Schalke-Analyse

Der Schalke-Report: Summen, Details, Topverdiener

Topverdiener auf Schalke: Yevhen Konoplyanka.

Topverdiener auf Schalke: Yevhen Konoplyanka.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Schalke investierte 70 Millionen Euro, doch Ex-Sportvorstand Christian Heidel leistete sich Transferflops. Der Klub zittert um den Klassenerhalt.

Seit der Saison 2014/2015 hat Fußball-Bundesligist Schalke 04 stolze 194 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Alleine in dieser Spielzeit pumpten die Königsblauen rund 70 Millionen Euro in ihren Kader, um sich erneut für die Champions League zu qualifizieren. Das Ergebnis ist ernüchternd: Schalke steckt vor dem Kellerduell beim 1. FC Nürnberg (Freitag, 20.30 Uhr, Eurosport-Player) sportlich tief in der Krise und muss trotz des immensen finanziellen Aufwands um den Klassenerhalt bangen. Sollte es gegen die Franken keinen Sieg geben, drohen dem Klub im Mai die Relegationsspiele gegen den Tabellendritten der Zweiten Liga.

Bei seinem Rücktritt Ende Februar suchte Ex-Manager Christian Heidel keine Ausflüchte. „Ich übernehme die volle Verantwortung für das sportliche Abschneiden“, sagte der 55-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt hegte Heidel noch die Hoffnung, dass sein vorzeitiger Abschied bei Schalke irgendwann den „Wendepunkt zum Guten“ einleiten könnte. Ein Trugschluss.

Pepe war als Ersatz für Naldo ein Thema auf Schalke

Seit Heidels Abschied wurde beim trudelnden Vizemeister gar nichts besser. Schalke trennte sich kurz darauf auch von Trainer Domenico Tedes­co, der zwar kein böses Wort Richtung Heidel richtete, sich aber in der prekären Lage von seinem „Entdecker“ allein gelassen fühlte. Unter Übergangstrainer Huub Stevens gab es in vier Pflichtspielen drei Niederlagen und nur einen Sieg (1:0 in Hannover). Stevens muss die Rettung mit den vorhandenen Spielern irgendwie hinbekommen. In der Winterpause wollte Vorgänger Tedesco dem Kader noch eine Frischzellenkur verpassen. Der vereinslose Pepe (36, ehemals Real Madrid) war als Ersatz für Naldo (zur AS Monaco) ein Thema auf Schalke, aber nur, bis der Portugiese am 8. Januar beim FC Porto unterschrieb. Schalke holte kurz vor Schließung des Transferfensters Wolfsburgs Jeffrey Bruma. Der stand jedoch auf der Kandidatenliste eher weit hinten.

Schalke: Di Santo und Geis erhielten Abfindungen

Schalke hatte bereits elf Millionen Euro in Manchester-City-Talent Rabbi Matondo, der bisher überhaupt nicht Fuß fassen konnte, investiert. Geld für einen dringend benötigten Stürmer war keines mehr da. So hatten die Königsblauen nicht einmal die Chance, den Brasilianer Carlos Vinicius (24/Neapel) auszuleihen. Vinicius landete in Monaco und ist jetzt Naldos Teamkollege. Teure Reservisten wie Johannes Geis (1. FC Köln) oder Franco Di Santo (Rayo Vallecano) konnte Heidel nicht durch Worte von einem Winterwechsel überzeugen, sondern nur durch Zahlungen von Abfindungen.

Heidel hat es in seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit geschafft, die Kadergröße von anfangs 36 Spielern auf 25 Akteure zu reduzieren und das Gehaltsgefüge von rund 80 Millionen auf jetzt 68 Millionen Euro anzupassen. Zwölf Schalker Profis fallen nach Informationen dieser Zeitung in die Gehaltsrubrik bis zwei Millionen Euro. Neun Spieler pendeln sich zwischen zwei und vier Millionen Euro Jahresverdienst ein, vier Stars streichen mehr als vier Millionen Euro ein – darunter Topverdiener Yevhen Konoplyanka.

Der Ukrainer kam 2016 aus Sevilla, im Leihvertrag war eine Kaufpflicht verankert: Ablöse 12,5 Millionen Euro. Er ist nur noch Statist. Neben Konoplyanka sind 16,5-Millionen-Einkauf Sebastian Rudy (FC Bayern) und 22,5-Millionen-Rekordtransfer Breel Embolo (FC Basel) die gravierendsten Fehleinschätzungen der Heidel-Ära. Jetzt muss Huub Stevens die Scherben einigermaßen zusammenkleben. Der große Spieler-Trödelmarkt findet dann im Sommer statt.

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