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RWO-Interview

RWO-Sportchef Nowak: „Der Kader ist auf zwei Jahre geplant“

Jörn Nowak von Rot-Weiß Oberhausen (r.) unterhält sich mit Trainer Mike Terranova.

Foto: Micha Korb / FUNKE Foto Services

Oberhausen.   Jörn Nowak, der sportliche Leiter von RWO, steht im Sportgespräch Rede und Antwort. Er redet über das Team, Zahlen, die neue Tribüne und Köln.

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Regionalligist Rot-Weiß Oberhausen gönnt sich eine Pause. Bis zum 9. Januar, länger als üblich, ruht der Ball an der Lindnerstraße. Zumindest, was die Spieler betrifft. Trainer und sportliche Leitung hingegen pausieren kürzer. Es gilt, die Weichen für den Start ins Jahr 2019 zu stellen. Die Sportredaktion unterhielt sich mit dem sportlichen Leiter Jörn Nowak über das ablaufende Jahr und das nächste.

Wie sieht Ihr Fazit für 2018 aus?

Jörn Nowak: Insgesamt war es ein gutes Jahr. Der Pokalsieg sticht natürlich heraus. Aber wir hatten auch sehr gute Phasen in der Liga. In der Hinrunde war der Anfang toll, dazwischen gab es Schwächephasen, aber auch Herausragendes. Wir sind ungefähr dort, wo wir uns vor der Saison selbst gesehen haben. In der Spitzengruppe.

War mehr drin?

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Nowak: Natürlich und wir sind mit der Punktausbeute auch nicht zufrieden. Wir hatten uns einen Schnitt von zwei Punkten pro Spiel vorgenommen, dazu fehlen uns sechs Zähler. Trotzdem sehe ich eine positive Entwicklung in der Mannschaft.

Sie analysieren viel. Nennen Sie uns Zahlen.

Nowak: Zweimal spielt die Zahl 12 eine große Rolle. Wir haben gegen die unteren zehn Mannschaften der Liga in zwölf Spielen zwölf Punkte liegen gelassen. Das ist einfach zu viel für ganz oben. Gegen Wiedenbrück etwa haben wir zwei zu wenig geholt, gegen Straelen sogar drei. Und gegen Bonn nochmals zwei. Und im eigenen Stadion haben wir auch zwölf Punkte abgegeben. Daran müssen wir alle arbeiten, dass das Stadion eine Festung wird.

Und die Viktoria, haben Sie die auch im Blick?

Nowak: Natürlich rechne ich da ebenfalls. Vergangene Saison hatten wir 14 Punkte Rückstand, jetzt zum gleichen Zeitpunkt neun. Aber wenn die mit ihrem Punkteschnitt so weiter machen, haben wir keine Chance. Mit 45 Zählern aus 21 Spielen sind das 2,142 pro Spiel und 73 am Ende. Mit unserem angepeilten Schnitt landen wir bei 68.

Was macht den Unterschied aus?

Nowak: Zunächst einmal: Wir haben einen starken Kader und haben uns für diese Spielzeit sinnvoll und gut verstärkt. Aber wir haben nicht die Mittel wie Viktoria oder auch andere Teams der Liga. Unser Etat wurde reduziert. Wir versuchen mit den vorhandenen Möglichkeiten das Maximum herauszuholen. Aber es macht sich manchmal bemerkbar, dass wir noch nicht ganz oben angekommen sind. In den englischen Wochen haben wir geschwächelt. Da waren die psychischen Belastungen der Stamm-Elf nach Spielen alle vier, fünf Tage zu groß. Da haben wir zu viele Chancen liegen gelassen, Beispiele sind Essen oder Wiedenbrück.

Wie lässt sich das abstellen oder verbessern?

Nowak: Da wir einen verkleinerten Kader haben, kommen uns geregelte Wochenabläufe zugute. Der Kader hat eine hohe Leistungsdichte, ermöglicht aber zu wenigen Spielern Praxis. Da macht sich das Fehlen der U23 bemerkbar. So wirkt sich der enge Zeitplan, der kaum Testspiele für die Spieler hintendran zulässt, für uns negativ aus. Die Spieler können keinen Rhythmus finden. Tarik Kurt fehlt ganz einfach die Praxis, um die Sicherheit der letzten Saison zu erlangen.

Da ist die Viktoria weiter?

Nowak: Ja, die würden solche Spiele wie jetzt zuletzt wir in Aachen einfach gewinnen. Viktoria nimmt aus schlechten Spielen noch Punkte mit. Wir holen uns hingegen dort unsere Nackenschläge ab. Uns ärgern diese Spiele ungemein. Gegen Kaan-Marienborn hatten wir in einer guten Halbzeit vor der Pause die Chance zum 3:1 und verpassen die. Stattdessen gleicht Kaan-Marienborn direkt nach Wiederanpfiff aus und gewinnt am Ende sogar.

Wirkt sich das auf den Zuschauerzuspruch aus?

Nowak: Ja, das ist es ja. Nach Kaan-Marienborn haben wir in fünf Spielen 13 Punkte geholt und trotzdem kommen zum Spitzenspiel gegen Mönchengladbach nur knapp 2000 Zuschauer. Ein Knackpunkt war auch das Sandhausen-Pokalspiel, wo wir die hohen Erwartungen der Fans durch naive Spielweise so enttäuscht haben, dass sich das auf die Liga auswirkte. Das haben wir dann gegen Viktoria Köln gemerkt, wo zu diesem ersten Spitzenspiel auch nur knapp 2000 Zuschauer kamen.

Daran lässt sich arbeiten.

Nowak: Genau, und das machen wir jeden Tag, Wir wissen, dass wir konstanter spielen müssen. Wir wollen die Leute mitreißen. Die müssen kommen, weil sie wissen, dass bei uns hervorragender Fußball geboten wird. Wir können einen in dieser Liga technisch herausragenden Ball spielen. Wir werden versuchen, alle Oberhausener immer wieder davon zu überzeugen.

Spielt die neue Tribüne eine Rolle?

Nowak: Eine sehr große. Im Pokalfinale hat man gesehen, was für eine Kraft von dort ausgehen kann. Die wirkt sich auch auf die anderen Tribünen aus und strahlt von dort aufs Spielfeld aus. Für uns ist es etwas ganz Besonderes mit der vollen Unterstützung unserer Fans auf die neue Tribüne hin zu spielen. Das stachelt jeden Spieler an, wir haben Begeisterung und Leidenschaft im Team. Die Tribüne ist geil und späte Tore dort sind es erst recht. Beispiel 3:2 gegen Aachen. Das Feuer geht in beide Richtungen. Menschen in Oberhausen sollen wieder Bock auf RWO bekommen.

Und Trainer Mike Terranova ist ein wichtiges Bindeglied in dieser Vision?

Nowak: Natürlich. Es ist unglaublich, wie Trainerstab und Mannschaft die unruhige Zeit überbrücken, in der er den Großteil der Woche nicht da ist. Alle ziehen an einem Strang. Da entsteht was, da wächst was und es wird Spaß machen.

Wieso?

Nowak: Alle schauen auf die Rückrunde und wir werden alles geben, so lange rechnerisch was möglich ist. Aber ich habe die Weichen langfristiger gestellt. Der Kader ist auf zwei Jahre geplant. Wir haben mit Leistungsträgern wie Patrick Bauder, Maik Odenthal oder Tim Hermes für diese Zeit verlängert. Wir haben die Verträge der Neuzugänge wie Dario Schumacher für diese Dauer angelegt. Wenn es im nächsten Jahr nicht klappen sollte, wollen wir auf jeden Fall 2019/20 von Anfang an ganz vorn dabei ein. Ich buche 2018 als ein Entwicklungsjahr. Wenn es mehr wird, freue ich mich am meisten. Wichtig ist, dass unser Vorstand mit dem Fortfahren des Lizenzierungsverfahrens für die Dritte Liga ein Zeichen für den Start 2019 setzt.

Und Ihre Wünsche für 2019?

Nowak: Gern ein Spieler, der im Offensivbereich außen uns sofort weiterhilft. Damit wären wir im Zentrum mit Maik Odenthal noch unberechenbarer. Dann natürlich, dass alle Verletzten zurückkommen und wir mit Bauder, Hermes oder Shaibou Oubeyapwa noch stärker in die Spiele einsteigen. Ich würde mich auch freuen, wenn Yassin Ben Balla hier seinen Vertrag erfüllen würde. Bisher gibt es weder Anfrage noch Angebot aus Paderborn. Ich wünsche mir auch, dass Jannik Löhden und Philipp Gödde ihre gefundenen Führungsspielerqualitäten weiter ausfüllen. Ich wünsche mir eine noch bessere Rückrunde, als es die Hinrunde war. Und wenn es für ganz oben noch nicht reicht, greifen wir in der Saison 2019/20 an.

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