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Schalkes Trainerfrage: Auch Schneider rückt von Wagner ab

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider (r.) und Trainer David Wagner.

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider (r.) und Trainer David Wagner.

Foto: Tim Rehbein / RHR-Foto

Gelsenkirchen.  Schalkes Sportchef Jochen Schneider findet Trainer Wagner immer noch gut. Doch ein schneller Trainerwechsel ist nicht mehr ausgeschlossen.

Er war immer der große Rückhalt für Trainer David Wagner: Egal wie hoch Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga in der vergangenen Saison verloren hatte – auch nach 16 Spielen ohne Sieg stellte Sportvorstand Jochen Schneider den Trainer nicht in Frage. Das 17. aber brachte auch ihn zum Nachdenken. Das 0:8 zum Liga-Auftakt beim FC Bayern München hat im ganzen Klub Spuren hinterlassen. Auch bei Schneider.

Dass er Wagner nach wie vor gut findet, betonte er auch am Mittwoch, als er sich in einer Presserunde erstmals nach dem Debakel öffentlich und nicht nur via Pressemitteilung äußerte. Immer noch verweist Schneider gern auf die gute Hinrunde der vergangenen Saison: „Wenn David Wagner so ein schlechter Trainer wäre, ist die Frage, wie er es geschafft hat, damals diese Ergebnisse zu erzielen.“ Aber nach der 0:8-Abreibung rückte der Sportvorstand nun von Wagner ab. Den Auftritt des Teams nannte er „bitter, enttäuschend, desaströs“.

Schalke trifft am Samstag auf Werder Bremen

Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) steht das wichtige Liga-Spiel gegen Werder Bremen an – eine weitere schlechte Leistung hätte wohl einen Trainerwechsel zur Folge. Das lassen inzwischen auch Schneiders Aussagen vermuten, obwohl er kein öffentliches Ultimatum aussprach. Aber er sagte: „Klar ist, dass wir einen anderen Auftritt brauchen. Wir können uns nicht mehr so präsentieren wie in München oder in den letzten Spielen der vergangenen Saison. Dafür haben wir eine zu gute Mannschaft. Das ist so nicht akzeptabel.“ Auch wenn "nicht akzeptabel" zu Schneiders Standard-Spielanalyse-Repertoire bei Niederlagen gehört: So eindeutig hat er Sätze, die vor allem an David Wagner gerichtet sind, noch nicht formuliert.

Und es gibt noch einen zweiten Punkt, der Schneider ins Grübeln gebracht hat. Offenbar ist es doch schwieriger als von ihm erhofft, die lange Negativserie auszublenden – auch wenn von den aktuellen Stammspielern die meisten nichts damit zu tun hatten. In der siebenwöchigen Vorbereitung hatten Schalkes Bosse und die Profis stets von einem Neuanfang gesprochen. „Die Rückrunde der vergangenen Saison“, sagte Schneider nun aber, „ist ein Rucksack, den alle, auch David Wagner, mitschleppen. Das kann ich definitiv nicht beiseite wischen. Und es ist sicherlich die Kernfrage: Gelingt es, den Karren, der nach der Rückrunde im Dreck steckt, dort wieder herauszuholen?“ Sollte Schalke gegen den anderen Krisen-Klub Bremen, der am ersten Spieltag Hertha BSC mit 1:4 unterlag, verlieren, wäre die Antwort auf diese Kernfrage klar. Und bei einer Pleite gegen Bremen würde zum dritten Mal in fünf Jahren ein Start mit fünf Niederlagen in Folge drohen – die kommenden Auswärtsgegner sind RB Leipzig und Borussia Dortmund.

Wagners Vertrag auf Schalke gilt noch bis 2022

Zumindest vorbereitet müssen die Schalker auf eine Trainersuche deshalb sein – zumal Teile des Aufsichtsrats inzwischen unruhig werden und ein Mitglied der sportlichen Leitung seit Monaten an Wagners Stuhl sägt: Kaderplaner Michael Reschke. Aktuell finden nach Informationen dieser Zeitung aber nur Sondierungsgespräche mit möglichen Kandidaten statt. Konkret heißt das: Vereinslose Trainer wie Sandro Schwarz (42, zuletzt Mainz 05) wurden gefragt, ob sie verfügbar seien. Mehr nicht. Auf die Frage, ob es einen Trainer-Plan B geben würde, sagte Schneider weder Ja noch Nein: „Ich möchte diese Frage nicht beantworten.“ In der vergangenen Saison wäre nach jedem der 16 Spiele ohne Sieg die schnelle Antwort ein bestimmtes "Nein" gewesen.

Ein Problem bei der Suche: Der Trainermarkt ist gerade leergefegt. Und viel Geld investieren könnte Schalke nicht. International renommierte Kandidaten wie Ralf Rangnick (62) wären kaum bezahlbar – und sie würden wegen fehlender sportlicher Perspektive kaum kommen. Eine Trennung von Wagner und wohl auch Co-Trainer Christoph Bühler wäre nicht günstig. Wagners sehr gut dotierter Vertrag gilt noch bis Juni 2022.

Schneiders größter Wunsch ist aber, dass Wagner doch noch die Kurve bekommt – im letzten Moment. Auch für ihn persönlich wäre das wichtig. Bei einer Beurlaubung Wagners müsste sich auch er fragen lassen, ob er nicht zu lang falsch gelegen hat. Deshalb beobachtet er die Profis intensiv. „Wir müssen Samstag eine andere Leistung auf den Platz bringen – und darum geht es in dieser Trainingswoche. Wir müssen in eine Verfassung kommen, um wettbewerbsfähig zu sein. Das hat der Trainer angesprochen. Er hat aufgezeigt, woran wir arbeiten müssen.“ Als Trainingsgast überzeugt sich Schneider selbst davon, ob das gelingen kann.

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