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Schalke: Rangnick ist als Wagner-Nachfolger zu teuer

Ralf Rangnick war schon zweimal für Schalke 04 tätig.

Ralf Rangnick war schon zweimal für Schalke 04 tätig.

Foto: dpa

Gelsenkirchen.  Schalke sucht einen neuen Trainer: Für eine große Lösung fehlen die Voraussetzungen. Manuel Baum und Dimitrios Grammozis sind im Gespräch.

Die Entscheidung fiel am frühen Sonntagmorgen. Um 8 Uhr schalteten sich Jochen Schneider und Alexander Jobst, die Vorstandsmitglieder des FC Schalke 04, mit Aufsichtsrats-Chef Jens Buchta in einer Telefonkonferenz zusammen – gemeinsam beschlossen sie das Aus für Trainer David Wagner. Knapp zwölf Stunden nach dem 1:3 (0:2) gegen Werder Bremen musste Wagner gehen, nach dem 18. Spiel in Serie ohne Sieg. „Wir alle hatten gehofft, dass wir die sportliche Wende zusammen mit David Wagner schaffen können“, sagte Sportvorstand Schneider, der lange an Wagner festgehalten hatte.

Zu lange? Im Gespräch mit dieser Redaktion reagierte Schneider am Sonntagnachmittag auf diesen Vorwurf: „Wenn man aus dem Rathaus kommt, ist man immer schlauer. Man hätte es natürlich nach der vergangenen Saison machen können. Das nehme ich auf meine Kappe, ohne Wenn und Aber. Ich würde es aber noch einmal so machen.“

Der Zustand der Mannschaft ist katastrophal. Noch nie in der Liga-Geschichte stand ein Team nach zwei Spieltagen schlechter da. Die auch schlecht gestarteten Bremer kamen durch drei Tore von Niclas Füllkrug ungefährdet zum Erfolg. Erst in der letzten Szene des Spiels erzielte Mark Uth das Ehrentor.

Der Kader ist schlecht zusammengestellt, Wagner fand zuletzt keine passende Strategie mehr. Nun sucht Schneider einen neuen Mann. „Die Fragen, die wir stellen, lauten: Was für einen Typen braucht die Mannschaft? Und welche Typen sind verfügbar?“, sagte der 50-Jährige. Und natürlich geht es auch um die Frage: Wen können die finanziell angeschlagenen Schalker überhaupt bezahlen? Wagners Vertrag gilt noch bis 2022. Über eine Abfindung wurde nicht gesprochen, er wird erst einmal ganz normal weiterbezahlt – genau wie die Co-Trainer Frank Fröhling und Christoph Bühler, die ebenfalls gehen müssen.

Schalke: Rangnick zeigt Sympathien

Der prominenteste verfügbare Trainer wäre Ralf Rangnick (62), der Schalke schon zweimal trainierte. Er sympathisiert sehr mit den Königsblauen und sagte das am Sonntagmorgen in der Talkshow Sky90. „Wenn ich sagen würde: ,Schalke interessiert mich nicht’, dann würde ich lügen“, sagte Rangnick. Doch nach Informationen dieser Redaktion hat sich eine Verpflichtung erledigt, auch wenn es Kontakte gab. Noch am Samstag vor dem Spiel gegen Bremen hatte Rangnick Schneider angerufen – beide kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei RB Leipzig. Aber: Rangnick ist anspruchsvoll und ehrgeizig – in Leipzig konnte er als Sportchef uneingeschränkt regieren. Ähnliche Möglichkeiten kann ihm Schalke schon finanziell nicht bieten. Ebenfalls kein Thema sind Marc Wilmots (51) und Alexander Zorniger (52). Für Wilmots zum Beispiel, der zuletzt vor 15 Jahren eine Klubmannschaft trainierte, spräche nur sein Status als Vereinslegende.

Heißer wird die Spur, wenn es um jüngere Trainer wie Manuel Baum (41), Sandro Schwarz (41) und Dimitrios Grammozis (42) geht. Alle drei haben erst eine Station im Profifußball hinter sich und ausgiebige Erfahrung im Nachwuchsbereich. Favorit aus diesem Trio ist Baum, aktuell U20-Nationaltrainer. Dass es den Ex-Trainer des FC Augsburg zurück in die Bundesliga zieht, ist in der Branche bekannt. Baum saß am Samstag auf der Tribüne des Parkstadions, als Schalkes U23 dem SV Straelen mit 1:2 unterlag. Grammozis hatte Darmstadt 98 in der Zweiten Liga auf Platz fünf geführt – er konnte sich aber nicht auf eine Vertragsverlängerung verständigen. Im Ruhrgebiet kennt er sich aus: Beim VfL Bochum trainierte er die U19.

Schwarz bekam einen Anruf der Schalker – allerdings wurde er nur gefragt, ob er grundsätzlich zur Verfügung stünde. Erster Kandidat ist der langjährige Mainzer nicht, er gilt als ein ähnlicher Typ wie der gerade geschasste Wagner.

Schalke: Nächstes Liga-Spiel in Leipzig

Schneider will so schnell wie möglich einen neuen Mann verpflichten – wenn es geht, sogar vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr/Sky). Eine Interimslösung käme für ihn nur infrage, wenn sein Wunschkandidat kurzfristig nicht verfügbar sei. U19-Trainer-Ikone Norbert Elgert steht für die Ein-Spiel-Lösung nicht zur Verfügung, er bleibt lieber bei der Jugend: „Ich denke, dass ich Schalke in dieser Position am meisten helfen kann“, sagte er dieser Redaktion.

Die Zeit für Schneider drängt – und das nicht nur bei der Trainersuche. Eine Woche ist das Transferfenster noch geöffnet, es soll noch Zu- und Abgänge geben. Als erstes steht wahrscheinlich ein Torwart-Tausch an: Frederik Rönnow von Eintracht Frankfurt soll kommen, Markus Schubert gehen. Absegnen soll den Deal aber der neue Trainer.

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