahmenbedingungen bleiben – ein Geisterderby mit 300 Augenpaaren auf den Rängen. „Es ist schade, ohne die Fans zu spielen, vor allem bei so einem Spiel“, bedauert der 20-Jährige, der aber reflektiert genug ist, das angemessen einzuordnen: „Schlimm“ nennt er das Corona-Virus und fügt an, dass das jetzt „leider“ nun einmal so sei. Ludewig verspricht: „Wir werden trotzdem Gas geben. Jeder weiß, was ein Derby bedeutet. Schalke gegen Dortmund – da muss man nicht viel sagen.“

Die Fußstapfen von Jonjoe Kenny

Seine Aufgabe wird es sein, die rechte Abwehrseite dicht zu halten – wer auch immer da kommt. Zuletzt bei seinem Bundesliga-Einstand gegen Union Berlin hatte er sich gut geschlagen und gezeigt, dass er vielleicht in die Fußstapfen von Jonjoe Kenny treten kann, der in der vergangenen Saison hinten rechts seinen Stammplatz auf Schalke hatte. Der nur 1,74 Meter große Ludewig ähnelt dem zwei Zentimeter größeren Kenny nicht nur von der Statur her. Womöglich ist auch der Werdegang ein Beispiel, denn ebenso wie Kenny ist auch Ludewig nur für ein Jahr von Schalke ausgeliehen. „Jonjoe ist hier einen guten Weg gegangen, hat viele Spiele gemacht und Leistung gezeigt“, vergleicht Ludewig und sagt: „So will ich der Mannschaft auch helfen, wieder in die Erfolgsspur zu kommen.“

Das Derby wird vielleicht das schwerste Spiel seiner bisherigen Karriere – das aufregendste bestimmt. Obwohl er auch damals als Jugendspieler in Hamburg ganz schön zu kämpfen hatte. Denn, eine nette Pointe: Eigentlich hatte ihn sein Vater als HSV-Fan erzogen – gespielt hat er aber für St. Pauli...

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