Kommentar

Für Schalke wird es jetzt verdammt schwer

Hängende Köpfe beim FC Schalke: Der Klub steckt in der Krise.

Hängende Köpfe beim FC Schalke: Der Klub steckt in der Krise.

Foto: Getty

Gelsenkirchen.   Das erste Saisonviertel ist für Schalke ein Desaster. Gegen Bremen zeigt S04 wenig Dominanz, keine Spielidee, null Inspiration. Ein Kommentar.

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Als der FC Schalke 04 in die Bundesliga-Saison startete, gab es an der Kaderplanung nichts auszusetzen. Die Achse von der Abwehr übers Mittelfeld bis zum Sturm: Alles schien logisch, was Sportvorstand Christian Heidel nach der Vizemeisterschaft angebahnt hatte, um Leon Goretzka und Max Meyer im Herzen der Mannschaft zu ersetzen. Auch diese Redaktion sah das so.

Heute muss man feststellen: Die Planung ging nicht auf. Das erste Saisonviertel ist ein einziges Desaster. Schalke holte nur sechs Punkte von 24 möglichen aus achten Spielen. Der Vizemeister rangiert seit dem 0:2 gegen Werder Bremen auf einem Relegationsplatz. Sogar der Aufsteiger 1. FC Nürnberg, der schon dicke Packungen kassiert hat, steht in der Tabelle besser da.

Blick richtet sich auf den Schalke-Trainer

Es ist natürlich viel zu früh, von Abstiegs- oder sogar Existenzkampf zu sprechen. Schalke 04, immer noch in der Champions League und im DFB-Pokal vertreten, wird sich — ganz sicher — fangen und in der Tabelle klettern. Trotzdem muss man unangenehme Fragen stellen dürfen. Das Gesicht von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies verrät schon: Es liegt einiges im Argen.

Zwangsläufig richtet sich der Blick auf Trainer Domenico Tedesco. Es ist an der Zeit, dass ihm nicht ständig der unbestrittene Erfolg der vergangenen Spielzeit und die Popularität im Publikum zugute gehalten werden. Er muss sich der profanen Frage des Profifußballs stellen: Stellt er die Mannschaft richtig auf und ein?

„Natürlich!“, werden sie auf Schalke jetzt rufen und Geschlossenheit demonstrieren. Aber warum stimmen dann die Ergebnisse nicht? Von Pech oder Zufall kann man nicht mehr reden. Der Kader von Werder Bremen kostet mit 120 Millionen Euro nur die Hälfte; man kann erwarten, dass Schalke das Heimspiel gegen diesen Gegner gewinnt.

Wenig Dominanz, keine Idee, null Inspiration

Vor Anpfiff wurde Tedesco am Sky-Mikro nach seinem Matchplan gefragt. Die Botschaft, die von seiner Antwort hängenblieb, war diese: Man müsse erst einmal den Gegner im Spiel anschauen und danach die eigenen Kräfte ausrichten. Ja, so sah das Spiel auch aus: Wenig Dominanz, keine überzeugende Idee im Spielaufbau, null Inspiration. In jedem zweiten Bundesliga-Spiel schießt Schalke kein Tor und niemals mehr als zwei. Dazu kommt ein Mittelfeldspieler wie Nabil Bentaleb, der jede Defensive ruiniert.

In Zahlen ausgedrückt: Bremen hatte mehr Ballbesitz (54 Prozent) und als Gastmannschaft nur einen Torschuss weniger als der Gastgeber. Zweikampfverhalten: 55:45 für Bremen, auch in der Luft. Schalke stand achtmal im Abseits. So bitter die Wahrheit ist und Widerspruch erzeugt: Mit dieser Spielweise wird Schalke 04 nur schwerlich aus dem Tabellenkeller gelangen können.

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