Schalke 04

Schalke: Darum saß Ex-Boss Tönnies auf der Tribüne

Der ehemalige Schalke-Boss Clemens Tönnies (oben lilnks) sitzt bei der Klub-Delegation: Neben ihm Michael Reschke, unten die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst und der neue Chef des Aufsichtsrats, Jens Buchta (v.l.).

Der ehemalige Schalke-Boss Clemens Tönnies (oben lilnks) sitzt bei der Klub-Delegation: Neben ihm Michael Reschke, unten die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst und der neue Chef des Aufsichtsrats, Jens Buchta (v.l.).

München.  Ex-Klubchef Clemens Tönnies verfolgte das Schalker Debakel beim FC Bayern auf der Tribüne der Allianz-Arena. Das ist der Grund.

Überraschungen auf dem Rasen gab es während des Bundesliga-Eröffnungsspiels zwischen Bayern München und Schalke 04 nicht. Die Bayern, beflügelt vom Triple, deklassierten desolate Schalker mit 8:0 (3:0). Ein Erfolg selbst in dieser Höhe schien vor dem Anpfiff nicht unmöglich zu sein. Was aber kaum möglich erschien: Dass Clemens Tönnies (64) auf der Tribüne der Allianz-Arena sitzt.

Tönnies sitzt in der Allianz-Arena neben seinem Nachfolger

Der langjährige Aufsichtsrats-Vorsitzende und starke Mann der Königsblauen verfolgte das Debakel neben seinem Nachfolger Jens Buchta sowie den Schalke-Vorständen Alexander Jobst und Jochen Schneider sowie Kaderplaner Michael Reschke.

Schalke pflegt Freundschaften zum Bayern-Präsidium

Gehörte Tönnies auch ohne offizielles Amt zur Delegation? Auf unsere Anfrage reagierten die Schalker: „Clemens Tönnies war am Freitag im Stadion, weil er enge Freundschaften zum FCB-Präsidium pflegt. Selbstverständlich sitzt er lieber bei der Schalke Delegation.“ Hintergrund der Aussage: Tönnies und Bayern-Patron Uli Hoeneß sind als Fleisch-Unternehmer seit vielen Jahren sehr gut befreundet - in ihren jeweils größten persönlichen Krisen stützten sie sich gegenseitig.

Clemens Tönnies über Schalke: „Ich kann doch nicht einfach die schönsten 26 Jahre meines Lebens, die ich dort hatte, abhaken.“

Tönnies war auf Schalke am 30. Juni von seinem Amt zurückgetreten, hatte aber schon danach in einem Interview betont, die Schalke-Spiele weiter besuchen zu wollen: „Ich kann doch nicht einfach die schönsten 26 Jahre meines Lebens, die ich dort hatte, abhaken.“ Tönnies hatte seinen Rücktritt damit begründet, „seinen Fokus voll und ganz auf seinen Schlachtbetrieb legen zu wollen.“ Über 1700 Menschen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert, bekannt wurden zudem schlechte Arbeitsbedingungen. Durch rassistische Äußerungen im August 2019 war Tönnies bei vielen Fans ohnehin schwer in die Kritik geraten. In den Klub-Gremien sitzen etliche Freunde von Tönnies — dessen Abgang galt deshalb als Zäsur in der jüngeren Vereinsgeschichte.

Dass Tönnies direkt beim ersten Bundesligaspiel nach seinem Rücktritt wieder neben den Schalke-Vorständen saß, ist in der Außenwirkung mindestens unglücklich. Auf unsere Nachfrage, ob der Verein die Kritik an Tönnies‘ Stadionbesuch verstehen könne, reagierte Schalke nicht.

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