Schalke

Nach Schalker U19-Pleite: Elgert und Knäbel schlagen Alarm

Schalkes U19-Trainer Norbert Elgert (l.) mit Peter Knäbel.

Schalkes U19-Trainer Norbert Elgert (l.) mit Peter Knäbel.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Nach der deutlichen Derby-Niederlage sehen die Schalker Bosse die U19 des BVB als enteilt an. Das hat Gründe, die sie deutlich benennen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Diese Derbyniederlage tut dem FC Schalke 04 besonders weh. Ein Spiel mit der U19 gegen den großen Rivalen Borussia Dortmund zu verlieren, ist die eine Sache. Die andere Sache, die viel gravierendere, ist die Erkenntnis, chancenlos gewesen zu sein. 1:4 lautet das Ergebnis, das sogar die Alarmglocken in der Führungsetage der Knappenschmiede schrillen lässt. „Im Moment bewegt sich Dortmund in einer anderen Liga“, stellte Schalkes U19-Trainer Norbert Elgert nach dem Spiel ernüchternd fest.

Schalke-Direktor Knäbel: "Das Ergebnis war für mich nicht überraschend"

Peter Knäbel, auf Schalke seit Mitte April Technischer Direktor Entwicklung, war ebenso Zeuge der drückenden Überlegenheit des ungeliebten Konkurrenten wie Till Beckmann und Mathias Schober, die Leiter der Knappenschmiede. „Das Ergebnis war deutlich, gerecht und für mich nicht überraschend“, sagte Knäbel und ergänzte: „Es wäre schlimm, wenn mich das überraschen würde.“

Der ehemalige Direktor Profifußball und Trainer des Hamburger SV hat großes Verständnis, dass Norbert Elgerts Laune nach dem Spiel auf dem Tiefpunkt war.

In den vergangenen sieben Jahren belegte Elgert mit seiner U19 fünf Mal Platz eins und zweimal Platz zwei. 2012 und 2015 wurden die Königsblauen Deutscher Meister, vor drei Monaten Deutscher Vizemeister. Jetzt sieht es danach aus, als würde seine Mannschaft meilenweit hinterherhinken. Der Rückstand auf das Spitzentrio BVB, 1. FC Köln und VfL Bochum beträgt nach vier Spieltagen schon acht Punkte.

Anders als andere Klubs, wie zum Beispiel der BVB und der 1. FC Köln, verzichteten die Schalker darauf, hohe Ablösesummen für Jugendspieler zu zahlen – sie hoffen eher auf die goldenen Hände von Elgert. Schalke investiert im Vergleich zur Konkurrenz weniger Geld in Spieler, von denen sich die Vereinsführung verspricht, über die Jugendabteilung den Weg zu den Profis zu schaffen. Elgert mahnt, nicht nur den Ausbau des Vereinsgeländes im Blick zu haben: „Wir müssen definitiv nicht nur in Sportplätze investieren. Denn Sportplätze verhindern keine Tore und erzielen keine Tore. Schön, dass wir das machen. Aber wir brauchen perspektivisch deutlich mehr Qualität. Von unten nach oben, aber auch von auswärts.“, sagt Elgert.

Peter Knäbel stellt klar, dass die Aufgabe der Knappenschmiede in erster Linie die ist, Talente auszubilden, die dann eines Tages den Ansprüchen des Schalker Profikaders genügen. „Am Ende ist die Frage, über welchen Weg kommen Spieler zu den Profis? Das ist das Entscheidende und das ist auch die Versorgungslinie von Schalke 04 für die erste Mannschaft“, sagt er.

Dass diese Versorgungslinie mit Blick auf den U19-Altjahrgang 2000 Stand jetzt „gewaltig stottert“, bereitet Peter Knäbel aber keine schlaflosen Nächte „Vielleicht ist in diesem Jahr ja eher einer in der U23 dabei, denn irgendwo sind die Talente ja. Was wir nicht zulassen dürfen, ist ein Loch über Jahre hinweg. Denn dann geht ein Stück Kultur und Selbstverständnis verloren.“

Vier ehemalige Knappenschmiede-Spieler wurden Weltmeister

Keinem Verein in Deutschland gelingt es seit über zehn Jahren so eindrucksvoll wie den Schalkern, Talente aus der eigenen Jugend in den Profibereich zu bringen. Mit Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Julian Draxler und Mesut Özil wurden vier ehemalige Spieler der Knappenschmiede Weltmeister. Leroy Sané und Thilo Kehrer wurden 2015 noch mit der Schalker U19-Deutscher Meister. Weston Mc Kennie, am Samstag bei der 1:2-Niederlage der Profis beim VfL Wolfsburg in der Startelf, spielte in der vorletzten Saison noch in der A-Jugend.

Dass diese Erfolge der Ausbildung ganz eng mit dem Namen von Norbert Elgert verbunden sind, ist nicht nur in Deutschland bekannt. Ebenso, dass Elgert vor zwei Jahren davor gewarnt hat, dass Schalke in naher Zukunft den Anschluss verpassen könnte, sollte kein Umdenken stattfinden. Die Trainerlegende kündigte sogar einen Abschied an. „Ich habe es kommen sehen, dass wir mit der Knappenschmiede in der Spitze irgendwann nicht mehr mithalten werden. Dass wir höllisch aufpassen müssen, um den Anschluss nicht zu verlieren“, sagte er am Sonntag nach der Niederlage im Derby und stellte fest: „Das ist jetzt aber eingetreten. Es tut mir persönlich weh, dass wir es nicht geschafft haben, das zu verhindern. Denn zufällig ist das nicht passiert.“

Elgert liegt es aber fern, davonzulaufen. Zu Beginn der Woche soll die bittere 1:4-Niederlage gegen den BVB aufgearbeitet und danach die Ärmel hochgekrempelt werden. „Ich habe im Moment null Gedanken daran zu gehen. Es ist eine Riesenherausforderung, jetzt wieder Spitze zu werden. Aber ich habe das Gefühl, dass das ein bisschen dauern kann.“

Die volle Unterstützung von Peter Knäbel ist Elgert jedenfalls gewiss. Denn die Devise des Technischen Direktors Entwicklung lautet: „Man muss auf jeden Titel verzichten können, wenn man dafür Spieler herausbringt.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (4) Kommentar schreiben