Schalke 04: Hans Sarpei kandidiert für den Aufsichtsrat

Hans Sarpei will in de Aufsichtsrat von Schalke 04.

Hans Sarpei will in de Aufsichtsrat von Schalke 04.

Foto: Getty

Gelsenkirchen  Der frühere Bundesligaspieler von Schalke 04 hatte Clemens Tönnies kritisiert – künftig möchte er aber mit ihm im Aufsichtsrat zusammenarbeiten.

Ein paar versteckte Hinweise hatte Hans Sarpei bereits gegeben. „Vielleicht sollte ich mich doch stärker bei Schalke 04 engagieren“, schrieb der Ex-Profi des Fußball-Bundesligisten am 25. Januar bei Twitter, als Schalke mit 0:5 beim FC Bayern untergegangen war. Sechs Tage später postete der 43-Jährige ein Foto der Schalker Geschäftsstelle, versehen mit dem Hashtag „#GEmeinsam“. Nun ist klar, was Sarpei plant: Er bestätigt Recherchen dieser Zeitung, dass er seine Bewerbung für einen Posten im Aufsichtsrat eingereicht hat.

„Seit Längerem“, sagt Sarpei dieser Redaktion, „habe ich mich damit beschäftigt, wie ich dem Fußball und der Gesellschaft etwas zurückgeben kann, wovon ich selbst als Profisportler und Mensch mit Mi­grationshintergrund profitiert habe. Mir war dabei zu jedem Zeitpunkt klar, dass meinen Worten auch konkrete Taten folgen müssen.“

Nur 17 Pflichtspiele, aber ein großes Herz für Schalke

Obwohl Sarpei von Juli 2010 bis Juni 2012 nur 17 Pflichtspiele für Schalke 04 bestritten hatte, will er sich bei den Königsblauen engagieren: „Es ist der Verein, dem ich im Herbst meiner sportlichen Karriere am meisten zu verdanken habe. In einer Zeit, in der eine erfolgreiche Integration keine Selbstverständlichkeit mehr ist, möchte ich mit meiner Kandidatur den Mitgliedern und Fans etwas zurückzugeben.“

Seit seinem Abschied vor siebeneinhalb Jahren hat sich Sarpei in vielen Beiträgen als Schalke-Fan gezeigt und an Aktionen gegen Rassismus und Diskriminierung beteiligt – zum Beispiel als Integrations-Beauftragter des Deutschen Olympischen Sportbundes und auch unter dem Motto #stehauf bei den Schalkern. „Ich weiß, wie es ist, wenn einem im Stadion Affenlaute entgegengebracht werden“, sagt Sarpei.

Sarpei sieht Gesprächen mit Tönnies gelassen entgegen

Und deshalb mischte er sich auch in die Diskussion nach dem von Schalke mit 3:2 nach Verlängerung gewonnenen DFB-Pokalspiel gegen Hertha BSC ein, als der Berliner Abwehrspieler Jordan Torunarigha rassistisch beleidigt wurde. „Ich habe die Schalker Fans als fantastische Menschen kennengelernt, deren Herz für Schalke schlägt, nicht für eine Nationalität und schon gar nicht für eine Hautfarbe. Dass so etwas im Ruhrgebiet in der Arena auf Schalke passiert, macht mich wie alle Fans wütend und traurig zugleich“, sagt Sarpei. „Schalkes Fundament ist auf Integration und Freundschaft aufgebaut, nicht auf Nationalität und Feindschaft.“

Auch die Ereignisse rund um die rassistischen Äußerungen von Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies, die im Sommer 2019 eine dreimonatige Sperre zur Folge hatten, hatte Sarpei äußerst kritisch begleitet. Heute sagt er dazu: „Jeder von uns macht Fehler. Schalke wird jedoch immer größer sein als jeder Einzelne von uns. Ich kann mit meinen persönlichen Erfahrungen einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dass wir auf Schalke nicht mehr über Rassismus-Vorfälle sprechen müssen. Es geht nicht um Clemens oder Hans. Es geht einzig und allein um Schalke 04.“

Schalke-Wahlausschuss muss Sarpei erst noch zulassen

Mit Tönnies müsste Sarpei im Führungsgremium eng kooperieren. Über seine Kandidatur hat er mit dem Klubchef bisher noch nicht gesprochen. „Die Gelegenheit wird sich so oder so ergeben. Ich freue mich sehr auf die Gespräche mit den Kollegen“, sagt Sarpei und ergänzt: „Schalke war immer dann am stärksten, wenn wir als Team aufgetreten sind.“ So wie 2011, als er mit Schalke den DFB-Pokal gewann. Im Finale gab es damals einen 5:0-Sieg gegen den MSV Duisburg, an Sarpeis Seite spielten Stars wie Raúl, Klaas-Jan Huntelaar, Manuel Neuer, Julian Draxler, Benedikt Höwedes oder Jefferson Farfan. Kein Wunder, dass sich der routinierte Abwehrspieler Hans Sarpei in diesem Ensemble wohl fühlte.

Nach seinem Karriere-Ende blieb Hans Sarpei präsent, er trainierte für die Sport-1-Sendung „Das T steht für Coach“ sechs Jahre lang Amateurteams. 2015 gewann er die RTL-Show „Let’s Dance“.

Nun will er sich auf ein ganz neues Parkett wagen. Der Weg bis zu einer Wahl in den Aufsichtsrat ist aber weit. Erst einmal muss er vom Wahlausschuss zugelassen werden. Bewerbungsrunden bei Mitgliedern würden folgen, dann die Jahreshauptversammlung im Sommer. Falls es dabei bleiben sollte, dass es in dem neunköpfigen Gremium von Schalke 04 Mitglieder mit unterschiedlichen Kompetenzen geben soll, könnte das ein Nachteil für Sarpei sein. Denn das Kompetenzfeld Sport besetzt kein Geringerer als Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens.

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