Gelsenkirchen.

Warum Tedesco auf die pragmatische Lösung mit di Santo setzt

Franco Di Santo im Zweikampf gegen Dominic Maroh.

Franco Di Santo im Zweikampf gegen Dominic Maroh.

Foto: firo

Gelsenkirchen.   Die Ordnung mit dem Mittelstürmer Franco di Santo auf der Zehn ist nicht das System der Zukunft – aber es bringt Punkte. Die Taktikkiste.

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In der Rückrunde setzt Schalke oft auf ein 3-4-1-2-System. Hinter zwei Stürmern agiert ein Zehner, bei dem es sich meistens um Franco di Santo handelt. Der große Argentinier setzt da aber keine spielerischen Akzente, sondern bringt seine Robustheit, Kopfballstärke Laufarbeit und sein unter Trainer Domenico Tedesco gesteigertes defensivtaktisches Verständnis ein. WAZ-Gastautor Jakob Debelka vom Portal Halbfeldflanke.de analysiert Vor- und Nachteile dieses Systems.

Gerade gegen Bayern München, Hoffenheim und Leverkusen, die ersten Gegner, denen Schalke sich im 3-4-1-2 stellte, nahm di Santo sehr gut die gegnerischen Sechser aus dem Spiel, während die Stürmer die Innenverteidiger anliefen und das Spiel auf die Seiten lenkten. Dort liefen dann die Flügelläufer deutlich aggressiver aus der Defensive als zuvor. Es wurden Ballgewinne oder lange Bälle erzwungen, bei denen Naldo natürlich seine Stärke einbringen konnte. Das Herausrücken der Flügelläufer wurde durch die tiefen Sechser ausbalanciert.

So gestaltete sich das 3-4-1-2 zumindest beim sehr frühen Anlaufen im Angriffspressing, das Schalke in den ersten Spielen in diesem System viel nutzte, erfolgreich. Alternativ ließen die Königsblauen aber manchmal auch die gegnerischen Innenverteidiger frei und Stürmer, Zehner und Sechser postierten sich als enger Fünferblock im Zentrum. Während die Schalker mit diesem System im Angriffspressing enorm viel Zugriff erzeugten, wurden sie im tieferen Pressing eher passiv. Dann kam viel stärker zum Tragen, dass der Raum vor den Flügelläufern nominell unbesetzt war.

Dank der Überzahl im Zentrum war Schalke jedoch auch in solchen Situationen einigermaßen stabil und die drei Spieler vorne im Zentrum waren wiederum bei Kontern brandgefährlich, im 3-5-2 warten nur zwei vorne und im 3-4-3 befindet sich nur einer in zentraler Position. Für die Absicherung des Angriffspressings, aber auch um im tiefen Pressing die Abwehr zu stärken, wurden robuste Sechser benötigt. Zusammen mit dem geringeren Fokus auf Ballzirkulation senkte das die Einsatzchancen von Meyer. Nachdem Tedescos Versuch, Anfang der Rückrunde noch mehr spielerische Elemente einzubauen, scheiterte, kam also mit den drei Topspielen im Februar die Wende zum defensiven Fußball. Ein sinnvoller Schritt, da Ballbesitzfußball einzustudieren und weiterzuentwickeln mehr Training erfordert, als unter der Woche möglich ist.

Das Schalker 3-4-1-2 besetzt also deutlich weniger gleichmäßig den Raum als das 3-4-3 oder das 3-5-2, das macht es im Ballbesitz unterlegen und im Defensivspiel weniger stabil. Allerdings können schwache Mannschaften über die vorderen drei Schalker ausgekontert werden.

Andere können das System knacken

Gegen die selbst eher auf Konter fokussierten Frankfurter und Dortmunder lief Schalke im 3-5-2 auf, gerade Frankfurt hätte mit Physis das 3-4-1-2 über lange Bälle brutal knacken können. Der HSV wiederum konnte gegen das 3-4-1-2 eine sehr gute Ballzirkulation über die Breite aufziehen, besonders da Amine Harit an diesem Tag di Santo defensiv nicht ersetzen konnte. Köln konnte gegen die passive Variante, auch angesichts der schlechten Schalker Chancenverwertung, wieder ins Spiel zurückfinden.

Als pragmatische und defensive Lösung hatte das 3-4-1-2 einen großen Anteil an der bisher ziemlich guten Punkteausbeute in der Rückrunde, doch seine Schwächen legen nahe, es nicht als die Stammformation der Zukunft anzusehen.

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