100 Tage Schalke-Trainer

Trainer Tedesco schwärmt von seiner Arbeit auf Schalke

Domenico Tedesco.

Foto: firo

Domenico Tedesco. Foto: firo

Gelsenkirchen.  100 Tage ist Domenico Tedesco jetzt Schalke-Trainer. „Ich fahre wirklich jeden Tag mit riesiger Freude zur Arbeit", erklärt der 32-Jährige.

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Wenn Schalkes Sportvorstand Christian Heidel nach seinem Arbeitstag, der für gewöhnlich gegen 20 Uhr endet, nach Hause fährt, dann sieht er meistens noch eine Lichtquelle im Trainingszentrum. Domenico Tedesco bleibt gerne etwas länger. Der Trainer analysiert die absolvierten Einheiten, bereitet Pläne vor und studiert kommende Gegner. Das kann schon mal dauern.

„Domenico ist morgens um 8.30 Uhr im Büro, auch wenn kein Training ist, und macht abends oft als Letzter das Licht aus. Er ist sehr fleißig, akribisch und will nichts dem Zufall überlassen“, lobt Heidel. Vor wenigen Monaten hatte Heidel den zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend unbekannten Tedesco vom Zweitligisten Aue nach Schalke geholt. Heute, nach den ersten 100 Tagen, ist er mehr denn je überzeugt von der Wahl.

Schalke fährt als Tabellen-Neunter nach Berlin

„Ich würde alles noch einmal so machen und Tedesco wieder verpflichten“, sagt der Sportvorstand. „Domenico Tedesco hat alle Fähigkeiten, ein sehr erfolgreicher Trainer zu werden. Da bin ich mir zu 100 Prozent sicher. Meine Meinung wird sich nicht ändern, sollten wir mal eine längere Durststrecke zu überwinden haben.“

Vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr) bei Hertha BSC steht Schalke mit Tedesco auf Platz neun. Der neue Trainer hat schon einiges bewegt, aber er weiß: Ergebnisse müssen her.

Schalke war für den Deutsch-Italiener ein Quantensprung. Plötzlich stand er im Rampenlicht. „Ich denke, dass ich ein sehr geerdeter Mensch bin“, sagt der 32-Jährige. Er hat früher Zeitungen ausgetragen, studiert, als Ingenieur gearbeitet und beim VfB Stuttgart Jugend-Teams trainiert. „Ich glaube, dass mir das heute enorm hilft, manche Dinge richtig einzuordnen. Ich weiß, wie unglaublich privilegiert ich bin, als Schalke-Trainer arbeiten zu dürfen. Aber ich halte mich deshalb für nichts Besseres, sondern versuche, alle Menschen mit Respekt zu behandeln.“

Seine Worte setzt er in die Tat um. In Aue lud er mal Wäscherei-Frauen zum Pizza-Essen ein. Auf Schalke hat er den spanischen Star Coke, der mit dem FC Sevilla dreimal die Europa League gewann, ausgiebig erklärt, warum er derzeit bei den Königsblauen nur auf der Bank sitzt. Die Folge: Coke ordnet sich ohne Murren unter. „Kommunikation gehört zu den größten Stärken des Trainers. Jeder Spieler weiß, woran er ist“, sagt Christian Heidel. „Er ist offen, ehrlich, fair, geradeaus. Sicher ist das nicht immer angenehm, aber die Spieler schätzen diese Offenheit sehr.“

In Spielersitzungen schauen alle gebannt nach vorne. „Es gibt Leute, die können einen richtig packen und fesseln. Und es gibt welche, die stellen sich vorne hin und du denkst nach zwei Minuten: Wie lange geht das noch? Die Sitzungen mit Domenico Tedesco sind einfach interessant. Und sie bringen uns weiter“, sagt Torwart Ralf Fährmann. „Er ist kein General, sondern er führt mit uns offene Diskussionen und fragt: Wie hast Du die Situation gesehen? Das Schöne ist, dass wirklich alle miteinander sprechen, um die bestmögliche Lösung zu finden“, erzählt Fährmann, der unter Tedesco Kapitän wurde.

Vor Ralf Fährmann war Benedikt Höwedes Spielführer. Tedesco traute sich gleich zu Beginn an das brisante Thema heran und entzog als Bundesliga-Neuling dem Weltmeister die Binde. Als der Höwedes-Deal mit Juventus Turin immer konkreter wurde, rutschte Tedesco der Satz „Reisende soll man nicht aufhalten“ raus. Inzwischen kann der Trainer die Wirkung seiner Worte genauer einschätzen.

Die Schalke-Fans imponieren ihm

Von Schalkes Wucht ist Tedesco aber nicht überrascht. „Im Großen und Ganzen erlebe ich Schalke so, wie ich es erwartet habe. Als einen Verein, der lebt und der für ganz viele Menschen eine wichtige Rolle spielt. Die Fans sind mit ganz viel Herzblut dabei, sie zeigen ehrlich ihre Emotionen. Wenn es läuft, aber auch, wenn es nicht so läuft. Es sind die Menschen hier, die aus Schalke das machen, was der Verein ist: etwas ganz Besonderes.“

Bis Juni 2019 läuft Tedescos Vertrag. Er hat die Chance, eine innige, stabile Beziehung aufzubauen.

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