Leser-Interview

Schalke-Verteidiger Naldo: „Vielleicht bleibe ich sogar noch zwei Jahre“

Stellte sich den Fragen der WAZ-Leser: Schalkes Innenverteidiger Naldo.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Stellte sich den Fragen der WAZ-Leser: Schalkes Innenverteidiger Naldo. Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Naldo gehört auch mit seinem 35 Jahren zu den Leistungsträger beim FC Schalke. Im Interview stellt er sich den kreativen Fragen der WAZ-Leser.

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Am Schluss muss Naldo (35) ganz laut lachen. Der sechs Jahre alte Jari möchte von Schalkes Abwehrchef einfach nur wissen: „Warum hast Du eine Glatze?“ Naldo bleibt auch diese Antwort nicht schuldig: Er nimmt sich eine halbe Stunde Zeit, um alle Fragen der WAZ-Leser zu beantworten.

Frage: Ich halte Domenico Tedesco für einen intelligenten Trainer. Ist er auch intelligent genug, einen so erfahrenen Spieler wie Dich einmal um Rat zu fragen?

Naldo: Ja, und das freut mich natürlich – der Trainer ist ja jünger als ich (schmunzelt). Wir tauschen viele Informationen aus, und der Trainer hört sich das auch genau an, was wir erfahrenen Spieler sagen. Tedesco macht einen super Eindruck auf mich.

Frage: Wo erkennst Du in der Mannschaft unter dem neuen Trainer die deutlichsten Fortschritte im Vergleich zu Markus Weinzierl?

Naldo: In dieser Saison sind bis jetzt alle weiterhin sehr fokussiert und machen gut mit. Man sieht, dass sich jeder Spieler jeden Tag weiterentwickeln will. Das war der Fehler in der letzten Saison, dass wir nicht jeden Tag so konzentriert waren.

Frage: Die Eröffnung des Spiels von hinten heraus treibt mir als Fan regelmäßig den Blutdruck hoch – oft plästert Ralf Fährmann den Ball einfach nur nach vorne. Wann bessert sich das?

Naldo: Wenn der Gegner Druck macht, müssen wir den Ball manchmal auf Ralf Fährmann zurückspielen – auch das gehört dazu. Aber ich stimme zu: Wir müssen beim Spielaufbau Lösungen finden. Noch sind wir da nicht so gut wie wir uns das wünschen, aber es ist auf jeden Fall schon besser geworden.

Frage: Ich finde das neue Spielsystem nicht gut und bevorzuge ein 4-2-3-1 mit einem echten Zehner wie Max Meyer. Was hältst Du davon?

Naldo: Max ist ein typischer Zehner, aber er hat in Hoffenheim auch als Sechser gut gespielt – er kann auch auf dieser Position in die Mannschaft kommen. Im Endeffekt ist es egal welches System wir spielen, wir müssen dazu bereit sein. Dafür trainieren wir jeden Tag.

Frage: Daniel Caligiuri hat gesagt, die Mannschaft würde spüren, dass auf Schalke etwas Großes entstehen kann. Ist das Schönfärberei, oder sieht auch Naldo, dass dank Tedesco mit einer mittelmäßigen Mannschaft etwas Großes entstehen kann?

Naldo: Eine gute Frage, aber dabei geht es nicht nur um den Trainer – Weinzierl hat in Augsburg auch gezeigt, dass er ein guter Trainer ist. Wir Spieler sind es, die auf dem Platz zeigen müssen, dass wir besser sind als in der letzten Saison. Wir müssen konstanter werden, mit den zehn Punkten, die wir bisher haben, bin ich noch nicht zufrieden. Es kann immer mal passieren, dass man fünf Minuten schlecht spielt, aber nicht über 20 oder 30 Minuten in einem Spiel. Daran müssen wir arbeiten. Was dann am Ende dabei herauskommt, werden wir sehen. Wir müssen Schritt für Schritt gehen und nicht so viel träumen.

Frage: Ist das Saisonziel nach wie vor Europa League?

Naldo: Klar ist: Wir wollen oben mitspielen. Aber mein großes Ziel ist, dass wir jede Woche Gas geben und in jedem Spiel drei Punkte machen wollen. Dass wir jetzt drei Spiele nicht gewonnen haben, ist nicht gut. Am Samstag in Berlin müssen wir den Schalter umlegen und versuchen, wieder drei Punkte zu holen. Es sind nur drei Punkte bis auf Platz vier.

Frage: Wie beurteilst Du die Arbeit von Sportvorstand Heidel?

Naldo: Heidel macht es sehr gut, lässt den Trainer über die sportlichen Dinge entscheiden und kümmert sich um die Rahmenbedingungen und die Transfers. Ich kenne Schalke jetzt auch schon ein bisschen, hier kann sich in drei Wochen vieles ändern. Wenn wir verlieren, ist alles eine Katastrophe – wenn wir ein paar Spiele gewinnen, werden wir Meister. Wir müssen aber am Boden bleiben.

Frage: Habt Ihr euch als Mannschaft zu Beginn der Saison in die Debatte um Benny Höwedes bei Trainer oder Manager zu Wort gemeldet?

Naldo: Nein. Wir wissen, dass Benny ein sehr wichtiger Spieler für Schalke war oder sogar noch ist, aber das war nur ein Thema für Trainer und Manager.

Frage: Vermisst Du Benedikt Höwedes neben Dir?

Naldo: Er ist ein Leader, ein erfahrener Spieler. Klar, ein solcher Spieler tut einer Mannschaft immer gut.

Frage: Im November spielt Ihr gegen die Zecken. Du weißt hoffentlich, was das für uns Fans bedeutet...

Naldo: Ja, das weiß ich – spätestens, seit ich in der vergangenen Saison das erste Mal mit Schalke in Dortmund gespielt habe. Aber bis zum Derby haben wir noch viele Spiele, die wir auch gewinnen wollen, um dann mit viel Selbstvertrauen nach Dortmund zu fahren.

Frage: Fühlst Du Dich mittlerweile ein bisschen als Schalker?

Naldo: Ja klar. Das bleibt nicht aus in einem Verein, wo die Fans so präsent sind – ob bei den Spielen oder beim Training. Selbst mein Sohn kommt sehr oft beim Training vorbei, wenn er Zeit hat – aber die Schule ist wichtiger (lacht). Meine ganze Familie fühlt sich hier sehr wohl.

Frage: Lieber Naldo, kannst Du dir vorstellen, Deinen 2018 auslaufenden Vertrag auf Schalke zu verlängern? Du wirst definitiv als Abwehrchef gebraucht.

Naldo: Ja, das kann mich mir auf jeden Fall vorstellen. Ich fühle mich sehr gut und bete, dass ich gesund und fit bleibe. Dann möchte ich gerne noch weiter auf Schalke spielen – vielleicht sogar für zwei weitere Jahre.

Frage: Würdest Du auch Gehaltseinbußen akzeptieren und den Verein weiterhin unterstützen, wenn es Schalke finanziell nicht so gut geht?

Naldo: Wenn das so wäre, könnte ich mir das auf jeden Fall vorstellen. Ich denke, dass andere Sachen wichtiger wären bei der Entscheidung als das Finanzielle.

Frage: Welches Spiel war das emotionalste in Deiner Karriere?

Naldo: Da gab es viele: Die beiden DFB-Pokalfinals, die ich mit Werder Bremen und Wolfsburg in Berlin gewonnen habe. Oder das Europa-League-Endspiel 2009 in Istanbul, das ich mit Werder leider verloren habe – aber da habe ich ein Tor geschossen. Und: Natürlich mit Schalke das Derby auswärts.

Frage: Welcher Gegenspieler war Dein unbequemster?

Naldo: Samuel Eto'o im Champions-League-Spiel mit Bremen in Barcelona. Ronaldinho kam aus dem Mittelfeld, Eto'o hat vorne gespielt – das war schwierig.

Frage: Willst Du nach Deiner Karriere zurück nach Brasilien?

Naldo: Nein, ich kann mir vorstellen, in Deutschland zu bleiben – auch wegen der Kinder. Ihre Zukunft ist hier im Moment besser als in Brasilien.

Frage: Was machst Du nach der Fußballkarriere? Hat man dann schon ausreichend Geld, um davon leben zu können?

Naldo: Ich will meinen Kopf danach weiter beschäftigen – wenn ich den ganzen Tag nur zu Hause liegen würde, bekäme ich schlechte Laune. Ich kann mir vorstellen, Trainer, Manager oder auch Berater zu werden, aber das hat erstmal noch Zeit.

Frage: Hattest Du schon einmal mit rassistischen Äußerungen zu tun?

Naldo: Persönlich ist mir das nie passiert, aber dem einen oder anderen Freund schon. Und das ärgert mich, dass so etwas im Jahr 2017 noch möglich ist. Jeder Mensch ist gleich – egal, ob er Geld hat oder nicht. Aber in manchen Dingen ist die Welt im Moment verrückt.

Frage: Wie viele Sprachen sprichst Du?

Naldo: Deutsch nicht so gut (lacht – Anmerkung: Naldo spricht fließend Deutsch). Dazu natürlich Portugiesisch, und aber der nächsten Woche werde ich beginnen, auch Englisch zu lernen. Ich denke, das kann man immer gut gebrauchen.

Frage: Hast Du schon einmal über Tod und Sterben nachgedacht?

Naldo: Ein schwieriges Thema. Aber man denkt doch mal öfter irgendwie daran. Das Wichtigste auf der Welt ist, gesund zu bleiben – das ganze Geld ist dagegen völlig egal. Ich bete jeden Tag, dass es so bleibt – nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie und Freunde.

Frage: Hallo, ich heiße Jari und bin 6 Jahre alt. Meine Frage an Naldo: Warum hast Du eine Glatze?

Naldo (lacht laut): Weil meine Haare leider nicht mehr so gut wachsen wie bei meinem Sohn oder bei meiner Schwester. Und ich denke: Dann sieht eine Glatze besser aus.

Die Fragen stammen von: Volker Soraschewski, Sabine Lüttenberg, Georg Laacks, Holger Knittel, Horst Weinforth, Christof, Ralf Johannsen, Uwe Bendl, Gina Rosenfeld, Jons Lache, Eugen Borgmann, Jari Knittel.

Aufgezeichnet wurden die Antworten von Manfred Hendriock

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