Kommentar

Schalkes Ehrenrat hätte Tönnies suspendieren sollen

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies lässt sein Amt drei Monate ruhen.

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies lässt sein Amt drei Monate ruhen.

Foto: Guido Kirchner/dpa

Essen.  Schalkes Aufsichtsratschef kommt mit rassistischen Äußerungen glimpflich davon. Reichen drei Monate, um zur Besinnung zu kommen? Ein Kommentar.

Schalkes Ehrenrat mochte Clemens Tönnies nach dessen rassistischen Äußerungen nicht verurteilen. Die Aussagen des Aufsichtsratschef verstießen zwar gegen die Schalker Werte und seien diskriminierend, der Vorwurf des Rassismus sei jedoch unbegründet.

Widerspruch zum Schalker Selbstbild

In den Sozialen Medien, in denen der Puls schnell steigt, waren die Reaktionen erwartet harsch, das Spektrum reichte - polarisierend wie oft - von totalem Unverständnis bis zur Verteidigung Tönnies: Selbst wer die unqualifizierten Beiträge ausfiltert, konnte jedoch das Unverständnis über die Volte des Ehrenrates, die Äußerungen vor dem (auch schriftlich fixierten) weltoffenen Schalker Selbstbildnis zu verharmlosen, nicht überlesen.

Eine entschiedenere Reaktion des Klubs, beziehungsweise seines Kontrollorganes wäre wünschenswert gewesen. Der Verein hätte mit einer wie auch immer befristeten Suspendierung gezeigt, dass er die Äußerungen als das einstuft, was sie sind: als rassistische Entgleisung eines Mannes mit Macht und Einfluss, der sich als Patron jenseits aller Kontrolle wähnt.

Tönnies hat massiv gefehlt

So bleibt der freiwillige Rückzug Tönnies, der zumindest das symbolische Eingeständnis eines Fehlers skizziert. Dass die Auszeit nur drei Monate währt, zeigt jedoch, dass die Reflexion des Schalke-Bosses nicht besonders weit reicht.

Man muss nicht, wie es auf dem Forum der Sozialen Medien allzuschnell geschieht, gleich die Guillotine auf den Marktplatz rollen, aber Tönnies hat – auch, wenn er „nur“ Worte gebrauchte – massiv gefehlt. Das verlangt nach Sühne. Drei Monate scheinen kurz. Eine Zeitspanne, die vermutlich vom Wunsch vieler Klubverantwortlicher, aber vor allem vom Selbstbild des Unentbehrlichen, der dem Verein länger nicht fehlen darf, bestimmt wurde.

Selbst denjenigen, die Tönnies die Rückkehr ins Amt nicht verwehren wollen, scheint die dreimonatige Auszeit zu kurz. Auch wenn die Frage, wie lange die Auszeit richtigerweise dauern sollte, nur schwer zu beantworten scheint, möchte man Tönnies raten wollen, sich hinreichend Zeit zu nehmen. Eine Auszeit, um wirklich erkennen zu können, wie verletzend die in den Stammtischdunst geäußerten Worte für einen ganzen Kontinent waren.

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