Schalke 04

Erst verliehen und plötzlich erste Wahl auf Schalke

Er ist wieder da: Schalkes Mittelfeld-Stratege Nabil Bentaleb.

Er ist wieder da: Schalkes Mittelfeld-Stratege Nabil Bentaleb.

Foto: Tim Rehbein / RHR-Foto

Gelsenkirchen.  Ralf Fährmann, Mark Uth, Nabil Bentaleb und Sebastian Rudy sollten Schalke verlassen. Doch nun spielen sie bei S04.

Wenn Trainer David Wagner vom FC Schalke 04 seine Startelf für das Bundesliga-Auftaktspiel beim FC Bayern München (Freitag, 20.30 Uhr, ZDF und Sky) nominiert, wird er vermutlich selbst schmunzeln müssen. Er wird vier Spieler aufstellen, die noch vor wenigen Monaten gar nicht mehr eingeplant waren. Die verliehen waren, aus den Augen, aus dem Sinn. „Das letzte halbe Jahr“, sagt Wagner, „hatte ganz viele überraschende Wendungen – abseits des Feldes und auf dem Feld.“ Und auf dem Feld sind Ralf Fährmann, Sebastian Rudy, Nabil Bentaleb und Mark Uth nun wieder da.

Ein Quartett, auf das Schalke setzt. Setzen muss. Dass diese Rückkehrer zu den wichtigsten Spielern gehören, zeigt das Dilemma der Spieler und des Vereins in Corona-Zeiten. Finanzkräftige Klubs zu finden, ist für die Profis schwierig. Und Schalke sucht schon seit Monaten vergeblich nach Neuen, die sofort weiterhelfen.

Fährmann nutzte seine Chance

Deshalb ist Ralf Fährmann (31) wieder Schalkes Nummer eins. Wagners Begründung dafür ist einfach: „Ralle hat wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Er hat von Tag eins an eine konzentrierte Vorbereitung gespielt.“ Für den Ur-Schalker könnte das ein Happy End werden. Im Januar 2019 war er von Alexander Nübel abgelöst worden. Fährmann floh, ließ sich zweimal ausleihen. Die Nachrichten, die aus Gelsenkirchen kamen, waren zudem nicht gut. Erst ernannte Wagner Nübel zum Kapitän – als der seinen Wechsel zum FC Bayern verkündete, wurde Ersatzkeeper Markus Schubert zur Nummer eins der Zukunft auserkoren. Und nachdem Schubert zu oft gepatzt hatte, bemühte sich Schalke um Alexander Schwolow vom SC Freiburg. Erst als der Schwolow-Transfer platzte, gab es plötzlich eine neue Chance für den verärgerten Fährmann. Doch er schmollte nicht, sondern nutzte sie.

Sebastian Rudy, das Gesicht der Krise“

Eine Rückkehr von Sebastian Rudy (30) von der TSG Hoffenheim war noch unwahrscheinlicher als die von Fährmann. Rudy sah sich in seinem ersten Schalke-Jahr 2018/19 als „Gesicht der Krise“, spürte wenig Rückhalt. 16 Millionen Euro hatte er gekostet. Erfüllen konnte der frühere Bayern-Profi die Hoffnungen nie. Die Corona-Pandemie und ein Trainerwechsel in Hoffenheim aber verhinderten einen Kauf. Andere Interessenten gab es nicht. Nun spielt Rudy wieder auf Schalke. „Ich habe versucht, vieles abzuhaken, nicht mit einem Rucksack die Sache anzugehen.“, sagt Rudy. Und er ist auf einer für ihn ungewöhnlichen Position gefordert – als Rechtsverteidiger.

Am unwahrscheinlichsten war, dass Nabil Bentaleb (25) jemals wieder das Schalke-Trikot tragen würde. Viermal wurde der Algerier in seinen ersten drei Schalke-Jahren von verschiedenen Trainern suspendiert. Er ist ein begabter Mittelfeldspieler, gilt aber als Egoist, wenn es mal nicht läuft. Wagner sortierte Bentaleb im Sommer 2019 aus, auf eine Verletzung folgte eine Leihe zu Newcastle United. Ein Kauf platzte – die Gehaltsvorstellungen lagen weit auseinander. Nach seiner Rückkehr überzeugte Bentaleb seit dem ersten Tag im Trainingslager in Österreich: „Nabil ist total aufgeräumt und fokussiert“, sagt Wagner. Dass er es noch einmal wissen will, führt Bentaleb auf sein Verhältnis zum Trainer zurück: „Ich hatte ein sehr gutes und offenes Gespräch mit ihm. Er hat gesagt, dass er bezüglich meiner Rückkehr aufgeschlossen ist.“

Mark Uth, Schalkes derzeit gefährlichster Stürmer

Stürmer Mark Uth macht keinen Hehl daraus, dass er lieber bei seinem Heimatverein 1. FC Köln geblieben wäre. Doch nach einer sportlich erfolgreichen Rückrunde in der Domstadt erteilten die Schalker den Kölner Avancen mehrmals deutliche Absagen. „Wir sind nicht gesprächsbereit“, betont Wagner. Uth zieht die Vorbereitung professionell durch: Er ist derzeit Schalkes gefährlichster Stürmer.

„Alle Jungs, die ausgeliehen waren, haben die Chance frei und unbedarft angenommen“, sagt Wagner. „Bisher ist das einwandfrei.“ Doch die wahre Prüfung käme in der ersten Krise. Und die soll nicht schon am Freitag beginnen.

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