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Mittersills Bürgermeister: „Ich bin Schalker, was sonst?“

Bürgermeister Wolfgang Viertler

Bürgermeister Wolfgang Viertler

Mittersill.   Wolfgang Viertler ist Bürgermeister von Mittersill. An diesem Dienstag wird er als Fan die Schalker zum Trainingslager in seiner Stadt begrüßen.

Am Dienstag geht die Schalker Mannschaft erneut auf Reisen. Nach dem China-Trip und zwei freien Tagen geht’s ins Trainingslager nach Mittersill. In Österreich wird sich das Team von Trainer Domenico Tedesco auf die neue Saison vorbereiten. Einer, der die Ankunft der Königsblauen kaum erwarten kann, ist Wolfgang Viertler. Der 56-Jährige ist seit 2004 Bürgermeister von Mittersill. Im Interview spricht der Österreicher über seine Beziehung zu Schalke, Gastfreundschaft und eine Begegnung mit Felix Magath.

Herr Bürgermeister, für welchen Fußballklub schlägt Ihr Herz?

Wolfgang Viertler: Ich bin Schalker, was denn sonst? Seit dem 19.04. des vergangenen Jahres sind mein jüngster Sohn und ich sogar Mitglieder. Wir haben auch schon Spiele auf Schalke gesehen. Einmal ist mein Sohn an der Hand von Eric Maxim Choupo-Moting an der Hand in die Arena eingelaufen. Für ihn und auch für mich war es ein unvergesslicher Tag. Eine Stimmung wie auf Schalke gibt’s kein zweites Mal. Das müssen auch diejenigen einsehen, die nicht zu Schalke halten.

Wie hat sich Ihre Stadt Mittersill in diesem Jahr auf Schalke vorbereitet?

Viertler: Die ersten Fans sind schon seit der vergangenen Woche bei uns, sie machen Urlaub. In der Stadt ist blau und weiß geflaggt. Der Sportplatz ist seit geraumer Zeit gesperrt, damit der Rasen in einem Top-Zustand ist, wenn die Mannschaft trainiert. Aber nicht nur Mittersill ist auf den Besuch Schalke vorbereitet - die ganze Region freut sich.

Auf dem Schalker Vereinsgelände steht eine Berggondel - als Zeichen der Partnerschaft zwischen Verein und der Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern. Was erinnert die Bürger von Mittersill an die Kooperation mit Schalke?

Viertler: In meinem Büro hängt eine große Schalke-Fahne, auf der die gesamte Mannschaft unterschrieben hat. In vielen Unterkünften und Geschäften sind Fotos aufgehängt, die an das Trainingslager des vergangenen Jahres erinnern. Wie gesagt: die ersten Fans sind schon seit ein paar Tagen bei uns.

Werden Sie die Schalker Delegation erneut persönlich treffen?

Viertler: Selbstverständlich. Es wird unter anderem einen gemeinsamen Pressetermin geben. Schalke 04 und die Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern, das ist eine permanent gelebte Partnerschaft - nicht nur in der Zeit während des Trainingslagers.

Schalkes Marketingvorstand Alexander Jobst sagt: „Wir freuen uns sehr auf das Wiedersehen mit Mittersill. Warum ist Ihre Stadt ein Paradies für Fußballvereine?

Viertler: Die Anlage in Mittersill ist fantastisch. Sie ist keine künstlich angelegte Spiellandschaft, sondern sie befindet sich inmitten schönster Natur. Ich selbst komme gebürtig aus einer anderen Ecke Österreichs und hatte das große Glück, mir meine Heimat aussuchen zu dürfen. Diese Region ist ein Juwel.

Das hat jetzt noch nicht so viel mit Sport zu tun.

Viertler: Oh doch, denn die Region müsste sich bestens für harte Konditionseinheiten eignen - Stichwort Hohe Tauern. Die Spieler würden ihren Trainer verfluchen (lacht). Im modernen Fußball wird doch fast nur noch mit dem Ball trainiert. Ein Trainer, der auf Schalke gut bekannt und für seine Konditionseinheiten berüchtigt ist, war auch schon bei uns. Felix Magath war mit dem VfL Wolfsburg zu einem Testspiel zu Gast.

Wie werden die Schalker in Österreich wohnen?

Viertler: Mit dem Schloss Mittersill, dem Hotel, in dem die Schalker untergebracht sind, haben wir eine Unterkunft, in der sich jede Mannschaft der Welt wohlfühlen wird. Sie eignet sich für absolute Topteams, weil man schon sehr nah am Geschehen ist, aber doch eben auch ein Stückweit geschützt leben kann.

1500 Fans haben Schalke vergangenes Jahr ins Trainingslager nach Mittersill begleitet. Mit wie vielen Fans rechnen Sie in diesem Jahr?

Viertler: Ich gehe davon aus, dass es ein paar mehr werden. Wir werden auf jeden Fall gute Gastgeber sein. Unsere Region, das wissen die Fans, die im vergangenen Jahr schon bei uns waren, hat auch kulinarisch eine Menge zu bieten. Wir essen gerne und trinken ab und zu auch gerne. Mal ein Wein, mal ein Bier, ab und zu auch ein Schnapserl.

Haben Sie die vergangene Saison auf Schalke intensiv verfolgt?

Viertler: Ja, das habe ich. Ich sehe mich nicht nur als Fan, sondern als Teil der Schalke-Familie. Was der Mannschaft fehlte, war ein Spielsystem. Es hat ein Konzept gefehlt. Zumindest ich habe keines erkennen können.

Was trauen Sie der Mannschaft in der neuen Saison zu?

Viertler: Auf jeden Fall, dass sie das Minimalziel Europa League erreicht. Es darf nicht drumherum geredet werden: Schalke muss sich wieder für den internationalen Wettbewerb qualifizieren. Natürlich findet gerade ein Umbruch statt, ein neuer Trainer ist gekommen. Die Rädchen werden sicher nicht von heute auf morgen perfekt ineinandergreifen. Die Europa League muss aber erreicht werden.

Kannten Sie Domenico Tedesco, bevor er als neuer Trainer auf Schalke vorgestellt wurde?

Viertler: Ich kannte ihn vom Namen her und wusste eigentlich nur, dass er zu der Truppe der Perspektiv-Trainer gehört. Der erste Eindruck von ihm ist sehr gut, ich bin gespannt auf seine Arbeit. Dass Christian Heidel sich von Markus Weinzierl trennt, hätte ich nicht unbedingt erwartet. Aber er ist der Sportvorstand, er trägt die Verantwortung, daher ist es sein gutes Recht. Allerdings muss jetzt geliefert werden. Das wird Christian Heidel aber wissen.

Gibt es einen Spieler, auf den Sie sich besonders freuen?

Viertler: Besonders freue ich mich natürlich auf unsere beiden Österreicher Alessandro Schöpf und Guido Burgstaller. Es war toll, in der Arena live mitzuerleben und zu spüren, wie gut die beiden zu Schalke passen. Burgi und Schöpfi sind zwei Persönlichkeiten, die beim Publikum ankommen. Aber auch Max Meyer und Leon Goretzka finde ich klasse. Gespannt bin ich auch auf die jungen Spieler. Mir geht es aber gar nicht so sehr um einzelne Spieler. Wichtig ist, dass in der nächsten Saison eine Mannschaft auf dem Platz steht, die eine Mannschaft ist, die als Einheit auftritt. Wenn das der Fall ist, wird es für jeden Gegner schwer, auf Schalke zu gewinnen.

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